CVP Aargau
Markus Zemp: «Mit mir gibt es keine ‹C›-Debatte mehr»

Der Parteivorstand der CVP Aargau hat Markus Zemp einstimmig für das Präsidium nominiert. Im Interview mit der az erklärt Zemp, wie er den Abwärtstrend seiner Partei stoppen will.

Mathias Küng
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Markus Zemp

Markus Zemp

Annika Bütschi

Herr Zemp, was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie angefragt wurden, ob Sie das Präsidium übernehmen?

Markus Zemp: Ich war sehr überrascht. Als Erstes kam ein Nein über meine Lippen. Ich hatte wirklich nicht im Sinn, wieder ein Parteiamt anzunehmen. Ich liess mich dann aber zu einem Gespräch mit der Findungskommission überreden. Die Professionalität, mit der sie die Nachfolgeregelung angepackt hat, hat mich beeindruckt. Ich spürte: Da wächst etwas Neues, Gutes, das die Partei unbedingt braucht. Schliesslich wurde ich von so vielen Seiten gebeten, es zu tun, dass ich noch einwilligte, zu kandidieren.

Was braucht die CVP unbedingt?

Wir haben im Herbst 2011 ja nicht die erste Wahlniederlage erlebt. Es war eine Niederlage mit Ansage. Zuvor schon bei den Grossrats- und Regierungswahlen haben wir verloren. In der Zeitachse gesehen eine kontinuierliche Entwicklung.

Dazu kam die Debatte über eine mögliche Fusion mit der BDP.

Ja, Namen ändern, fusionieren und all das Zeugs. Unsere Leute sind total verunsichert, vor allem die Stammwähler in unseren Stammlanden. Jetzt braucht die Partei eine klare Führung mit klaren Botschaften. Wenn ich gewählt werde, gebe ich die Garantie: Die CVP bleibt die CVP. Und sie bleibt eine gutbürgerliche Partei, die sich auf ihre Stammlande fokussiert, in denen wir immer noch stark sind. Bieten kann ich viel Führungserfahrung. Und ich will den Leuten Sicherheit geben. Die Zeit der Verunsicherung soll vorbei sein.

Also keine neue «C»-Debatte?

Mit mir als Präsident gibt es im Aargau keine «C»-Debatte mehr. Ich erkläre sie für beendet. Wer mich als Präsident wählen will, muss dies akzeptieren.

Im Grossen Rat hat die CVP mit der BDP eine Fraktionsgemeinschaft. Wie sehen Sie die künftige Zusammenarbeit?

Eine Fusion mit der BDP sehe ich nicht. Wir haben ein gutes eigenes Parteiprogramm. Und wir haben gute Leute. Eine weitere Zusammenarbeit mit der BDP im Grossen Rat ist natürlich kein Problem. Wenn man langfristig über mehr reden will, ist es in erster Linie Sache unserer nationalen Parteileitung, dies zu beurteilen.

Keine Experimente also mit Markus Zemp?

Ich brauche keine Experimente. Jetzt brauchen wir eine saubere Analyse dessen, was bei den Wahlen genau passiert ist. Und ich werde, falls ich gewählt werde, die Führung der Partei an die Hand nehmen. Wir haben in den Orts- und Bezirksparteien viele demotivierte Leute. Stetige Niederlagen machen müde. Irgendwann verliert man den Glauben an die eigene Sache. Mit den Orts- und Bezirksparteien werde ich engen Kontakt suchen und sie motivieren. Mein Credo: Wo ich den Vorsitz habe, sind Sitzungen gut vorbereitet, sehr straff geführt, nie lang und bei guter Stimmung. Auch Parteitage werden mit mir recht kurz sein, dafür gemütlich. Die Leute sollen gern kommen.

Was wollen Sie materiell erreichen?

Es muss gelingen, bei den eigenen Leuten Begeisterung zu wecken, sodass der Funke wieder springt und sie mit einem gewissen Stolz von ihrer Partei reden können.

Das Problem der CVP hat einen Namen. Ihr Profil ist vielen zu unscharf. Wie wollen Sie es schärfen?

Das Profil werden wir etwas schärfen müssen. Dabei ist für mich gerade das «C» eine grosse Chance. Es steht für unsere abendländische Kultur. Eine tolerante, aber letztlich christliche Kultur. Mit Blick auf die Zuwanderung und Schattenkulturen, die sich bei uns herauszubilden beginnen, müssen wir Klartext reden.

Wie meinen Sie das?

Wir wollen, dass unsere Frauen gleichberechtigt bleiben. Und zwar alle Frauen. Wir wollen unsere offene, tolerante Kultur behalten. In der Zuwanderung gibt es erste Tendenzen, die diese Errungenschaften infrage stellen. Hier müssen wir den Finger drauf halten. Das gilt auch im Asylwesen. Man muss nicht Rechtspopulist sein, um zu erkennen, dass dieses aus dem Ruder läuft. Es ist ein Skandal, wenn sich ein Asylgesuch bis vier Jahre hinziehen kann. Und es ist ein Skandal, wenn bei jemandem, der über die Grenze ging und zurückkommt, ein neues Asylgesuch anläuft. So geht es nicht!

Welche Ziele würde Präsident Zemp für die Grossratswahl setzen?

Keine unerreichbaren Ziele, wie vier oder fünf Prozente zuzulegen. Es muss aber gelingen, den Abwärtstrend zu stoppen.

Und darüber hinaus?

Ich konnte mit der neuen Parteileitung noch keine Gespräche führen. Letztlich sind wir ein Team, und ich bin ein Teamplayer. Bei den nächsten Nationalratswahlen muss das Minimalziel aber sein, den zweiten Sitz zurückzuholen. Das gibt auch Perspektiven für die Kandidierenden.

Sie sind nicht Grossrat. Wie wollen Sie dieses Manko wettmachen? Gibt es bald einen Grossrat Zemp?

Ich kandidiere sicher nicht für den Grossen Rat. Dass ich nicht dort bin, ist ein Nachteil, das stimmt. Mit meiner Erfahrung allein kann ich das nicht wettmachen. Ich weiss aber, wie ich es organisatorisch wettmachen kann, sodass es funktioniert.

Als Sie 2010 bekannt gaben, nicht mehr für den Nationalrat zu kandidieren, sagten Sie, die Dreifachbelastung Politik, Beruf und Familie sei zu gross. Gilt das nicht mehr?

Das Nationalratsmandat beanspruchte bis 120 Tage im Jahr. Durch dessen Wegfall habe ich deutlich mehr Zeit gewonnen, als ich als Kantonalpräsident benötige. Zudem werde ich in der Partei nicht alles selber machen,

Sie hörten in Bundesbern, weil die dortige «Taktiererei» Sie furchtbar nervte. In Aarau wird aber auch taktiert.

Das stimmt. Aber wenn man es selbst mit in der Hand hat, ist es eine andere Dimension. Und so schlimm wie in Bern ist es nicht.

Wie lange sehen Sie sich als Präsident?

Sicher zwei Jahre, darunter bringt es nichts. Aber für eine begrenzte Zeit. Die Parteileitung wird ja mit guten, neuen Leuten verjüngt. Ich will der Partei neuen Schub und Sicherheit geben. Sobald ich überzeugt bin, dass die Situation stabilisiert ist, wird es Zeit für eine neue, jüngere Kraft.

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