Gymnasien
Maturaquoten im Aargau: Riesige Unterschiede zwischen den Bezirken

Von den Jugendlichen, die im Bezirk Laufenburg wohnen, machen 8,5 Prozent eine gymnasiale Matur. Im Bezirk Lenzburg ist die Quote mit 19,7 Prozent mehr als doppelt so hoch. Offenbar beeinflusst die Herkunft die Bildungswege und damit die Zukunft.

Hans Fahrländer
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Gymnasiale Maturitätsquote im Aargau

Gymnasiale Maturitätsquote im Aargau

Emanuel Freudiger
Quote gymnasiale Maturität im Aargau nach Wohnbezirk 2013.

Quote gymnasiale Maturität im Aargau nach Wohnbezirk 2013.

NCH/BAR

Um es vorwegzunehmen: Nicht nur der Weg über Gymnasium und Matur führt zu Ansehen und Wohlstand. Gerade im Aargau verbittet sich die Unterscheidung «Gymnasium = gescheit, Lehre = nicht so gescheit», denn hier machen viele, die den Notenschnitt fürs Gymnasium mühelos schaffen, trotzdem eine Lehre.

Ein Stadt-Land-Graben

Nachdem dies geklärt ist, darf man trotzdem staunen. Eine Statistik des Bundes weist aus: Die Chancen, die gymnasiale Maturität zu erreichen, hangen offenbar vom Wohnort ab.

Die Statistik wird gesamtschweizerisch erhoben, weil der Wohnort nicht immer identisch ist mit dem Ort, an dem man das Gymnasium besucht. Die meisten Mittelschüler aus dem Bezirk Rheinfelden besuchen Gymnasien in Muttenz oder Basel. Sie sind in der Statistik trotzdem unter Aargau verbucht.

Im Bezirk Lenzburg machen 19,7 Prozent der Jugendlichen am Abschluss der Sekundarstufe II (meist 20-Jährige) die Matur – siehe Grafik.

Gleich dahinter liegt Baden mit 19,5 Prozent. Es folgen Aarau 18,8), Bremgarten (17,8), Rheinfelden 16,9), und Zofingen (15,5). Den hinteren Teil der Tabelle bilden Zurzach (13,4), Muri (13,1), Kulm (11,9), Brugg (11,6) und abgeschlagen Laufenburg mit 8,5 Prozent.

Die gleiche Statistik weist auch die Quoten der Berufs- und der Fachmatura pro Bezirk aus. Hier ist die Streuung geringer als bei der gymnasialen Matur. Immerhin fällt auf, dass die Berufsmatura-Quote in den Bezirken, die sich oben in der zweiten Tabellenhälfte finden, höher liegen als die der gymnasialen Matur.

Allerdings gelingt die Kompensation nicht vollständig: Rechnet man die beiden Quoten zusammen, sind immer noch dieselben Bezirke an der Spitze. Auffallend sodann: Bei der Fachmatura-Quote, die in den meisten Bezirken (noch?) unter 5 Prozent liegt, gibt es zwei klare Sieger: die beiden Fricktaler Bezirke Rheinfelden (5,9) und Laufenburg (4,7).

Gesamtsieger über alle drei Maturitätstypen gerechnet ist der Bezirk Rheinfelden mit 39,8 Prozent, gefolgt von Lenzburg, Aarau und Baden. Am Schluss der Tabelle kann Laufenburg (27 Prozent) einen Konkurrenten knapp hinter sich lassen: Es ist der Bezirk Zofingen mit 26,9 Prozent – er liegt sowohl bei der Berufs- wie bei der Fachmatur am Schluss der Tabelle.

Wo steht die nächste Schule?

Zurück zur gymnasialen Maturquote. Ursachenforschung für die erstaunlichen Zahlen gibt es kaum. Offenkundig spielen Distanz und Verkehrsverbindungen zum nächsten Gymnasium eine Rolle spielen:

  • Im Bezirk Lenzburg steht zwar kein Gymnasium, aber die Wege nach Aarau und Baden-Wettingen sind kurz (das gilt allerdings auch für Teile des Bezirks Brugg ...).
  • Im Fricktal steht bekanntlich keine Mittelschule. Die Jugendlichen im Bezirk Rheinfelden besuchen dank eines Schulabkommens Gymnasien in Muttenz und Basel. Für jene aus dem Bezirk Laufenburg sieht es düsterer aus: Die Wege nach Aarau, Baden-Wettingen und Muttenz-Basel sind alle relativ beschwerlich.

Der Hauptgrund für die Unterschiede liegt offenbar in der Zusammensetzung der Bevölkerung: Bildungsnahe Familien mit Kindern leben heute nicht mehr primär auf dem Land, sondern in den Städten und Agglomerationen (siehe nebenstehendes Interview). Sie liefern den Nachwuchs für die Gymnasien.

Änderungen zeichnen sich ab

Die Rangliste ist daran, sich leicht zu verändern: Zieht man die Statistik der Gymnasiumseintritte aus dem gleichen Jahr 2013 heran – die Eintretenden sind vier Jahre jünger als die Austretenden – hat Laufenburg seinen letzten Platz an den Bezirk Kulm abgetreten. Charlotte Zubler von Statistik Aargau vermutet: «Seit einigen Jahren kann man sich bereits aufgrund des Zeugnisses im ersten Halbjahr der 4. Bez für die Mittelschule qualifizieren.

Das erhöht die Planungssicherheit für die Jugendlichen und ihre Eltern und beeinflusst offenbar die Mittelschülerquote.»

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