Verkehr

Messgerät für übermüdete Autofahrer: Kapo und TCS Aargau reagieren skeptisch

In Zürich soll ein Messgerät der Polizei helfen, müde Autofahrer aus dem Verkehr zu ziehen.

In Zürich soll ein Messgerät der Polizei helfen, müde Autofahrer aus dem Verkehr zu ziehen.

Das Rechtsmedizinische Institut der Universität Zürich arbeitet an einem Messgerät, das die Müdigkeit von Autofahrern feststellen kann. So will man Unfälle verhindern. Im Aargau ist dies keine Option.

Einnicken am Steuer ist gefährlich: Bei rund 20 Prozent aller Verkehrsunfälle ist Müdigkeit im Spiel. In Österreich können Polizisten die Müdigkeit von Autofahrern bereits feststellen:  Eine Brille misst mit einer Infrarotkamera die Bewegung der Pupille und erkennt, wie müde der Fahrer ist.

Nun entwickelt auch das Rechtsmedizinische Institut der Universität Zürich einen solchen Test. «Wir arbeiten an einer technischen Lösung», sagte Thomas Krämer vom Rechtsmedizinischen Institut gegenüber der «NZZ am Sonntag». Mehr wollte er aber noch nicht verraten. 

Könnte ein Müdigkeits-Messegerat bald auch im Aargau zum Einsatz kommen? «Das ist bei uns derzeit kein Thema», sagt Bernhard Graser, Sprecher der Kantonspolizei Aargau. «Ob ein Fahrer übermüdet ist, lässt sich im Gegensatz zu Alkohol oder Drogen kaum nachweisen.»

Nach Gesetz dürfen die Polizisten einem übermüdeten Autofahrer den Ausweis abnehmen – auch im Aargau. «Im Zusammenhang mit Unfällen kommt das vor», sagt Graser. Dies, wenn Unfallsituation auf Übermüdung schliessen lasse oder der Unfallfahrer zugäbe, eingenickt zu sein.

Dennoch kommt es vor, dass Polizisten mit einer Taschenlampe die Pupillen von Autofahrern kontrollieren – wenn der Verdacht besteht, dass der Fahrer unter Drogeneinfluss steht. «Dies ist Bestandteil des vorgeschriebenen Vortests», sagt Graser. Fällt der Vortest positiv aus, führen die Polizisten den Drogenschnelltest durch. Ist auch der positiv, muss sich der Fahrer einem Blut- und Urintest unterziehen. 

Auch der TCS ist skeptisch

Auch die Sektion Aargau des Touring Clubs Schweiz steht einem solchen Messgerät skeptisch gegenüber. «Es ist schwierig festzustellen, ab wann jemand übermüdet ist», sagt Präsident und Grossrat Thierry Burkart, «sowohl rechtlich als auch anatomisch – Müdigkeit ist sehr individuell». Viel wichtiger als ein Test, bei dem man nicht mal wisse, ob er überhaupt funktioniere, sei die Prävention. «Wenn sich jemand übermüdet hinters Steuer setzt, ist das sehr gefährlich», sagt Burkart. 

Um auf diese Problematik aufmerksam zu machen, haben der TCS zusammen mit der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu), dem Verkehrssicherheitsrat und dem Fonds für Verkehrssicherheit vor vier Jahren die Kampagne «Turboschlaf» lanciert. Die Botschaft: Gönnt euch ein Viertelstündchen Ruhe. Prävention ist viel zielführender als Repression, ist Burkart überzeugt.

Meistgesehen

Artboard 1