Historische Dampflokomotive
Mikado hat Fahrverbot und dampft trotzdem quer durch den Aargau

Mit einer superprovisorischen Verfügung hat das Bundesamt für Verkehr dem Verein Mikado 1244 die Bewilligung für das SBB-Netz entzogen. Doch die Dampflok schnaubt am 4. Mai von Zürich über Baden, Brugg und Aarau nach Lausanne und am Abend zurück.

Hans Lüthi
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Die gigantische Mikado 141 R 1244 ist im Brugger Bahnpark stationiert und dort zu bewundern.

Die gigantische Mikado 141 R 1244 ist im Brugger Bahnpark stationiert und dort zu bewundern.

Das Unglück begann Ende Februar auf einer Extrafahrt des Vereins Mikado 1244 zwischen Bassersdorf und Effretikon . Am Zug mit der schönen Dampflokomotive entgleiste ein Wagen. Der ansonsten harmlose Unfall führte zu grösseren Störungen bei der Zürcher S-Bahn und im Fernverkehr.

Bei den Abklärungen stellte das Bundesamt für Verkehr gravierende Mängel fest: Der defekte Wagen war ohne die obligatorische Sicherheitsbescheinigung unterwegs und auch im nationalen Eisenbahn-Fahrzeugregister nicht eingetragen. Ob überhaupt eine Betriebsbewilligung vorlag, wird beim Bund noch abgeklärt.

Netzverbot für den Verein

Gestützt auf den Zwischenfall suspendierte das Bundesamt für Verkehr dem Verein Mikado 1244 die Netzzugangsbewilligung Mitte März. Die superprovisorische Verfügung erfolgte ohne Anhörung der Betroffenen und obwohl die Unfallursache noch in Abklärung war.

Die aufschiebende Wirkung einer Beschwerde wurde dem Verein entzogen, aber er bekam die Gelegenheit, bis Ende April Stellung zu nehmen. Der Bund selber schreibt dazu, über die Verhältnismässigkeit einer Massnahme könne man immer diskutieren, aber das BAV habe nicht untätig bleiben können.

Zudem sei die Hauptsaison für den Verkehr mit historischem Rollmaterial nicht gefährdet. Für die Erneuerung der Sicherheitsbescheinigung per 30. Juni 2013 habe der Verein jetzt Gelegenheit «die Prozesse und Abläufe zu optimieren.»

Eine Extrafahrt am Samstag

Was auf den ersten Blick unlogisch erscheint, geht dennoch mit rechten Dingen zu und her: Die Bewilligung für die Netznutzung und für die Fahrzeuge sind zwei paar Schuhe. Deshalb darf die in Brugg stationierte Dampflokomotive Mikado 1244 am Samstag, 4. Mai, an einer Extrafahrt teilnehmen.

Der Fahrplan

Die genauen Fahrzeiten am Samstag, 4. Mai: Start im Zürcher HB um 8.13 Uhr auf Gleis 13. Im Aargau werden Passagiere für die reservierten Plätze zusteigen, die voraussichtlichen Abfahrtszeiten sind in Baden 8.38 Uhr, Brugg 8.51 Uhr, Aarau 9.08 und Olten 9.23 Uhr. Einen längeren Halt gibt es in Oensingen, weil die Lokomotiven Wasser fassen müssen. Am Abend rollt der Doppeltraktion-Dampfzug zwischen 19.50 (Aarau) und 20.23 Uhr (Baden) zurück in den Zürcher HB.

«Die Verfügung gegen den Verein gilt nicht für die Fahrzeuge», erklärt auch Organisator Fredy Landenberger von Stream Adventure Tours. An der Extrafahrt sind zwei ölbeheizte Mikado-Dampfloks beteiligt, eine französische und eine deutsche mit 192 und 175 Tonnen Gewicht.

450 Reisende werden die ganztägige Extrafahrt geniessen, die am Samstag um 8.13 Uhr auf Gleis 13 im Zürcher HB beginnt. Zum Zug gehören komfortable Schnellzugwagen 1. und 2. Klasse aus den 1960er Jahren.

Das Bundesamt für Verkehr bestätigt den Sachverhalt: Obwohl das Schweizer Schienennetz für den Verein Mikado landesweit gesperrt ist, darf ein anderes Eisenbahn-Verkehrsunternehmen mit den Lokomotiven fahren. «Das ist hier der Fall, für die Doppeltraktion Mikado vom 4. Mai zeichnet die TR Trans Rail AG verantwortlich», schreibt das BAV auf Anfrage der Aargauer Zeitung.

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