Raser-Debatte

Mehr Radarkontrollen? Aargauer Polizeien sehen keinen Handlungsbedarf

Die Kantonspolizei macht pro Tag rund eine Radar- und Laserkontrolle - Unfall wegen mutmasslich überhöhter Geschwindigkeit.

Die Kantonspolizei macht pro Tag rund eine Radar- und Laserkontrolle - Unfall wegen mutmasslich überhöhter Geschwindigkeit.

Weil die meisten schweren Unfälle auf Ausserorts-Strecken passieren, fordert die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) mehr Geschwindigkeitskontrollen auf diesen Strassen. Dazu sieht die Aargauer Kantonspolizei allerdings keinen Grund.

Ausgerechnet im Ausserortsbereich, wo sich die meisten schweren Verkehrsunfälle ereignen, werden in den Augen der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) zu wenig Geschwindigkeitskontrollen vorgenommen.

Aktuelles Beispiel im Aargau von gestern Mittwoch: Im Morgengrauen geriet ein 33-jähriger Schweizer auf der regennassen Strasse zwischen Schmiedrued und Walde mit seinem Mercedes ins Schleudern und krachte in einen entgegenkommenden Sattelschlepper. Schwer verletzt wurde er ins Kantonsspital Aarau geflogen. Die mutmassliche Unfallursache: den Verhältnissen nicht angepasste Geschwindigkeit.

Im Aargau ist im Polizeigesetz und im zugehörigen Polizeidekret geregelt, dass die Kantonspolizei auf den Ausserortsstrecken für «die Überwachung und Kontrolle des fliessenden Strassenverkehrs» zuständig ist. Gemäss Kantonspolizeisprecher Bernhard Graser werden für die Messungen ein Laser- und zwei Radarkontrollgeräte eingesetzt.

Kein Giesskannenprinzip

Wie der aktuellsten Statistik für den vergangenen Monat entnommen werden kann, wird durchschnittlich eine Kontrolle pro Tag durchgeführt (15 Radar- und 16 Lasermessungen). Wie Graser erklärt, erfolgen die Einsätze sehr gezielt: «Wir machen keine Kontrollen nach dem Giesskannenprinzip.»

Nach einer Kontrolle mit dem bemannten Lasergerät werden die schlimmsten Temposünder gleich vor Ort gestoppt: «Mit der sofortigen Anhaltung ist der Schockeffekt für die Raser am grössten», hat Bernhard Graser beobachtet.
Diese Konzentration auf einschlägig bekannte Stellen oder Zeiten hat sich im Aargau bewährt. Eine Ausdehnung ist nicht vorgesehen. «Uns geht es darum, die groben Verkehrsdelikte zu erfassen und so Exzesse zu verhindern», fasst der Polizeisprecher die Doktrin zusammen.

Mit dieser Stossrichtung ist man bisher gut gefahren. Die Zahl der erfassten Verkehrsunfälle ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen. «Es ist schwierig, die Unfallzahlen von der Anzahl Geschwindigkeitskontrollen herzuleiten», räumt Graser ein. Er ist jedoch überzeugt: «Die sinkende Tendenz kommt nicht von ungefähr.»

Eine zusätzliche Erklärung für sinkende Unfallzahlen und die zurückgehende Quote der erwischten Temposünder hat Daniel Ringier, Vizepräsident des Verbandes Aargauer Gemeindepolizeien (VAG): «Der Verkehr ist in den letzten Jahren derart dicht geworden, dass man gar nicht mehr schneller fahren kann.» Ringier hält fest, dass eine Ausdehnung der Kontrollen durch die Regionalpolizeien auf Ausserortsbereiche gesetzlich gar nicht möglich ist.

Aufteilung hat sich bewährt

«Ich persönlich bin überzeugt, dass wir im Aargau mit der festgelegten Aufteilung eine sehr gute Lösung haben, die sich in den letzten Jahren bestens bewährt hat», so Ringier. Überall, so ist der VAG-Vizepräsident überzeugt, werden die Kontrollen «nach bestem Wissen und Gewissen angesetzt». Und nicht etwa, um die Kassen zu füllen.

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