Zeugnis
Mathe und Deutsch als Stolperstein: Zwei Aarauer Schülerinnen wehren sich gegen neue Regel

Nur wer in Deutsch und Mathematik eine genügende Note hat, darf von der Bez prüfungsfrei an eine weiterführende Schule. So will es das neue Schulgesetz. Dagegen wehren sich die zwei Aarauer Schülerinnen Melina Urech und Sophie Rindlisbacher mit einer Petition.

Chantal Gisler
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Bez-Schüler mit ungenügender Mathe- oder Deutschnote müssen an die Aufnahmeprüfung. (Symbolbild)

Bez-Schüler mit ungenügender Mathe- oder Deutschnote müssen an die Aufnahmeprüfung. (Symbolbild)

Getty Images/Wavebreak Media

Seit dem 1. Juli 2016 ist es offiziell: Die Aargauer Oberstufenschülerinnen und -schüler müssen für einen prüfungsfreien Übertritt in eine weiterführende Schule in den Kernfächern Deutsch und Mathematik eine genügende Note (4,0) aufweisen. Vorher war für einen prüfungsfreien Übertritt lediglich der Gesamtschnitt ausschlaggebend: 4,7 für die Kantonsschule und 4,4 für die Wirtschafts-, Informatik- und Fachmittelschule. Deutsch und Mathematik wurden dafür doppelt gerechnet.

Mit der neuen Regelung kann jemand in allen anderen Fächern ausgezeichnete Noten haben, würde aber wegen einer ungenügenden Note in Mathe oder Deutsch nicht prüfungsfrei an eine weitergehende Schulen wechseln.

Genau dies ist einer Kollegin der beiden Bezirksschülerinnen Melina Urech und Sophie Rindlisbacher passiert. "Im Gesamtschnitt hat sie eine Note von 5,4 – nur in Mathematik ist sie ungenügend", erklärt Melina Urech gegenüber der az. "Wenn sie an die Kanti gehen wollte, müsste sie wegen dieser einen Note eine Aufnahmeprüfung absolvieren", kritisiert Sophie Rindlisbacher. Die Aufnahmeprüfung kann sie aber erst ein Jahr später absolvieren, und sie umfasst die vier Fächer Mathematik, Deutsch, Französisch und Englisch.

Die Mitschülerin sei jedoch nicht die einzige Betroffene: "In unserer Klasse gibt es zwei solche Fälle und in den Parallelklassen, die wir angefragt haben, kommt es noch öfter vor", so Melina.

Die Stadt Aarau soll sich einsetzen

Das Departement Bildung, Kultur und Sport begründet die neue Regel mit dem Wegfall der Bezirksschulabschlussprüfung (BAP): "Diese hatte eine leicht selektive Wirkung auf die Übertritte an die Mittelschulen." Die BAP fand dieses Jahr zum letzten Mal statt. Damit die Ansprüche für einen prüfungsfreien Übertritt an eine weiterführende Schule gleich bleiben, müssen die Schüler in den Kernfächern Deutsch und Mathematik nun eben eine genügende Note mitbringen. "Die Stärkung der Kernfächer widerspiegelt deren grundlegende Bedeutung für eine allgemeine Studierfähigkeit", schreibt das Departement. Die Inhalte der beiden Fächer seien für viele Studiengänge zentral.

Dagegen wehren sich die beiden Aarauer Schülerinnen nun. Auf der neuen Petitionsplattform petitio.ch haben sie deshalb eine Petition aufgeschaltet. Dieser zufolge soll sich die Stadt Aarau dafür einsetzen, dass dieses kantonale Gesetz wieder abgeschafft wird. "Es ist nicht nötig, dass man in beiden Fächern Mathe und Deutsch gut ist", sagt Sophie Rindlisbacher. "Aus unserer Sicht ist es eher eine Qualität, wenn man den Gesamtschnitt für eine weiterführende Schule erreicht, auch wenn man in einem der doppelgewichteten Fächer Deutsch und Mathematik eine ungenügende Note hat." Melina Urech ergänzt: "In den letzten Jahren hat das alte System schliesslich auch gut funktioniert."