Abstimmung
Medikamente vom Arzt oder von der Apotheke: Das Aargauer Volk entscheidet

Ärzte wollen via Initiative Recht auf Medikamentenverkauf, Apotheker wollen dies via Gegeninitiative verhindern. Der Grosse Rat empfiehlt, beide Initiativen abzulehnen. Es habe sich in den letzten Jahren bewährt.

Mathias Küng
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Das Aargauer Volk entscheidet am 22. September über die Ärzteinitiative und den Gegenvorschlag der Apotheken.

Das Aargauer Volk entscheidet am 22. September über die Ärzteinitiative und den Gegenvorschlag der Apotheken.

Keystone

In neun Kantonen wird zwischen der Verschreibung und der Abgabe von Arzneimitteln getrennt. Bern, Graubünden und Schaffhausen haben Mischsysteme. In allen übrigen Kantonen können Ärzte Medikamente verkaufen, dort ist die sogenannte Selbstdispensation also erlaubt.

So fasst der Kanton in der Abstimmungsbroschüre zum 22. September die Situation zusammen. Der Aargau ist ein Kanton mit Selbstdispensationsverbot. Demnach dürfen Ärzte Medikamente nur im Notfall abgeben. Die verordneten Medikamente sind in der Apotheke zu beziehen. Wo der Weg zur nächsten Apotheke zu weit ist, können Ärzte eine Bewilligung für die Medikamentenabgabe erhalten (siehe Grafik).

Diese Regelung hat der Grosse Rat im neuen Gesundheitsgesetz bestätigt. Darauf sammelte der Aargauische Ärzteverband 8000 Unterschriften für eine Gesetzesinitiative. Ziel: Die Ärzte wollen künftig auch Medikamente verkaufen dürfen. Als Reaktion sammelte der Aargauische Apothekerverband 51 000 Unterschriften für eine Gegeninitiative. Mit ihr will er die geltende Regelung in die Verfassung schreiben.

Der Grosse Rat empfiehlt beide Initiativen zur Ablehnung. Ein Hauptargument gegen die Ärzteinitiative ist, dass sich das geltende System im stark ländlichen Aargau bewährt
habe. Die Apothekerinitiative wird zur Ablehnung empfohlen, weil das Selbstdispensationsverbot nicht in die Verfassung gehöre.

Sollten wider Erwarten beide – sich widersprechenden – Initiativen angenommen werden, hätte wohl die Apothekerinitiative den Vorrang, weil Verfassungsrecht dem Gesetzesrecht vorgeht. Sollten beide Initiativen abgelehnt werden, würde sich am geltenden System nichts ändern.

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