Störche

Meister Adebar überwintert immer häufiger im Aargau

Ein Storchenpaar in Rheinfelden. Viele Artgenossen nehmen die Reise in den Süden nicht länger auf sich.

Ein Storchenpaar in Rheinfelden. Viele Artgenossen nehmen die Reise in den Süden nicht länger auf sich.

Immer mehr Störche ziehen im Winter nicht länger in den Süden. So auch die Störche auch im Aargau. Die Gesellschaft «Storch Schweiz» untersucht dieses Phänomen. Heute ist Zähltag.

Weissstörche sind eigentlich Zugvögel, die den Winter in Afrika verbringen. Im Frühling, wenn es wieder wärmer wurde, kehrten sie früher nach Europa zurück. Seit Jahren ziehen viele Störche aber nur noch bis Spanien. Dort finden sie reichlich Nahrung auf den Mülldeponien. In jüngster Zeit verbringen immer mehr Störche den Winter im Aargau. Im Schnee sehen die Vögel mit ihrem weissen Federkleid, den schwarzen Flügeln und den roten Schnäbeln und Beinen besonders schön aus.

36 Störche am Flachsee

Am Flachsee bei Bremgarten sind letzten Sonntag 36 Exemplare gesehen worden, wie die «Luzerner Zeitung» diese Woche schrieb. Peter Enggist, der Geschäftsführer der Gesellschaft «Storch Schweiz», hat gleich mehrere Meldungen von Vogelbeobachtern erhalten. Der Flachsee sei ein gutes Storchengebiet, sagt Enggist: «Die Reuss ist hier nicht gefroren, das Wasser ist zurzeit wärmer als die Luft. Ausserdem finden die Störche im flachen Wasser auch Nahrung.»

1950 war der Weissstorch in der Schweiz ausgestorben. Gründe für das Aussterben gab es viele. Einerseits waren Nässe und Kälte im Frühling mitverantwortlich. Andererseits wurden immer mehr Flüsse und Bäche verbaut, Feuchtgebiete trockengelegt und die Mechanisierung der Landwirtschaft führte dazu, dass eine immer eintönigere Landschaft entstand.

Seit den Sechzigerjahren wurden Störche in der Schweiz wieder ausgewildert und erfolgreich angesiedelt. Seither wächst die Population kontinuierlich. 2016 wurden im ganzen Land 456 Brutpaare gezählt.

Zu saubere Mülldeponien

Dass die Störche nun immer häufiger auch den Winter in der Schweiz verbringen, hat nicht zuletzt mit neuen EU-Richtlinien zur Abfallentsorgung zu tun. «Weil die EU beschlossen hat, den organischen Abfall auf Mülldeponien zu reduzieren, finden die Störche oft keine Nahrung mehr», sagt Enggist.

Einige Störche würden deshalb wieder vermehrt nach Nordafrika ziehen, andere könnten in Spanien verhungern. «Und immer mehr Störche ziehen eben gar nicht mehr in den Süden», sagt Enggist. Das sei für die Vögel eigentlich kein Problem, der Storchenzug sei schon lange im Wandel.

«Storch Schweiz» untersucht dieses Phänomen zusammen mit dem Zoo Basel und dem Zoo Zürich. Wer heute Samstagnachmittag im Aargau Störche sieht, soll sie deshalb zählen und es der Gesellschaft «Storch Schweiz» melden. Heute Samstag findet nämlich die Storchen-Winterzählung statt – in Zusammenarbeit mit der Vogelwarte Sempach. Die Storchenzählung beginnt um 15.30 Uhr und dauert bis zur Dämmerung. «Alle Personen, die in dieser Zeit Störche sehen, können sich per E-Mail unter storch-schweiz@bluewin.ch oder telefonisch unter 062 965 29 26 melden», sagt Peter Enggist.

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