Die Aussage von Doris Leuthard, spätestens auf Ende Legislatur 2019 aus dem Bundesart zurückzutreten, sorgte schweizweit für einigen Wirbel. Die Pläne bringen neuen Schwung in die Diskussion um die Verteilung der Regierungssitze. In Leuthards Heimatgemeinde Merenschwand hingegen nimmt man die Ankündigung ihrer Bundesrätin so zur Kenntnis, wie man über all die Jahre mit der prominenten Bewohnerin umgegangen ist: gelassen.

Gemeindeammann und Parteikollege Hannes Küng erfuhr aus dem Fernsehen von Doris Leuthards Rücktrittsankündigung. Überrascht sei er höchstens von der Selbstverständlichkeit gewesen, mit der sie ihre Pläne erstmals offengelegt habe, sagt er.

Hannes Küng Gemeindeammann, Merenschwand. Wahlfeier für Doris Leuthard als Bundespräsidentin

2017: Ammann Hannes Küng an der Wahlfeier für Bundespräsidentin Doris Leuthard

Hannes Küng Gemeindeammann, Merenschwand. Wahlfeier für Doris Leuthard als Bundespräsidentin

So etwas wie einen Doris-Leuthard-Effekt spürte Küng jeweils dann, wenn er irgendwo in der Schweiz seinen Wohnort nannte. Sein Fazit: «Merenschwand war noch nie so bekannt wie jetzt.» Es sei schön, als kleiner Ort in der Landesregierung vertreten zu sein, auch wenn sich daraus politisch keinen Nutzen ziehen lasse. «Wir können als Gemeinde nicht mit einem Anliegen zu ihr gehen und den Bundesrat bemühen.»

Grosser Empfang in der Heimat: Bundespräsidentin Doris Leuthard in Aarau und Merenschwand.

Grosser Empfang in der Heimat: Bundespräsidentin Doris Leuthard in Aarau und Merenschwand.

(Dezember 2016)

Das Reisli geht weiter: Die Bundesräte in Sarnen

Das Reisli geht weiter: Die Bundesräte in Sarnen

Sarnen - 07.07.2017 - Nach dem Abstecher in den Kanton Aargau am Donnerstag führte Bundespräsidentin Doris Leuthard ihre Kollegin und fünf Kollegen am Freitag in den Heimatkanton ihres Mannes, nach Sarnen im Kanton Obwalden. Auf dem Dorfplatz in Sarnen wurden freundlich Hände geschüttelt und mit der Bevölkerung um die Wette gestrahlt.

Diskretes Dorf

Auch für das Standortmarketing hat die Gemeinde Leuthards Popularität und Bekanntheit nie genutzt – nicht nur aus Diskretionsgründen, wie Küng sagt. «Das war gar nie nötig, wir wuchsen auch so schnell genug.»

Beste Werbung für ihren Wohnort macht die CVP-Politikerin von sich aus. Nach ihrer Wahl zur Bundespräsidentin etwa sagte sie: «Es ist eine grosse Ehre für mich, für meine Familie, für meine Wohngemeinde Merenschwand, genauso wie für den ganzen Kanton Aargau.»

Bei der anschliessenden Feier lud sie die Schweizer Politprominenz ins Freiamt ein. In Merenschwand wurde sie von den Einwohnern gefeiert, sie versprach im Gegenzug, man werde sie auch weiterhin im Volg beim Einkaufen antreffen. Den Rindsschmorbraten servierten die Frauen vom Turnverein, dem die Politikerin einst selbst angehört hatte, den prominenten Gästen.

Und auch auf der diesjährigen Bundesratsreise sorgte Leuthard dafür, dass die Schweizer Politwelt für einen Tag in den Aargau blickte. Die bundesrätliche Tour führte - wie könnte es anders sein - auch ins Freiamt. Leuthard und ihre Kollegen besuchten in Hägglingen eine Firma, die Strohhüte herstellt und sie verliessen die Fabrik mit einem persönlichen Exemplar auf dem Kopf. Beim anschliessenden Bad in der Menge zeigte sich: Die Bundesrätin steht bei der Aargauer Bevölkerung hoch im Kurs.