Armee
Marschbefehl Homeoffice: Am ersten RS-Tag sind Aargauer Kasernen praktisch leer

Die RS beginnt vorerst zu Hause – auf den Waffenplätzen in Brugg und der Militärmusikschule in Aarau herrscht eine spezielle Atmosphäre.

Jocelyn Daloz
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Warten auf Antwort: Die Schweizer Armee kämpfte am Montag zum Start der ersten Rekrutenschule im Homeoffice mit den Tücken der Technik.

Warten auf Antwort: Die Schweizer Armee kämpfte am Montag zum Start der ersten Rekrutenschule im Homeoffice mit den Tücken der Technik.

Keystone

Gut 500 Rekruten der Genieschule 73 in Brugg folgten gestern ihrem Marschbefehl, der sie aber statt in die Kaserne zu ihren Computern zu Hause führte. Wie 4800 Weitere in der ganzen Schweiz begann für sie heute eine militärische Erfahrung der besonderen Art: Statt Drills auf dem Kasernenhof machen sie Sportübungen mit Hilfe einer App, statt Massenschlags und Militärmensa warten das Bett und die Küche daheim.

Die theoretische Militärausbildung erfolgt über ein militäreigenes Online-Lerntool. Für Oberstleutnant im Generalstab, Wolfram Werder, ist es eine spezielle Erfahrung: «Normalerweise ist an einem ersten RS-Tag hier sehr viel los.» Jetzt läuft in Brugg auf dem Waffenplatz herzlich wenig. Neben den Kadern und einigen Soldaten, die schon vor einer Woche eingerückt sind, befinden sich dort nur rund 20 Rekruten, die wegen ihrer Waffengattungen keine Home-RS machen können. Das sind Ausnahmen. Die allermeisten müssen sich die nächsten drei Wochen die Grundlagen des Soldatenseins selber aneignen.

Schweizweite Log-in-Probleme

Bald startet eine Testphase, in der versucht wird, dass die Kader aus Brugg mittels Forum-Chats direkt Kontakt mit ihnen aufnehmen können, um sie kennen zu lernen, bevor sie dann am 8. Februar physisch einrücken. Auch hier machte das schweizweite Log-in-Problem den Genietruppen zu schaffen. «Aber ab Mittag funktionierte das System weitgehend wieder und unsere Rekruten konnten sich einloggen.» Scherzend vergleicht es Oberst Werder mit heiss begehrten Konzerttickets auf ticketcorner.ch, welche die Server überlasten.

Er selber schätzt diese Erfahrung und zeigt sich zufrieden, dass die Armee eine «innovative» Lösung gefunden habe. «Die Armee arbeitet schon seit langem mit computergestützten Ausbildungsmöglichkeiten. Ich finde es spannend, dass sie innert kürzester Zeit die RS auf diese Art ermöglicht hat.» So breche die Armee die Stereotype einer eingerosteten Institution. «Die grosse Herausforderung wird sein, uns dem Niveau der Rekruten anzupassen, wenn sie dann im Februar einrücken», sagt Werder.

Militärmusiker müssen einmal am Tag vorspielen

Einen ebenfalls speziellen RS-Start erlebte die Militärmusikschule in Aarau. Gemäss Kommandant Oberst Philipp Wagner starteten 55 Rekruten mit «Distance-Learning». Da 14 Weitere sowie 14 Kader dennoch vor Ort einrücken mussten, falle die Umstellung etwas weniger auf: «Wir sind eine kleine Schule. Ausserdem sind sich ja alle schon an Homeschooling gewöhnt: Die meisten unserer Rekruten haben im vergangenen Jahr Musikschulen besucht, unter anderem auch, um sich auf die Aufnahmeprüfung in die Militärmusik vorzubereiten.»

Während Genietruppen ihren Alltag selber gestalten können, ist die Tagesstruktur bei der Militärmusik strammer organisiert: Jeden Morgen wird auf den jeweiligen Instrumenten anhand eigener Etüden und vorgeschriebenen Stücken geübt. Im Laufe des Tages wechseln sich Unterrichtsblöcke in Militär- und Musiktheorie ab, einmal am Tag sollen Rekruten vorspielen. Eine Struktur vorzugeben sei in der Militärmusik einfacher als andere Rekrutenschulen: «Unsere Kader können die Rekruten fast eins zu eins betreuen», erklärt Oberst Wagner.