Lehrplan 21

Mehr Lektionen und neue Fächer – was sich an Aargauer Schulen alles ändern soll

Die Fremdsprachen Englisch und Französisch werden an der Aargauer Primarschule mit dem Lehrplan 21 obligatorisch. Neu sollen bereits Fünftklässler zum Französischunterricht. Das ist aber längst nicht die einzige Neuerung.

Der neue Aargauer Lehrplan für die Volksschule liegt in einer ersten Fassung vor. Er definiert die ab dem Schuljahr 2020/21 gültige Grundlage für das Lehren und Lernen an der Volksschule, mit aargauspezifischen Anpassungen und Besonderheiten.

Bildungsdirektor Alex Hürzeler zeigte sich mit dem Ergebnis sehr zufrieden: «Wir haben in einem partizipativen Prozess wichtige Interessengruppen aus Schule, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft miteinbezogen», sagte Hürzeler. «Es ist gelungen, auf pragmatische Weise einen guten Lehrplan zu erarbeiten, der zu unserem Kanton passt.»

Mehr Schule mit Lehrplan 21

Mehr Schule mit Lehrplan 21

Der Regierungsrat präsentierte heute den neuen Aargauer Lehrplan. Schon bald haben Aargauer Kinder neue Fächer und mehr Schullektionen.

Es liege aber auf der Hand, dass nicht alle Anliegen hätten erfüllt werden können; dies auch vor dem Hintergrund der gegebenen inhaltlichen, finanziellen und rechtlichen Rahmenbedingungen.

Der neue Lehrplan geht nun in eine öffentliche Anhörung; bis zum 2. Februar 2018 können alle, die wollen, dem Regierungsrat mitteilen, was sie von den aargauischen Anpassungen an den interkantonalen Lehrplan 21 halten.

Drei Millionen Zusatzkosten

Auf den ersten Blick fallen zwei Neuerungen besonders auf: Der neue Lehrplan setzt das um, was die nationale Sprachenstrategie schon seit einiger Zeit verlangt: dass an der Primarschule zwei Fremdsprachen unterrichtet werden. Bisher war das im Aargau nicht der Fall. Künftig sollen aber ab der 3. Klasse Englisch und ab der 5. Klasse Französisch als obligatorische Fächer unterrichtet werden. Das ist aber nicht gratis zu haben. Die beiden zusätzliche Französischlektionen kosten rund drei Millionen Franken pro Jahr. Der Regierungsrat werde beim Grossen Rat einen entsprechenden Verpflichtungskredit beantragen, erklärte Hürzeler.

Die Aargauer Schülerinnen und Schüler werden aber nicht nur eine zweite Fremdsprache lernen müssen, sie erhalten auch mehr Unterricht. Ein Vergleich mit den anderen Kantonen hat gezeigt, dass im Aargau pro Woche deutlich weniger Lektionen erteilt werden als in den meisten anderen Kantonen. Und das widerspricht dem Auftrag der Harmonisierung. Also mussten die Pflichtlektionen an der Primarschule und Realschule erhöht werden. Jetzt liegt der Kanton Aargau zwar innerhalb der Norm, aber immer noch unter dem Durchschnitt der Deutschschweizer Kantone.

Rüeblitorte steht im Lehrplan

«Wir haben sehr bewusst aargauische Besonderheiten ausdrücklich in den Lehrplan aufgenommen», erklärte Christian Aeberli, Leiter Abteilung Volksschule. Dazu gehören etwa die dreigliedrige Oberstufe, die unangetastet bleibt, aber auch Fächer wie die musikalische Grundschule oder das Pflichtfach «Projekte und Recherchen» an der Oberstufe. Und es geht auch um spezifisch aargauische Lerninhalte. So sollen Themen wie die römische Antike auf Aargauer Boden, die Habsburger, aber auch die Geschichte der Juden im Aargau oder die Industrialisierung berücksichtigt werden, genau so wie wichtige Aargauer Persönlichkeiten wie Heinrich Pestalozzi oder Heinrich Zschokke. Vorgeschrieben ist auch, dass die aargauer Schülerinnen und Schüler wissen, was eine Rüeblitorte ist und sie auch eine solche in guter Qualität backen können.

Mit Ausnahme der rund drei Millionen Franken für den zusätzlichen Französischunterricht soll die Einführung des neuen Lehrplans kostenneutral erfolgen.

Victor Brun, Leiter Sektion Organisation, der das Projekt Lehrplan seit Jahren betreut, gab sich überzeugt, dass die Kosten nicht steigen werden, auch wenn künftig mehr Lektionen unterrichtet werden: Die Anhebung der Pflichtstunden an der Primar- und Oberstufe werde finanziell ausgeglichen, indem ungebundene Lektionen, ursprünglich vorgesehen für Halbklassenlektionen oder Teamteaching, sowie Lektionen für Wahlfächer in Pflichtlektionen umgewandelt werden. An der Primarschule steht somit von der 1. bis 3. Klasse je eine ungebundene Lektion weniger zur Verfügung. Das sei zu verkraften, sagte Brun.

Plus 18 für die Realschule

Auf die einzelnen Stufen bezogen, präsentieren sich die wichtigsten Änderungen wie folgt:

  • Kindergarten: Im Kindergarten orientiert sich der Unterricht an der Entwicklung der Kinder. Es werden deshalb keine Fächer, sondern Entwicklungsschwerpunkte aufgeführt. Die Unterrichtszeit bleibt unverändert: 18 bis 22 Wochenstunden im ersten, 22 bis 24 Lektionen im zweiten Kindergartenjahr.
  • Primarschule: Das Pflichtpensum wird insgesamt um 7 Lektionen erhöht. Neu besuchen die Schülerinnen und Schüler 163 wöchentliche Pflichtlektionen in sechs Jahren. Trotz dieser Anhebung liegt der Aargau weiterhin unter dem Durchschnitt der Deutschschweizer Kantone (169 Lektionen).
  • Oberstufe: Das Pflichtpensum der Schülerinnen und Schüler an der Oberstufe wird angeglichen. In der Realschule erhöht sich die Anzahl Wochenlektionen über alle drei Schuljahre hinweg um insgesamt 18 Lektionen, in der Sekundar- und Bezirksschule um je acht Lektionen. Mit neu 100 Lektionen (Realschule) und 102 Lektionen (Sekundar- ud Bezirksschule) liegt der Aargau knapp unter dem Durchschnitt der Deutschschweizer Kantone, der bei 104 Lektionen liegt.
  • Unterrichtsorganisation: An der Oberstufe werden im Fach «Natur und Technik» Kenntnisse und Fertigkeiten in Biologie, Physik, Chemie und neu auch in Technik vermittelt. Im Fach «Räume, Zeiten, Gesellschaften» werden Wissen und Können über die Entwicklung von Menschen und Gesellschaften und zu Themen der politischen Bildung vermittelt. Den Schulen vor Ort ist freigestellt, ob sie das Bildungsziel der beiden Fachbereiche mit Unterricht in Einzelfächern oder den genannten Fachbereichen erreichen.
  • Neue Fächer: Für das neue Pflichtfach «Medien und Informatik» steht von der 5. Klasse der Primarschule bis zur 2. Klasse der Oberstufe jeweils eine Lektion zur Verfügung. Das neue Fach «Berufliche Orientierung» wird an allen 2. Klassen der Oberstufen mit einer Lektion dotiert. Zudem bleibt «Berufliche Orientierung» weiterhin eine fächerübergreifende Aufgabe. Das bisherige Wahlfach «Projekte und Recherchen» wird mit zwei Lektionen als Pflichtfach in der 3. Klasse der Oberstufe übernommen.

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