Überwachung

Massenhafte Handyauswertung: Aargauer Behörden fischen am meisten Daten ab

Die Überwachungsmethode im Aargau ist umstritten. (Symbolbild)

Die Überwachungsmethode im Aargau ist umstritten. (Symbolbild)

Im Jahr 2015 haben Schweizer Strafbehörden die Handydaten von 124 Antennen abgefischt. Spitzenreiter unter den Kantonen ist, absolut gesehen, der Aargau. Bei den Antennensuchläufen geraten Tausende ohne ihr Wissen ins Visier.

Die Überwachungsmethode ist umstritten. Eingesetzt werden darf sie offiziell nur bei besonders schweren Taten wie dem Vierfachmord von Rupperswil: Um Verbrechern auf die Spur zu kommen, bedienen sich Ermittler der Massenauswertung von Handydaten.

Bei Antennensuchläufen landen jedoch Tausende Menschen im Topf der potenziell Verdächtigen. Mit einem Suchlauf finden die Behörden heraus, welche Handys in einem bestimmten Zeitraum an einer bestimmten Antenne eingewählt waren.

Wer mit wem telefoniert, gemailt oder gesimst hat. Keine andere Ermittlungsmethode kann systematisch so viele Menschen treffen. Bisweilen werden bei einem Antennensuchlauf bis zu Zehntausende Handys ausgewertet.

Recherchen der «Nordwestschweiz» zeigen: Im Jahr 2015 haben Schweizer Strafbehörden die Handydaten von 124 Antennen abgefischt. Spitzenreiter unter den Kantonen ist, absolut gesehen, der Aargau. 24 Antennen haben die Behörden hier im vergangenen Jahr ausgewertet. Wie gross die ausgewerteten Zeiträume sind und um wie viele Ermittlungsverfahren es geht, verschweigen offizielle Statistiken.

Datenschützer kritisieren, dass diese Ermittlungsmethode zu unbestimmt sei: Zu viele Menschen geraten unschuldig ins Visier der Behörden.

Überwachungsgesetz vors Volk?

Das eidgenössische Parlament hat derweil die letzten Differenzen beim Überwachungsgesetz Büpf ausgeräumt. Damit ist das Geschäft bereit für die heutige Schlussabstimmung. Ob nun das Volk das letzte Wort haben wird, ist offen.

Das Komitee der Büpf-Gegner mit Politikern von links bis rechts ist sich bei dieser Frage nicht einig. Allein schon die Drohung mit dem Referendum habe das schlimmste abgewendet, sagt etwa der Luzerner SVP-Nationalrat Franz Grüter. Und selbst die Grünen haben angekündigt, man könne ein Referendum wegen fehlender Ressourcen wohl nur ideell unterstützen.

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