Christine Egerszegis Unterstützung für Ständeratskollegin Pascale Bruderer schlägt hohe Wellen. Am vergangenen Wochenende lancierte die SP-Politikerin Bruderer ihren Ständerats-Wahlkampf und bekam dabei Zuspruch von verschiedenen, ausserparteilichen Seiten. Auch von ihrer Kollegin und FDP-Politikerin Egerszegi. Sie hat ihre Zusage gegeben für ein Foto mit einem Kommentar, das für die Homepage von Bruderer verwendet werden darf (siehe Bild unten).

Dagegen unterstützt Egerszegi ihren FDP-Präsidenten Philipp Müller nicht, obwohl dieser doch anstrebt, den Ständerats-Sitz der Zurücktretenden für die Partei zu halten. Kommt dazu, dass es sich um Egerszegis einzige Wahlhilfe in den diesjährigen Wahlen handelt.

Mit diesem Auftritt unterstützt Christine Egerszegi Bruderer auf deren Homepage.

Mit diesem Auftritt unterstützt Christine Egerszegi Bruderer auf deren Homepage.

In der Kommentarspalte im entsprechenden Artikel dieses Portals wird der Werbe-Schachzug rege diskutiert. Urs Haeny, ein ehemaliger FDP-Grossrat, ist kaum überrascht von Egerszegis Aktion: «Wer in den letzten Jahren ihr Abstimmungsverhalten verfolgt hat, konnte mit nichts anderem rechnen.»

User Stephan Rohr hingegen lobt die beiden Politikerinnen: «Die zwei Frauen bilden ein starkes Team für den Aargau und lassen Sachpolitik vor Parteigrenzen walten. So sollte Politik sein.»

Ähnlich klingt es auch von Christian Keller: «Im Stöckli müssen parteipolitische Interessen zurückstehen. Offenbar traut Frau Egerszegi Pascale Bruderer die Fähigkeit zur Sachpolitik zu, dem Gipsermeister hingegen nicht.»

Oder bei Martin Grünenfelder: «Der Ständerat hat die Interessen der Kantone zu verfolgen und umzusetzen. Und nicht die der Parteien! Es ist leider in Bern sehr oft so, dass um die Stimmen der Bürger geworben wird, bei einer Wahl aber der Gewählte nur seine Interessen und die seines Geldbeutels verfolgt. Frau Egerszegi macht das daher sehr gut. Sie hat Frau Bruderer kennengelernt, ist mit ihr sehr zufrieden. Und Frau Egerszegi war noch nie eine stramme Parteisoldatin. Sie stellte das Wohl des Aargaus über alles.»

Auf der anderen Seite hegen die bürgerlichen Leser, beispielsweise Dani Kloter, schwere Vorwürfe gegen Christine Egerszegi: «Was ist so besonders mutig daran, wenn man die Ressourcen einer Partei (Geld, Einfluss und Mitglieder) dazu nutzt, um in politische Ämter zu kommen und ihr dann in den Rücken schiesst? Ich würde das eher als charakterlos bezeichnen, da ihr wohl der Mut, als Parteilose oder Linke zu kandidieren, fehlte.»

Reto Krauser sieht das ähnlich: «Mich erstaunt das Verhalten von Frau Egerszegi nicht, sie war für mich noch nie eine bürgerliche Kandidatin. Mich hat nur erstaunt, dass Egerszegi als Freisinnige nach Bern gewählt worden ist.»

Parteispitze entrüstet: FDP-Egerszegi unterstützt SP-Bruderer

Parteispitze entrüstet: FDP-Egerszegi unterstützt SP-Bruderer

Dieter Stäger übt ebenfalls Kritik an der Wahlhilfe, denkt jedoch, die Gründe zu kennen: «So sehr ich Christine Egerszegi schätze, das ist absolut unverzeihlich! Allerdings fehlt mir auch jedes Verständnis dafür, dass die FDP wieder mit der SVP paktiert. Das sieht Frau Egerszegi wohl genauso, deshalb ihre unrühmliche Aktion.»

Auch der aus Würenlingen stammende Buchautor Pirmin Meier hat sich zur Werbung für Bruderer geäussert: «Frau Egerszegi, parteiintern auch schon als «linke Tante» bezeichnet, bildete mit Frau Bruderer ein Ticket, das sich in der Regel nicht neutralisiert hat. Das wird in der neuen Legislatur nicht mehr so sein, wer immer auch gewählt wird neben Favoritin Bruderer.»

Einige Leser verstehen Egerszegi ebenfalls, da sie Bruderer für menschlicher halten als Müller. So schreibt Susi Gut auf unserer Facebook-Seite zum entsprechenden Artikel: «Frau Pascale Bruderer ist eine starke Persönlichkeit, man weiss, für was sie steht und sich einsetzt. Auch ist sie volksnah und sucht den Kontakt auch. Mails beantwortet sie immer. Dies alles kann man von Phillipp Müller nicht sagen. Er plappert mal so, mal anders. An Veranstaltungen führt er sich sehr abgehoben auf. Er könnte von Frau Bruderer einiges lernen.»