Verkehrsschulung

«Mige» Schwarzenbach ist der Aargauer Superfahrlehrer – aber «streng und pingelig»

Fahrlehrer «Mige» Schwarzenbach während einer Fahrstunde mit Schülerin Giannina Flury aus Dättwil. Fotos: Sandra Ardizzone

Fahrlehrer «Mige» Schwarzenbach während einer Fahrstunde mit Schülerin Giannina Flury aus Dättwil. Fotos: Sandra Ardizzone

Erneut zählt der Aargauer Fahrlehrer Michel Schwarzenbach zu den zehn besten Fahrlehrern der Schweiz. Wir haben Ihn auf einer Fahrt begleitet.

Treffpunkt Bahnhof Wettingen: Hier findet man den «Superfahrlehrer» des Aargaus. In einem weissen VW Golf, der mit dem Logo der Fahrschule Florin angeschrieben ist, hilft dieser gerade einem Fahrschüler in den Parkplatz vis-à-vis vom Migrolino zu fahren.

Danach begrüsst der Mann mit dem Dreitagebart einen mit einem herzlichen Lachen und stellt sich direkt als «Mige» vor.

Michel Schwarzenbach aus Fislisbach, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat, ist zum dritten Mal in Folge unter die besten zehn Fahrlehrer der Schweiz «gefahren».

Im Video-Interview: Mige Schwarzenbach verrät sein Geheimnis.

Im Video-Interview: Mige Schwarzenbach verrät sein Geheimnis.

In den letzten zwei Jahren hatte er den vierten und dritten Platz erreicht. Zwar hat es diesmal schweizweit «nur» für den siebten Platz gereicht: «Die Konkurrenz ist halt gross», so der in Fislisbach wohnhafte «Mige».

Doch viel wichtiger ist ihm, dass er im Kanton Aargau seit drei Jahren ungeschlagen den ersten Platz als «Superfahrlehrer» verteidigt hat.

Fast schon eine Ironie des Schicksals: Bevor der Zürcher nämlich in den Aargau zog, habe er gerne mal ein bisschen über dessen Einwohner gewitzelt.

Doch er wollte sich von seinen Vorurteilen selbst überzeugen: «Deshalb bin ich Fahrlehrer im Aargau geworden.» Und anscheinend hat es ihm dann doch gefallen, denn er ist sowohl hier als auch Fahrlehrer geblieben.

Fahrschülerin Giannina Flury: «Ich komme gerne in die Fahrstunden»

Für seine Schülerin Giannina Flury aus Dättwil ist er klar der Beste seiner Zunft: «Ich habe ihn so gut bewertet, weil er es einfach verdient hat.»

Bei «Mige» könne sie auf eine lockere Art viel lernen. «Er ist immer gut gelaunt und ich komme immer gerne in die Fahrstunden», sagt die 18-jährige Kanti-Schülerin.

Die gute Bewertung freut ihren Fahrlehrer; dass er von den Jugendlichen schon zum dritten Mal so gut eingestuft worden ist, macht ihn stolz: «Das ist eine sehr schöne Bestätigung für mich.»

Zudem würden seit den Nominierungen auch mehr Fahrschüler bei ihm anklopfen. Und das sei gut: «Wenn man als Fahrlehrer viele Stunden macht, kann man ein gutes Leben führen und verdient genug.»

«Mige» Schwarzenbach während einer Fahrstunde mit Schülerin Giannina Flury aus Dättwil. Fotos: Sandra Ardizzone

«Mige» Schwarzenbach während einer Fahrstunde mit Schülerin Giannina Flury aus Dättwil. Fotos: Sandra Ardizzone

Aber dann ist fertig geplaudert. Punkt 9 Uhr wird der Motor gestartet: An diesem kalten Mittwochmorgen darf das «Badener Tagblatt» Giannina Flury bei ihrer 21. Fahrstunde begleiten.

Es ist eine der letzten vor der Prüfung und sie ist etwas nervös. Doch Schwarzenbach beruhigt sie: «Das ist gerade eine gute Übung: Der Experte wird dich wohl weniger stören als die Journalistin, die ständig Fragen stellt und die Fotografin, die immer wieder Fotos macht», sagt ihr Fahrlehrer lachend.

Der 30-Jährige lotst Giannina routiniert und konzentriert durch die Strassen von Wettingen. Er misst die Zeit, die Giannina beim Rückwärts-Einparkieren braucht, oder beantwortet letzte Fragen zum Thema Verkehrssicherheit und ökonomisches Fahren.

Dabei macht er aber auch immer mal wieder einen Witz, fragt nach ihrem Wohlbefinden oder ihren Ferien. Die Stimmung ist locker, manchmal gar ironisch. «Bei mir steht der Spass an der ersten Stelle.»

Doch nicht nur seine Sprüche bringen einen zum Lachen, sondern auch seine Eigenarten: In jedem Fach der vier Autotüren entdeckt man ein Glas Essiggürkchen.

Eine Art Glücksbringer vielleicht? Oder für eine schwangere Frau, die bei ihm das Autofahren lernt? Nein, «Mige» will abnehmen: «Ich habe schon genug zugenommen, weil ich als Fahrlehrer unregelmässig esse und ich mir meistens etwas aus dem Migrolino hole. Essiggürkchen sind der perfekte, gesunde Snack für zwischendurch!»

Fahrlehrer Michel Schwarzenbach aus Fislisbach erklärt die Fahrstunde.

Fahrlehrer Michel Schwarzenbach aus Fislisbach erklärt die Fahrstunde.

In 30 Stunden zum Führerschein

Vom Snack zum Klischee: Davon, dass Männer die besseren Autofahrer sind, hält «Mige», der mit mehr weiblichen als männlichen Jugendlichen auf den Strassen unterwegs ist, nichts.

Dieses Vorurteil komme vielleicht davon, dass Männer manchmal motivierter und interessierter seien und deshalb schneller ans Ziel kommen. «Aber es gibt auch solche, die keine Ahnung vom Autofahren haben», sagt der Vater einer kleinen Tochter lachend.

Vor seiner Fahrlehrer-Karriere arbeitete «Mige» im Gastgewerbe. Dort habe ihm aber die Dankbarkeit gefehlt. Diese schätzt er an seinem jetzigen Beruf besonders.

Auch der Kontakt mit den Jugendlichen gefalle ihm: Seine Schüler sind durchschnittlich 18, 19 Jahre alt.

Mit viel Motivation arbeitet «Mige» auf sein Ziel hin: «Meine Schüler sollen das Autofahren so schnell und günstig wie möglich lernen.»

Die allermeisten bestehen im ersten Durchgang

Dies scheint zu klappen: Der allergrösste Teil seiner Schüler besteht die Prüfung beim ersten Durchgang.

Doch günstig? 70 Franken zahlen die Schüler bei «Mige» für eine Lektion von 45 Minuten, und sie brauchen durchschnittlich 30 davon, um den Führerschein zu bekommen. Ist das nicht ganz schön viel? «Nein, in der ganzen Schweiz sind im Durchschnitt 30 Fahrstunden nötig, um die Prüfung zu bestehen.»

Und wenn das mal geschafft ist, und die Schüler mit dem Experten sicher ins Ziel gefahren sind, ist «Mige» glücklich: «Das Schönste an meinem Beruf ist das Strahlen in den Augen meiner Schüler, wenn sie die Prüfung bestehen. Das ist unbezahlbar.»

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