Verein Lernwerk
Mikrokredite waren nicht oft gefragt

Der Verein Lernwerk erhält vom Kanton Aargau kein Geld mehr für die mikrokredite.ag. Leiterin Brigitt Hauert, die die Geschäftsstelle seit 2009 führt, sucht nun neue Lösungen.

Dean Fuss
Drucken
Teilen
Thomas und Ann-Kathrin Kapschak haben mit Unterstützung von mikrokredite.ag eine Firma gegründet.

Thomas und Ann-Kathrin Kapschak haben mit Unterstützung von mikrokredite.ag eine Firma gegründet.

Chris Iseli

«Für uns kam das Ende der Unterstützung eher überraschend», sagt Brigitt Hauert, Leiterin der Geschäftsstelle mikrokredite.ag. Noch im Januar hätte sie die Zusage gehabt, dass sie mit einem reduzierten Budget – 80000 statt 120000 Franken für den jährlichen Betrieb – weitermachen könne. «Im Februar erfuhren wir dann telefonisch, dass wir den grossen Budgetkürzungen zum Opfer gefallen sind.»

Hauert führte seit 2009 die Geschäftsstelle mikrokredite.ag im Namen des Vereins Lernwerk. Sie bezeichnet ihre Beratungstätigkeit mit den Jungunternehmern als sehr spannenden, «um nicht zu sagen Traumjob». Diesen ist Hauert nun – zumindest vorübergehend – los. Die mikrokredite.ag stellt ihre Tätigkeiten Ende September ein. Die noch laufenden Beratungen wurden an andere Stellen abgetreten, neue werden keine mehr akquiriert.

Eigenes Geschäft aufgezogen

Die mikrokredite.ag unterstützte und beriet Kleinunternehmen. Interessenten konnten sich von ihrer Geschäftsidee, über den Businessplan bis hin zum Start mit einem allfälligen

Mikrokredit

Die Mikrokredite haben ihren Ursprung hauptsächlich in Entwicklungsländern. Sie haben in der Regel den Zweck, die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern. Kommerzielle Partnerin der mikrokredite.ag war die Aargauische Kantonalbank. Die Laufzeit der marktüblichen Mikrokredite betrug maximal drei Jahre. (dfs)

Für die Kapschaks stand die Suche nach Startkapital nicht im Vordergrund, als sie sich bei Hauert meldeten. Und genau hier liegt für den Kanton ein Problem der mikrokredit.ag: «Der Mikrokredit als solches war gar nicht so gefragt wie erhofft. Für die reine Beratung gibt es auch andere Stellen», sagt Thomas Buchmann, Leiter des Amtes für Wirtschaft und Arbeit (AWA). Er meint damit unter anderem die Standortförderung oder die Förderung der selbstständigen Erwerbstätigkeit (FsE). Hauert sieht das anders: «Im Unterschied zu den anderen Beratungsstellen konnte ich dank meiner Unabhängigkeit von Provisionen auch den negativen Aspekt – also auf die Gründung eines Geschäfts zu verzichten – beraten.»

Geld nicht in aussichtsloses Projekt stecken

Von Oktober 2009 bis Februar 2012 bearbeitete Brigitt Hauert gegen 200 Anfragen. Über 130 Personen liessen sich von ihr beraten. In rund 40 Fällen trug die mikrokredite.ag massgeblich zur Unternehmensgründung bei. Insgesamt zehn Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer beantragten schliesslich erfolgreich einen Mikrokredit bei der Aargauischen Kantonalbank. Eine Beurteilung aufgrund der reinen Zahlen war auch für den Kanton schwierig, wie Buchmann betont: «Natürlich ist es auch schon ein Erfolg, wenn verhindert werden kann, dass jemand seine Pensionskasse in ein aussichtsloses Projekt steckt.»

Hauert hofft weiterhin auf eine Fortsetzung ihrer Beratungstätigkeiten. «Ich habe das Projekt ganz sicher noch nicht aufgegeben.» Sie suche immer noch nach geeigneten Partnern für den Betrieb und die Finanzierung. Für das künftige Modell hat Hauert sehr genaue Vorstellungen: «Es soll überregional sein. Im Mittelland fehlt es an einer solchen Stelle.» Weil der Kanton die mikrokredite.ag unterstützt hatte, durfte Hauert nur Personen mit Wohn- oder Firmensitz im Aargau unter ihre Fittiche nehmen.

Bisher haben sich noch keine Sponsoren finden lassen. «Stiftungen zu gewinnen war bisher unmöglich. Für diese ist das Projekt in seiner ursprünglichen Form zu wirtschaftlich», sagt Brigitt Hauert. Dabei seien die Beratungen in der Realität oftmals sozialer Natur. Um dem Ausdruck zu verleihen, würde Hauert bei einem neuen Projekt keinesfalls mehr auf die Bezeichnung Mikrokredit im Namen setzen.

Aktuelle Nachrichten