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Mehr Bus statt Bahn: Diese Aargauer Regionalbahnen sind betroffen

Der Bund möchte unrentable Bahnlinien stilllegen und mit Busbetrieben ersetzen. Insgesamt 175 der 300 Regionalbahnlinien sind schweizweit betroffen, auch der Kanton Aargau verfügt über sieben Linien. Beim Kanton nimmt man es gelassen.

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Der Bund will unrentable Bahnstrecken stilllegen und durch Busverbindungen ersetzen. Laut «NZZ am Sonntag» will er all jene Strecken überprüfen, die weniger als 50 Prozent ihrer Kosten decken. Damit wären schweizweit nicht weniger als 176 der gegenwärtig 300 Regionallinien betroffen.

Auch im Aargau verkehren Züge mit einem Deckungsgrad unter 50 Prozent, wie eine veröffentlichte Liste des Bundesamts für Verkehr zeigt:

S17 Wohlen-Bremgarten-Dietikon (BDWM).

S29 (Langenthal-Olten-) Aarau-Wildegg-Turgi (SBB).

S9 Luzern-Hochdorf-Lenzburg.

S28 Lenzburg-Suhr-Zofingen.

S26 Aarau-Lenzburg-Wohlen-Muri AG-Rotkreuz.

S27 Wettingen-Baden-Koblenz- Waldshut-Bad Zurzach.

S23/29 Langenthal-Olten-Aarau- (Lenzburg-Brugg-Baden).

S1 Basel-Laufenburg/-Frick-Brugg.

S14 Aarau-Menziken (WSB).

zvg

Umstellung längst überprüft

Beim Kanton Aargau zeigt man Verständnis für die forschen Pläne: «Wir verstehen den Bund. Er hat den Auftrag, Kosten einzusparen», sagt Reto Kobi, von der Sektion Verkehr des Kantons Aargau.

Kobi glaubt aber nicht, dass eine Stilllegung im besonders frequentierten Aargau eine Chance hätte. «Im Aargau macht eine Umstellung auf einen Busbetrieb nirgends mehr Sinn», sagt Kobi.

Er weiss dies nur zu gut, weil eine Umstellung auf Busse schon mehrere Male kantonal überprüft und in den 90er-Jahren durchgesetzt wurde. «Wir sind guten Mutes, dass wir die betroffenen Bahnlinien in Betrieb halten können», so Kobi.

Konkrete Vorschläge hat der Kanton Aargau vom Bund ohnehin noch keine erhalten. Kobi nimmt es gelassen und weiss aus Erfahrung: «Das wird oft nicht so heiss gegessen, wie es angekündigt wird.»

So seien einige der betroffenen Linien in Stosszeiten sehr stark ausgelastet. «Um auf diesen Strecken die gleiche Qualität mit einem Bus zu erreichen wie mit der Bahn, müssten wir mehrere Gelenk-Busse in Betrieb nehmen», sagt Kobi weiter. Und diese Busse müssten nach ersten Einschätzungen mindestens im 10-Minuten-Takt fahren, um das grosse Pendler-Aufkommen meistern zu können.

Grüne Politiker mahnen: «Die Strassen sind heute schon zu stark belastet. Wir sollten damit zurückhaltend umgehen. Der Verkehr auf der Schiene ist viel ökologischer», sagt Gertrud Häfeli, Grüne Aargau.

Teure Sanierung wäre umsonst

Verkehrsexperten finden das Vorhaben des Bundes bizarr, weil Strecken zur Überprüfung vorgeschlagen werden, auf denen der Kanton Aargau - mit finanzieller Unterstützung des Bundes - in den letzten zehn Jahren Hunderte Millionen in den öffentlichen Bahnverkehr investiert hat.

So auch auf der Strecke Aarau-Menziken. Erst vor zwei Jahren hatte die AAR Bus+Bahn zwischen Aarau-Suhr eine Eigentrassierung eröffnet, die das Volk rund 100 Millionen Franken gekostet hat.

«Würde man wieder auf die Strasse umstellen, wäre das ein Affront gegenüber der öffentlichen Hand», sagt Mathias Grünenfelder. Der Direktor der AAR Bus+Bahn weist auf einen Dienstleistungsverlust hin.

«Um eine annähernd gleiche Qualität zu leisten wie mit der Bahn, müsste der Bus über eine Eigentrassierung verfügen, was hohe Mehrkosten mit sich brächten. Und dann sieht die Rechnung doch wieder anders aus.»

Beim Bundesamt für Verkehr betont man, dass es nun erst darum gehe, die bestimmten Strecken zu prüfen. Entschieden sei noch lange nichts. „Wir können keine Prognosen abgeben. Es hängt nun auch von der politischen Diskussion ab, ob dies überhaupt kommt. Es muss bestimmt mit Augenmass umgesetzt werden", heisst es beim Bund.

S-Bahn-Linien nach Zürich fast rentabel

Nebst den Strecken, die unter einem Kostendeckungsgrad von 50 Prozent liegen, verfügt der Aargau im Übrigen auch beinahe rentable S-Bahn-Linien.

Die S3 von Aarau nach Zürich ist dabei die rentabelste. Diese Linie weist einen Kostendeckungsgrad von 85 Prozent auf. Sie kostet den Aargau verhältnismässig wenig – 700 000 Franken. (sha)