Bildung

Neue Aargauer Volksinitiative verlangt mehr Sprachaustausch mit der Romandie

Initiant Michael Derrer hatte als Schüler selber Mühe mit Französisch.

Unter dem Titel «Mehrsprachigkeit – unser Trumpf» wird im Aargau eine kantonale Volksinitiative lanciert, welche die Intensivierung des Schulaustauschs mit der französischen Schweiz fordert.

«Die Koexistenz verschiedener Sprachregionen macht unser Land international einzigartig», schreib der Fricktaler Michael Derrer in einer Mitteilung zu seiner Volksinitiative, die er im Mai lancieren will. Im Aargau wohne man zwar weniger als eine Stunde Fahrzeit vom französischen Sprachraum entfernt - doch Französisch bleibe für die meisten Deutschschweizer zeitlebens eine schlecht beherrschte Fremdsprache, hält er fest. Auch das traditionelle Welschlandjahr von Schulabgängern werde immer seltener, schreibt Derrer, der als internationaler Unternehmer und Dolmetscher tätig ist.

Anstatt Französisch nur in der Schule zu lernen, soll mit seinem Volksbegehren mehr direkter Kontakt zu Menschen mit französischer Muttersprache geschaffen werden. «Zwar bestehen heute schon Programme für den Schulaustausch auf verschiedenen Stufen, doch werden diese zu wenig genutzt», kritisiert Derrer. Heute nehme nur eine kleine Anzahl Schülerinnen und Schüler an einem Austausch mit dem französischen Sprachraum teil. Ein Grund dafür ist laut Derrer, «dass die Organisation für Lehrpersonen und Schulleitung einen Mehraufwand darstellt, für den sie nicht entschädigt werden».

Sprachaustausch soll Regel sein

Seine Initiative verlangt, dass die Teilnahme an Austauschprogrammen mit der Romandie von der Ausnahme zur Regel wird. Dabei habe der Kanton dafür zu sorgen, dass für Sprachlehrkräfte und Schulleitung kein Mehraufwand entsteht, der nicht entschädigt ist. Der Kanton müsse auch sicherstellen, dass der Aufenthalt im fremden Sprachraum mit dem Schulprogramm der teilnehmenden Schüler vereinbar ist und für diese nicht in einer grösseren Belastung resultiert, fordert er.

Neben dem didaktischen Ziel eines leichteren Zugangs zur französischen Sprache verfolge die Initiative staatspolitische, ökonomische und gesellschaftliche Zwecke, hält Derrer in seiner Mitteilung fest, und zählt vier Punkte auf.

  • Identität: Vertreter der Schweizer Sprachregionen kommunizieren immer häufiger auf Englisch miteinander, was die Identität und den Zusammenhalt unseres Landes untergräbt.
  • Internationaler Wettbewerbsvorteil: In der globalisierten Welt stellen gute Kenntnisse mehrerer Fremdsprachen einen bedeutenden ökonomischen Wettbewerbsvorteil dar.
  • Offenheit: Das Lernen einer Fremdsprache direkt vor Ort fördert das Verständnis für andere Kulturen.
  • Selbstvertrauen: Aufenthalte im fremden Sprachraum tragen zur Selbständigkeit junger Menschen bei.

Zu seiner Motivation für die Lancierung der Initiative hält Derrer fest: «Wie den meisten Schülern lag auch mir diese Sprache in der Schulzeit gar nicht – als erste Fremdsprache war Französisch für mich sperrig und fern, meine schlechten Noten hätten mir fast den Eintritt ins Gymnasium verunmöglicht. Aufenthalte im fremden Sprachraum und der Kontakt zu fremdsprachigen Gleichaltrigen während der Schulzeit hätten mir sehr geholfen.»
Derzeit ist laut Derrer ein parteiübergreifendes Initiativkomitee im Aufbau. Die Initiative soll im Mai bei der Staatskanzlei hinterlegt werden. Danach hat das Komitee ein Jahr Zeit, um die notwendigen Unterschriften zu sammeln.

Meistgesehen

Artboard 1