Flurnamen

Mehrdeutiges in Zofingen: Eine Lichtung im weiten, dunklen Wald

Im Finkenhärd (heute auch Finkenherd) wurden früher wohl Vögel, dabei vor allem Finken, gefangen.

Im Finkenhärd (heute auch Finkenherd) wurden früher wohl Vögel, dabei vor allem Finken, gefangen.

In der AZ-Flurnamen-Serie führt die Reise heute nach Zofingen. Dort erforscht unser Autor, wie etwa der «Heitere» oder «Finkenhärd» zu ihren Namen kamen.

In Zofingen liegt eine Flur namens Finkenhärd. In seiner Zusammensetzung ohne Zweifel einer der schönsten Namen in der Schweiz.

Finken und Härd sind beides typisch schweizerdeutsche Wörter, die einerseits im Standarddeutschen eine andere Bedeutung haben können und andererseits im Schweizerdeutschen mehrere Bedeutungen haben: «Finken» sind sowohl Hausschuhe als auch eine Vogelart sowie auch die Bezeichnung für einen pfiffigen, lustigen, aber auch boshaften Menschen, weiss das Idiotikon, das Schweizerdeutsche Wörterbuch.

Zu den Hausschuhen, besonders zur Fertigung ist nachzulesen: «Aus bunten Tuchenden, anderweitig aus Ziegen- oder Pferdehaaren geflochtener, auch aus Filz, Tuch und Pelz, mit Wolle, Stroh oder Werg gefütterter Hausschuh.» Schelmenfinken sind Winterschuhe mit Filzsohlen. Der Name resultiert daraus, dass man mit ihnen so leise wie ein Dieb auftreten konnte.

«Härd» ist ebenfalls vielfältig: In erster Linie ist damit Erde gemeint, wie in Härdöpfel, also Äpfel, die im Härd, in der Erde wachsen. «Härd» meint auch allgemein Boden oder Landarbeit. Interessant ist die explizite Erwähnung des Worts Vogelherd im Idiotikon im Sinne einer Stelle, an der Vögel gefangen werden. Der Flurname Finkenhärd in Zofingen bezeichnet somit wohl eine Stelle, an der Vögel, vorab Finken, gefangen worden sind.

Der Wald musste weichen

Zofingen ist eine alte, stolze Frohburgerstadt. Die Gründung des Orts ist aber viel älter und fällt ins 5. oder 6. Jahrhundert. Die einwandernden Alemannen und Franken trafen eine fruchtbare Talebene mit einer mäandrierenden Wigger an. Wo kein Wasser floss, dominierte Buschwerk, beide Talflanken waren bewaldet. Um Platz für die Landwirtschaft zu schaffen, musste der Wald weichen. Es wurde grossflächig gerodet. Besonders intensiv aber im 16. und 18. Jahrhundert.

In Flurnamen zeugen Begriffe wie Rüti oder Schwändi noch von solchen Rodungen. So auch im vorliegenden Namen «Reutene». Er liegt östlich von Zofingen dort, wo es früher Finkenhärd hiess. Kurt Hofmann, Bürger von Zofingen mit Jahrgang 1924, weiss, dass im Gebiet Reutene den Bürgern Land zur Verfügung gestellt wurde, um dort Obst anzubauen.

Noch heute ist der südliche Abhang mit vielen Obstbäumen bestockt, während der nördliche Teil überbaut ist. Im Osten grenzt Reutene an ein weitläufiges Waldgebiet. Der Flurname Reutene ist ein Plural. Er basiert auf dem Verb «reuten» und bedeutet «die Rodungen».

Potz Heitere!

Auch dies ist ein typisch schweizerischer Ausdruck, oft gebraucht zur kraftvollen Verneinung. Heiter ist es auch, wenn der Tag anbricht oder wenn man aus dem dunklen Wald auf eine Lichtung tritt. Heiter ist es auch bei Zofingen. Oberhalb des Städtchens liegt der Heitere-Platz, auch bekannt als Austragungsort des bekannten Open Airs.

Im Idiotikon ist dieser Platz explizit erwähnt als «eine gereutete Waldstelle», die als Aussichtspunkt benutzt wird. Wie als Zugabe heisst die westlich angrenzende Flur, leicht unterhalb des Platzes Reutene. Der Name Heitere bedeutet also der helle, lichtdurchflutete Ort.

Anzunehmen ist, dass das Gebiet Heitere einst eine Lichtung im weiten, dunklen Wald war, der damals die Hügelausläufer vom Riedtalbach übers Bergli, den Hirzenberg bis hin zur Spitalhalde umfasste, während im Tal gesiedelt wurde. Doch dann wurde gerodet, wie man heute noch sieht.

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