CVP Aargau
Markus Zemps Kreuz mit dem Rücktrittsdatum

Der Kantonalpräsident sagt nach den Wirren der letzten Tage nur noch, dass er länger bleibt – wie lange, will er offen lassen. Überraschend auch für die eigene Partei heizte er zudem die Spekulationen um seinen eigenen Rücktritt an.

Fabian Muster
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Markus Zemp ist die Diskussionen um sein Rücktrittsdatum leid und sagt: «Ich bestimme selbst, wann ich zurücktrete.» Annika bütschi

Markus Zemp ist die Diskussionen um sein Rücktrittsdatum leid und sagt: «Ich bestimme selbst, wann ich zurücktrete.» Annika bütschi

CVP-Kantonalpräsident Markus Zemp hatte es am vergangenen Wahlsonntag nicht einfach: Er musste den Journalisten mit 13,3 Prozent ein historisch tiefes Grossratsergebnis erklären.

Er sagte auf das Aufnahmegerät des Journalisten, dass er sich vorstellen könnte, sein Amt bereits nächsten Frühling aufzugeben – spätestens aber ein Jahr darauf, also im Frühling 2014.

«Ich habe immer gesagt, dass ich nur eine Übergangslösung für ein bis zwei Jahre bin», sagte er und fügte an: «Ich habe nicht im Sinn, vier Jahre zu machen.»

Er wollte seine Nachfolge möglichst bald thematisieren, eventuell bereits an der Parteileitungssitzung vom darauffolgenden Tag: «Wer die Partei nachher übernimmt, müssen wir wirklich jetzt beginnen zu diskutieren.»

Zu einer Nachfolge-Diskussion kam es an der Sitzung von Montagabend allerdings nicht. Bereits am Nachmittag zuvor krebste Zemp nämlich zurück: «Ich werde das Präsidium nicht schon nächsten Frühling abgeben», liess er die Aargauer Zeitung wissen.

Somit war das Thema erledigt. Gestern nun sagte er auf Anfrage: «Ich gebe keine Prognose mehr ab über meinen Rücktrittszeitpunkt.»

Er lasse das jetzt völlig offen. Spasseshalber meinte er gestern gegenüber Tele M1: «Mit meinen Zielen müsste ich das Amt mindestens noch 20 Jahre machen.»

Ein Fehler, den Zemp zugibt

Klar ist bis heute nur: «Ich gehe sicher nicht mehr schon in einem Jahr.» Dann hätte er mindestens die knapp zwei Jahre hinter sich gebracht, die er sich zu Beginn seiner Präsidialzeit ab März 2012 selbst als Ziel gegeben hatte: «Sicher zwei Jahre, darunter bringt es nichts», sagte er im Interview mit der Aargauer Zeitung nach seiner Nominierung Ende Januar.

Parteiintern erhielt Zemp in den letzten Tagen viel Unterstützung. Einige Exponenten wie die neu gewählte Grossrätin und CVP-Mediensprecherin Marianne Binder ermunterten ihn sogar, gleich bis zu den nächsten Grossratswahlen in vier Jahren zu bleiben.

Dazu sagt er gestern trocken: «Ich bestimme selbst, wann ich abtrete.» Falls der Wunsch nach neuen Kräften in der Partei da sei oder er das Gefühl hätte, die Trendwende nicht mehr zu schaffen, trete er zurück. «Ich muss in der Partei nichts mehr erreichen», so der 58-jährige alt Nationalrat.

Doch hinter vorgehaltener Hand wird in der CVP auch Kritik laut: Es sei falsch gewesen, beim Antritt gleich einen möglichen Rücktrittszeitpunkt zu nennen. Das gibt mittlerweile auch Zemp selbst zu: «Da habe ich einen Fehler gemacht.»

Nachfolger: Binder, Bucher, Abbt

Der Ex-Kantonalpräsident Theo Voegtli geht davon aus, dass Zemp zumindest bis zu den nächsten Nationalratswahlen im Jahr 2015 bleibt.

«Tritt Zemp wider Erwarten demnächst als Präsident ab – wogegen ich wette, – wäre Marianne Binder meine erste Wahl als Nachfolgerin.» Bereits vor ihm hatten nationale Parteienvertreter wie die Aargauer Nationalrätin Ruth Humbel die CVP-Mediensprecherin als «Idealbesetzung» bezeichnet (Ausgabe von gestern).

Kantonale Parteivertreter sehen dies ähnlich, so etwa Grossrätin Alexandra Abbt: «Als Kommunikationsspezialistin wäre Binder prädestiniert für diesen Job.»

Diese hat zurzeit allerdings kein Interesse daran, wie sie gestern im Interview mit der Aargauer Zeitung sagte: «Da für Markus Zemp ein Rücktritt zurzeit kein Thema ist, muss ich mir über das Amt auch gar keine Gedanken machen.»

Als weitere mögliche Zemp-Nachfolger werden die Namen gehandelt vom ebenfalls neu gewählten Ralf Bucher, dem Geschäftsführer des Bauernverbandes Aargau, sowie von der bisherigen Grossrätin Alexandra Abbt, Gemeindeammann in der Freiämter Kleingemeinde Islisberg.

Für beide ist es allerdings zu früh, dazu Stellung zu nehmen. Bucher: «Ich habe mir darüber noch keine Gedanken gemacht.»