Der 17-Jährige, der im November 2016 mit zwei Kollegen gewaltsam aus dem Jugendheim Aarburg ausgebrochen ist, macht laut seinem Verteidiger in der gegenwärtigen Institution eine gute Entwicklung durch. Das Strafgericht Zug eröffnet sein Urteil am Nachmittag.

Der junge Mann, der bald 18 Jahre alt wird, befindet sich zurzeit in einem Thurgauer Massnahmenzentrum (MZ). Dort habe er eine ambulante Behandlung begonnen, sagte der Verteidiger. Im Sommer sei die Aufnahme einer Lehre geplant. Nicht einfacher wird die Situation des Jugendlichen dadurch, dass er Anfang 2016 Vater einer Tochter wurde.

Gemäss den Berichten aus dem MZ entwickelt sich sein Mandant gut, so der Anwalt. Die Fachleute beurteilten ihn als "massnahmenbedürftig und -fähig". Es sei wichtig, dass er die begonnene Massnahme weiterführen könne.

Der Verteidiger beantragte einen Schuldspruch wegen Meuterei von Gefangenen, einfacher Körperverletzung und Raub - allenfalls Diebstahl. Von den Vorwürfen der versuchten schweren Körperverletzung und der Freiheitsberaubung sei er freizusprechen. Angemessen sei eine Freiheitsstrafe von maximal neun Monaten. Bei Fortführung der Massnahme würde diese entsprechend aufgeschoben.

Der Staatsanwalt hatte zuvor 36 Monate Freiheitsentzug sowie eine Busse von 300 Franken gefordert. Er verlangte einen Schuldspruch wegen Meuterei von Gefangenen, mehrfacher Freiheitsberaubung, versuchter schwerer Körperverletzung und mehrfachen Raubes.

Spektakulärer Ausbruch

Spektakulärer Ausbruch (15. November 2016)

Drei Minderjährige sind aus der geschlossenen Abteilung des Jugendheims in Aarburg geflüchtet. Dabei waren sie auch gewalttätig.

"Einfach weg gewollt"

In seiner Befragung gab der junge Schweizer an, er habe damals zwar aus der geschlossenen Abteilung des Jugendheims Aarburg "abhauen" wollen - jedoch ohne dabei jemanden zu verletzten. Wie er sich das vorgestellt hatte, konnte er allerdings nicht erklären. Den Fluchtplan hätten er und seine beiden Kumpel gemeinsam gefasst. Wie man genau vorgehen wolle, habe aber keiner gewusst.

Als er gesehen habe, dass sein Kollege mit einer Metallstange auf einen Sozialarbeiter einschlug, sei er vor Schock wie versteinert gewesen und habe deshalb nicht eingreifen können. Rückblickend sei klar: Was sie getan hätten, "war nicht gut".

Der sehr jung wirkende Beschuldigte mit raspelkurz geschnittenem Haar, grauem T-Shirt und grauen Jeans versicherte, es sei ihm "nicht egal" gewesen, dass man den verletzten und blutenden Sozialarbeiter und die ebenfalls verletzte Sozialarbeiterin in einer Toilette eingeschlossen habe. Er habe aber nichts tun können und sowieso "einfach weg gewollt".

Der Direktor des Jugendheims Aarburg Hans Peter Neuenschwander erklärt, wie es zum Ausbruch der drei Jugendlichen aus der geschlossenen Anstalt gekommen ist.

Der Direktor des Jugendheims Aarburg Hans Peter Neuenschwander erklärt, wie es zum Ausbruch der drei Jugendlichen aus der geschlossenen Anstalt gekommen ist. (16. November 2016)

Sozialarbeiter in ihre Gewalt gebracht

Das Strafgericht Zug hatte Anfang September 2015 den damals 16-jährigen Beschuldigten wegen Betäubungsmittel- und anderen Delikten verurteilt und eine sogenannte Unterbringung angeordnet. Anfang November 2016 trat er in die geschlossene Abteilung des Jugendheims Aarburg ein. Schon am 13. November kam es zum Ausbruch.

Der Beschuldigte und zwei weitere Insassen brachten die beiden diensthabenden Sozialarbeiter in ihre Gewalt, indem sie sie zusammenschlugen. Sie stahlen ihnen Mobiltelefon, Schlüssel, Autoschlüssel, Bargeld und einen Pfefferspray. Mit diesem brachten sie eine weitere Sozialarbeiterin dazu, ihnen das äusserste, biometrisch gesicherte Tor zu öffnen.

Schon ein paar Tage später wurde der Beschuldigte verhaftet. Auch seine beiden Kumpels wurden wieder festgenommen. Sie werden zu einem späteren Zeitpunkt in den Kantonen Bern beziehungsweise Zürich vor Gericht stehen.