Normalerweise werden bei der SVP heikle Personalfragen vor dem Parteitag geklärt. So lag denn am Mittwochabend eine fixfertige Liste mit 16 Kandidatinnen und Kandidaten vor, die zuvor bereits im Parteiorgan «SVP aktuell» publiziert worden war.

Gemäss ihren Listenplätzen stellten sich die Anwärter für den Nationalrat kurz vor, dann eröffnete Rolf Jäggi, Mitglied der Findungskommission, die Fragerunde. Dabei wurde das Drehbuch unerwartet gestört: Matthias Krattinger von der Ortspartei Koblenz beantragte, Maximilian Reimann (72) von der Liste zu streichen und durch Roger Fricker (47) zu ersetzen. Zwar wurde der Antrag mit 174 zu 21 Stimmen klar abgelehnt, die Altersfrage bleibt bei der SVP aber aktuell.

Alters-Knatsch in den SVP-Reihen

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«Fühle mich nicht gekränkt»

Reimann selber, der bei der Abstimmung zusammen mit den übrigen Kandidaten im Ausstand war, wusste im Voraus nichts vom Angriff auf ihn. «Überrascht war ich ganz und gar nicht, es scheint ein Trend zu sein, gegen ältere, bewährte Politiker zu schiessen», sagt er. Natürlich könne und solle man die Altersfrage bei Kandidaten diskutieren, findet Reimann. «Ich fühle mich deshalb absolut nicht persönlich gekränkt oder angegriffen, schliesslich hat der Parteitag den Antrag ja deutlich abgelehnt.»

Zuvor hatte sich der Fricktaler dem Parteitag als engagierter Vertreter der Senioren präsentiert. «Tatsache ist, dass ausser mir auf der SVP-Liste niemand im AHV-Alter ist», hält er auf Nachfrage fest. Die über 65-Jährigen seien aber eine Bevölkerungsgruppe, die immer stärker wächst und sich überdurchschnittlich stark an Wahlen und Abstimmungen beteiligt.

Für Reimann steht fest: «Die Senioren-Generation hat entsprechend Anspruch, in Bern auch mit Gleichaltrigen vertreten zu sein. Diese fühlen sich einfach besser in ihre Anliegen und Interessen hinein.» Als jüngstes Beispiel nennt er die Kontroverse um die Verlängerung des Fahrausweises ab 70.

Vergleich mit Adenauer

Reimann fühlt sich «körperlich und geistig noch voll im Schuss, ich halte in dieser Beziehung zweifellos mit Jüngeren mit». Die Frage, ob er nochmals kandidieren solle, stelle er sich alle vier Jahre vor den Wahlen von neuem. Natürlich sei die Altersfrage auch ein Thema bei den Diskussionen mit der Findungskommission der Partei gewesen.

Reimann verweist auf ein prominentes Beispiel für einen Politiker im Seniorenalter: «Konrad Adenauer war noch ein Jahr älter als ich, als er zum ersten Mal deutscher Bundeskanzler wurde – und er blieb 15 Jahre im Amt.»

Tatsache ist allerdings: Die SVP stellt schon jetzt die älteste Aargauer Delegation in Bundesbern. Nach den Parlamentswahlen 2011 lag das Durchschnittsalter der sechs Volksparteivertreter im Nationalrat bei 59,8 Jahren. Unter der Annahme, dass die fünf Bisherigen der SVP wiedergewählt werden, liegt ihr Durchschnittsalter dann bei 63,2 Jahren. 2019 hätten die Bisherigen mit einem Schnitt von 67,2 Jahren das AHV-Alter erreicht.

Im Gegensatz dazu schickt die SP die jüngste Vertretung nach Bern. Reimann: «Das stimmt, andererseits stellt die SP mit Paul Rechsteiner den amtsältesten Parlamentarier – auch er tritt nochmals an.» Ob jemand für ein Amt geeignet sei, hänge nicht vom Alter ab. «Ich lehne Altersschranken ab, zudem ist die junge Generation auf unserer Nationalratsliste bestens vertreten.» Dies zwar auf hinteren Plätzen, aber letztlich entscheide der Wähler.

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Fricker hätte kandidiert

Leicht verjüngt wird die SVP-Vertretung im Nationalrat ohnehin: Geht man davon aus, dass die Partei ihren sechsten Sitz verteidigt, wird der nicht mehr antretende Hans Killer (67) durch einen Kandidaten ersetzt, der zwischen 28 und 53 Jahre alt ist.

Doch wie gut vorbereitet war eigentlich der Angriff auf Maximilian Reimann? Der als Ersatz vorgeschlagene Roger Fricker sagt auf Anfrage: «Wenn der Parteitag mich unbedingt hätte aufstellen wollen, hätte ich mich zur Verfügung gestellt.»

Er sei im Voraus informiert gewesen über den geplanten Antrag, habe Matthias Krattinger aber gesagt, dies müsse vor dem Parteitag im Kantonalvorstand passieren. «Grundsätzlich wollte ich aber nicht kandidieren, das habe ich der Findungskommission auch gesagt», hält Fricker fest, der 2011 auf Platz neun landete und die Wahl klar verpasste.