Aargau
Mehr Schafe, entstaubte Läden – ein Dutzend Wahrheiten des Aargaus

Das Statistische Jahrbuch offenbart Überraschendes über den Kanton Aargau. Wussten Sie zum Beispiel, dass sich Schafe so schnell vermehren wie Kaninchen? Eine Auswahl der verblüffensten Fakten hat die az herausgepickt.

Urs Moser
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Ein Dutzend Wahrheiten über den Aargau
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Die Kriminalität nimmt im Aargau zu.
Von wegen bitterkalt: Der Januar 2012 war einer der wärmsten seit vielen Jahren.
Heiraten bleibt im Trend: Heute leben mehr Aargauer in einer Ehe als vor 100 Jahren.
Nulltoleranz soll Unfällen vorbeugen. Es verunfallen aber mehr Mittelalterliche als Junge.
Der Kanton Aargau ist katholischer geworden.
Die Beizen im Kanton haben einen schweren Stand.
In den Aargauer Restaurants ist es sauberer geworden.
Um über die 50% haben sich die Leistungen der Spitex erhöht.
Pascale Bruderer & Co. – dank ihnen hat der Aargau mehr Einfluss in Bundesbern.
447 Einwohner wohnen im Aargau pro Quadratkilometer - deutlich über dem Landesmittel von 195.
172 549 Betreibungen wurden im Aargau 2012 zugestellt - so viele wie noch nie zuvor.

Ein Dutzend Wahrheiten über den Aargau

Keystone

Soeben ist das Statistische Jahrbuch 2013 erschienen. Es enthält Zeitreihen zu verschiedensten Themengebieten und gibt einen umfassenden Überblick zum Kanton Aargau und seiner Entwicklung über die Zeit, sei es in der Wirtschaft, in der Bildung oder im Gesundheitswesen.

Sie wollen zum Beispiel wissen, was eine Vierzimmerwohnung im Aargau so kostet? Das Statistische Jahrbuch gibt Auskunft: durchschnittlich 1480 Franken, das liegt leicht unter dem schweizerischen Durchschnitt von 1506 Franken.

Eine Auswahl interessanter, vielleicht sogar verblüffender, nützlicher oder auch eher skurriler statistischer Tatsachen über den Aargau hat die az herausgepickt.

1. Wir leben Enger zusammen als die Meisten.

Dem Aargau fehlt es ja an einem wirklich grossen urbanen Zentrum, deshalb wird er für mehr oder weniger ländlich gehalten. Tatsache ist aber: Mit 447 Einwohnern pro Quadratkilometer liegt die Bevölkerungsdichte mehr als das Doppelte über dem Landesmittel von 195 Einwohnern pro Quadratkilometer.

2. Die Winter sind weniger hart, als wir Meinen.

Bei der Kälte der letzten Tage schwant uns Böses, waren uns doch die letzten paar Winter schon hart genug. Wir erinnern uns, sogar das Streusalz für die Strassen wurde knapp. Das Gedächtnis spielt uns gerade beim Wetter manchmal einen Streich. Der Januar 2012 war mit einem Monatsmittel von 2,6 Grad (Messstation Buchs-Aarau) einer der wärmsten seit 1980. Noch wärmer war es 2007 mit 4,8 Grad.

3. In Restaurants und Läden ist es sauber.

Das eidgenössische Parlament hat es abgelehnt, einen Beizen-Pranger für Betriebe einzuführen, die bei Lebensmittelkontrollen beanstandet wurden. Manche hätten sich vielleicht mehr Transparenz gewünscht, aber die Aargauer brauchen sich da keine grossen Sorgen zu machen: 1990 wurden hier bei Lebensmitteluntersuchungen noch 19 Prozent von 6367 Proben beanstandet, letztes Jahr waren es nur noch 12 Prozent von 7628 Proben.

4. Immer mehr bezahlen ihre Rechnungen nicht.

Mit der Zahlungsmoral hapert es, und zwar gehörig. Im letzten Jahr wurden im ganzen Kanton 172 549 Betreibungen zugestellt, vor 20 Jahren waren es noch wenig mehr als 100 000, eine Zunahme also um sage und schreibe 70 Prozent. Und das hat nicht etwa mit dem allgemeinen Bevölkerungswachstum zu tun, das lag im gleichen Zeitraum nur bei rund
25 Prozent.

5. Spitexdienste erleben einen Boom.

Ambulant vor Pflege – diese Parole wurde für die kantonale Sozial- und Gesundheitspolitik herausgegeben. Mit durchschlagendem Erfolg: Allein seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der von den Spitexdiensten verrechneten Stunden von gut 570 000 um 55 Prozent auf fast 900 000 erhöht.

6. Zunahme der Kriminalität im Minutentakt.

Exakt alle 15 Minuten und 2 Sekunden wird im Aargau ein Strafdelikt registriert. Das der Stand von 2012. Innert kurzer Zeit hat sich der Takt markant beschleunigt: 2009 waren es noch alle 16 Minuten und 4 Sekunden. Besonders markant die Zunahme der Einbrüche: Alle 2 Stunden und 40 Minuten stiegen Diebe letztes Jahr im Aargau ein, 2009 waren es erst alle 3 Stunden und 17 Minuten (siehe dazu auch den Bericht auf Seite 23).

7. Der Aargau ist katholischer geworden.

Bis in die 1960er-Jahre waren die Protestanten im Aargau mehr oder weniger deutlich in der Mehrheit, dann hielten sich Katholiken und Reformierte in etwa die Waage. Seit 1990 wird der Aargau aber deutlich katholischer: Damals gehörten 44,3 Prozent der Bevölkerung der römisch-katholischen und 41,9 Prozent der reformierten Kirche an. Heute (will heissen 2010, eine aktuellere Statistik gibt es nicht) sind es nur noch 29 Prozent Reformierte und 35,7 Prozent Katholiken. Mit Mitgliederschwund haben aber alle Kirchen zu kämpfen, der Anteil der konfessionslosen Bevölkerung hat sich seit 1990 von 6 auf über 20 Prozent erhöht.

8. Die Ehe ist alles andere als ein Auslaufmodell.

Singles mischen den Immobilienmarkt auf, die Zahl der Single-Haushalte schiesst in die Höhe. So und ähnlich ist es immer wieder mal zu lesen. Aber: Im Aargau scheinen die Uhren anders zu ticken. Die Ehe ist hier kein Auslaufmodell, im Gegenteil: Nur 42 Prozent der Aargauerinnen und Aargauer sind ledig. Das sind sogar deutlich weniger als in den viel zitierten, guten alten Zeiten: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren nämlich 61 Prozent der Kantonsbevölkerung unverheiratet. Es stimmt übrigens auch nur bedingt, dass immer später geheiratet wird. Schon vor 100 Jahren traten die meisten Frauen im Alter zwischen 25 und 29 Jahren vor den Traualtar, jedenfalls im Aargau. Und das ist bis heute so geblieben. Die Tendenz zeigt nur bei den Männern nach oben, hier wird heute die grösste Zahl von Eheschliessungen in der Alterskategorie 30 bis 34 registriert.

9. Einfluss wächst langsam, aber stetig.

15 Nationalräte und Nationalrätinnen stellt der Aargau, in der nächsten Legislaturperiode werden es 16 sein. Der Einfluss des Aargaus in Bundesbern wächst damit langsam, aber stetig. Zum letzten Mal war die Sitzzahl 1995 der Bevölkerungszahl angepasst worden, und bis 1971 stellte der Aargau erst 14 Nationalräte.

10. Es geben mehr Wirte als Bauern auf.

Für den Strukturwandel in der wirtschaftlichen Entwicklung gibt es so hässliche Begriffe wie Bauernsterben. Dieses ist natürlich auch im Aargau nicht wegzudiskutieren: Allein in der Zeit seit 2005 hat die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe von 3864 auf 3594 abgenommen, ein Rückgang um 7 Prozent. Noch dramatischer ist allerdings das Beizensterben. Von 1681 auf 1516 gesunken ist im gleichen Zeitraum die Zahl der Gastwirtschaftsbetriebe mit Ausschank und Verkauf von Spirituosen – ein Rückgang um fast 10 Prozent.

11. Schafe vermehren sich wie Kaninchen.

Apropos Landwirtschaft: Die Statistik weist einen Bestand von 35 227 Kühen in Aargauer Ställen aus. Wenig erstaunlich, dass die Tendenz klar sinkend ist (1980 waren es noch über 50 000). Eher verblüffend scheint dagegen: Auf die Population der Schafe hat sich die sinkende Bedeutung der Landwirtschaft überhaupt nicht negativ ausgewirkt. Ganz im Gegenteil: Sie ist im gleichen Zeitraum von knapp 9000 auf über 23 000 gestiegen. Das ist weit mehr als eine Verdoppelung.

12. Die Mittelalterlichen verunfallen häufiger.

Fahrausweis auf Probe, 0,0 Promille für Neulenker. Mit solchen Massnahmen sollen die Verkehrsteilnehmer vor jugendlichem Leichtsinn am Steuer und die Junglenker vor sich selber geschützt werden, denn sie sind überdurchschnittlich häufig in Verkehrsunfälle verwickelt. Der Blick in die Statistik zeigt ein differenziertes Bild: Seit dem Jahr 2000 hat es im Kanton Aargau kein Jahr mehr gegeben, in dem nicht mehr 30- bis 39 Jährige und auch 40- bis 49-Jährige verunfallt wären als 20- bis 24-Jährige.

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