Maya Bally Frehner, 55, ist von Beruf Projektmanagerin. Im Moment managt sie einen Wahlkampf – ihren eigenen. Ob dieses Projekt erfolgreich abgeschlossen wird, weiss noch niemand. Aber denen, die daran zu zweifeln wagen – etwa dem az-Reporter, der sie im Gespräch als Aussenseiterin bezeichnet –, sagt die Grossrätin der BDP deutlich: «Wieso finden eigentlich alle, ich sei eine Aussenseiterin? Meine Chancen sind intakt. Für eine Alibi-Kandidatur würde ich mich nicht hergeben.»

Bally, die übrigens nicht verwandt ist mit den berühmten Schuhfabrikanten aus Schönenwerd, wohnt mit Mann und 18-jährigem Sohn in Hendschiken. In Bremgarten steht ihr Pferd, das sie «leider zu wenig oft» reitet. Sie sagt, sie sei eine Pragmatikerin.

Maya Bally: «Die Chancen stehen gut für eine Frauenkandidatur aus der Mitte»

Maya Bally: «Die Chancen stehen gut für eine Frauenkandidatur aus der Mitte» (August 2016)

Nach der Matur merkte sie, dass Studieren nicht so ihres sei. Beim Kopierer-Hersteller Xerox in Oerlikon lief sie auf gut Glück ins Büro und bat um eine Anstellung. «Sie sagten: Wir nehmen Sie, wenn Sie bereit sind, zuunterst anzufangen.»

Bally sagte: Deal. Später, als in der Informatik überall verzweifelt Leute gesucht wurden, wechselte sie zur Schweizerischen Kreditanstalt und später zur CSC, wo sie grosse internationale IT-Projekte für Banken und Versicherungen leitete. «Das ist ein wenig wie in der kantonalen Verwaltung: Ganz viele Schnittstellen und meistens zu wenig Geld.»

AZ Vimentis Wahlhilfe 2016

Ihr gefalle es, Ressourcen am richtigen Ort einzusetzen, verschiedene Menschen zu einem Team zu formen. Sie habe es auch mal bei einem Kunden erlebt, dass man 30 Millionen Franken für ein Projekt ausgegeben und gesagt habe: Okay, es geht nicht, Abbruch der Übung. «Dann werden Schuldige gesucht und entlassen. Anstatt dass man zusammensitzen und analysieren würde, wie man am besten wieder aus dem Schlamassel käme.»

Den Einstieg in die Politik fand Maya Bally über die Schulpflege in Hendschiken, die sie präsidiert. 2013 wurde sie für die BDP in den Grossen Rat gewählt, inzwischen leitet sie die Fraktion. Sie sagt: «Ich bin wahrscheinlich nicht die typische Politikerin, die auf ihren eigenen Vorteil bedacht ist.»

«Ihnen traut das niemand so recht zu – wie wollen Sie das trotzdem schaffen?»

«Ihnen traut das niemand so recht zu – wie wollen Sie das trotzdem schaffen?» (August 2016)

az-Chefredaktor Christian Dorer fühlt Bally, Scheier und Obrist (v.l.) auf den Zahn.

Sie suche lieber Kompromisse, das sei das Einzige, was Kanton und Land weiterbringe. Sie sei eine, die bereit sei, genau hinzuschauen und die richtigen Fragen zu stellen. Ein früherer Chef sagte jeweils zu ihr: «You are a pain in the neck» – sie sei ein Schmerz im Nacken, und das meinte er bei einer Projektleiterin als Kompliment.

Das Regierungsratsamt habe viele Ähnlichkeiten mit dem, was sie als Projektleiterin gemacht habe. Hinzu komme einzig, dass man im Fokus der Öffentlichkeit stehe und es immer eine Gruppe gebe, der man es nicht recht machen könne. «Aber damit muss man umgehen können.»

Bei der Bildung ist aus Ballys Sicht inzwischen genug gespart. Sie sagt: «Ich bin der Meinung, dass Bildung eine Staatsaufgabe ist. Denn bei einer Privatisierung laufen wir Gefahr, in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zu rutschen.» Bei den Flüchtlingen gebe es einen Prozentsatz, den eine Gesellschaft und eine Wirtschaft vertrage. «Wichtig ist, dass sich Flüchtlinge anpassen, als Gegenleistung zu unserer Hilfe.» So, wie es ihre irische Grossmutter getan hatte, als sie in London einen Zürcher kennenlernte und mit ihm in die Schweiz kam.