Stellungnahme

«MeinArzt»-Debakel: Gruppenpraxen wehren sich gegen «pauschale Verurteilung» durch Ärzteverbandspräsident

Jürg Lareida sorgt mit seiner Medienmitteilung für Kritik.

Jürg Lareida sorgt mit seiner Medienmitteilung für Kritik.

Der Präsident des Aargauischen Ärzteverbands hat mit einer Aussage die «Interessengemeinschaft für die medizinische Grundversorgung in der Schweiz» verärgert. Der IG gehören mehrere Praxisgruppen respektive Praxisketten an.

Nach dem Debakel um die Praxiskette «MeinArzt», die fast alle Niederlassungen im Aargau Knall auf Fall geschlossen hat und deren Inhaber in Italien verhaftet wurde, zeigte sich der Aargauische Ärzteverband letzte Woche in einer Medienmitteilung «besorgt», aber «nicht überrascht»: «Es zeigt sich, dass Fremdinvestoren im Gesundheitswesen gefährlich sind und dass Arztpraxen in ärztlicher Hand sein müssen», schrieb Verbandspräsident Jürg Lareida.

Gegen diese Darstellung wehrt sich nun die «Interessengemeinschaft für die medizinische Grundversorgung in der Schweiz» (IGMG). Der IG gehören Praxisketten wie die «Monvia» (Tochtergesellschaft der Concordia-Krankenversicherung, Aargauer Standorte in Muri und Oberentfelden), «Doktorhuus» (Neuenhof und Unterentfelden) oder die «Praxis Gruppe Schweiz» an. Letztere hat im Aargau ein Dutzend Standorte, etwa in Würenlingen und Aarau Rohr.

IG-Präsidentin Patricia Kellerhals kritisiert in einer Stellungnahme, dass der Aargauer Ärzteverbandspräsident alle Praxisketten in einen Topf werfe, obschon nur gegen den «MeinArzt»-CEO wegen eines Vermögensdelikts ermittelt werde. «Dass aus den möglicherweise betrügerischen Machenschaften einer Einzelperson eine pauschale Verurteilung anderer Praxisnetzwerke erfolgt, entbehrt jeglicher inhaltlichen Grundlage und wir distanzieren uns in aller Form davon», so Kellerhals. «Die Hervorhebung dieses Einzelfalls und gleichzeitige Übertragung auf alle Praxisgruppierungen löst nicht das Grundsatzproblem der fehlenden ärztlichen Versorgung auf dem Lande. Hierzu braucht es neue Lösungsmodelle, wie es unter anderem auch Praxisketten mit ihren zentralisierten administrativen Strukturen anbieten.»

Jürg Lareida argumentiere undifferenziert, wenn er fordere, dass Praxen grundsätzlich von den Ärzten selber geführt werden sollen, schreibt Patricia Kellerhals weiter. Die Ärztin, die als CEO der «Monvia» arbeitet, betont: «Wir sind sogar der Meinung, dass gut geführte Arztpraxen Know-How aus verschiedenen Bereichen brauchen und eine rein ärztliche Führung nicht zwingend zeitgemäss ist, um das Optimum zum Beispiel bezüglich Mitarbeiterführung, Qualitätsmanagement oder Digitalisierung zu erreichen.»

Sollte es medizinrechtliche Missstände – ob in einer Einzelpraxis oder einer Gruppe – geben, so sieht die IG «klar die Gesundheitsdirektionen und Kantonsärzte in der Verantwortung, welche genügend Handhabe haben, um einzugreifen».

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