500er-Club CVP Aargau

Markus Zemp ist überzeugt, dass CVP den Tiefpunkt überwunden hat

Markus Zemp

Markus Zemp

CVP Aargau diskutierte am 500er-Club - dem Anlass für Gönner - auf Schloss Böttstein über Eigenständigkeit, Werte, Profil und Geschlossenheit. Präsident Markus Zemp ist überzeugt, trotz Verlusten den Tiefpunkt überschritten zu haben.

Bei den Nationalratswahlen 2011 verlor die CVP Aargau zwei ihrer drei Nationalratssitze. Wobei fairerweise anzufügen ist, dass der zweite nur um Haaresbreite verloren ging. Der erneute Versuch, den einstigen CVP-Ständeratssitz zurückzuerobern, misslang klar. Bei den jüngsten Grossratswahlen gingen zwei der 21 Grossratssitze verloren. Zwei Lichtblicke gab es: Zum einen die glänzende Wiederwahl von Finanzdirektor Roland Brogli. Zum andern holte der Wettinger Gemeindeammann Markus Dieth das zweitbeste Grossratsresultat im ganzen Kanton und am meisten Panaschierstimmen.

Das verleitete Präsident Markus Zemp am jüngsten Anlass des 500er-Clubs (Gönner) der CVP Aargau auf Schloss Böttstein zum Ausruf: «Mehr Dieths braucht das Land!» Er ist überzeugt, dass die Partei trotz den jüngsten Verlusten den Tiefpunkt überschritten hat. Bei den Grossratswahlen war ihr Wähleranteil mit 13,3 Prozent deutlich grösser als bei den Nationalratswahlen (10,6 Prozent). Innerhalb eines Jahres habe sich in der CVP viel bewegt. Zemp: «Hoffentlich in die richtige Richtung!»

Was soll man tun?

Wie bringt man bei diesem Stand wieder Zuversicht in die Partei? Was soll sie tun? Das fragten wir CVP-Anhänger am von Roman Kuhn organisierten, traditionellen Anlass des
500er-Clubs. Der frühere CVP-Grossrat Leo Erne aus dem Zurzibiet sieht seine Partei auch als Opfer der Kräftezersplitterung in der Mitte. Die CVP müsse auf Eigenständigkeit setzen.

Es nütze nichts, hervorzustreichen, dass sie die meisten Abstimmungen gewinnt. Erne: «Wir müssen über unsere Werte sprechen, das interessiert die Leute.» Vor dem abendländischen Hintergrund könne die Partei sehr gute Beiträge leisten. Er glaubt nicht, dass ihr angesichts der Verluste der Untergang droht. Frühere Werte bis 25 Prozent oder gar mehr werde man aber nicht mehr erreichen.

Bürgerliche Mittepartei

Gleich zwei Niederlagen hintereinander zu verdauen, sei nicht einfach, sagt Sven Strebel, Präsident der Jungen CVP Aargau. Er sieht die Krise aber auch als Chance, mit gezielter Jugendförderung mehr junge Gesichter aufzubauen und will darauf setzen. Angesichts des heutigen Gedränges in der Mitte mit neuen Parteien empfiehlt auch er, klar Profil zu zeigen und herauszustreichen, «dass wir eine bürgerliche Mittepartei sind».

Kurs aggressiver vertreten

CVP-Gönnerin Rita Strebel-Lacher aus Muri weist die immer wiederkehrenden Vorwürfe, die CVP habe zu wenig Profil und keine Meinung, energisch zurück. Und fragt stattdessen: «Wo wären wir heute ohne die CVP, die die moderne Schweiz so fest geprägt hat?» Es sei heute offenbar Mode, alles infrage zu stellen, was die CVP mache.

Jüngst habe sie dies erneut in der Berichterstattung zur Einreichung der beiden CVP-Familieninitiativen in Bern beobachtet. Und sie ärgert sich: «Ich weiss nicht, was die SVP besser macht, aber sie ist in allen Medien.» Demgegenüber vernehme man über andere Parteien viel weniger. Sie schliesst daraus: «Die CVP hat den richtigen Kurs, aber sie muss ihn aggressiver vertreten.»

Wertli: Jetzt erst recht

Der frühere christlichsoziale Grossrat Otto Wertli sieht keine Resignation in der Partei. Eher stelle er ein «Jetzt erst recht» fest. Beim Sammeln für die eben in Bern eingereichten Volksinitiativen habe er grosses Engagement gespürt. Jetzt gehe es darum, dieses Engagement nächstes Jahr in die Gemeindewahlen zu tragen und dabei zu zeigen, «dass Politik freud- und lustvoll sein kann».
Regierungsrat Roland Brogli rief auf, nach vorn zu schauen und die Politik als Kunst des Möglichen weiterzugestalten.

Wenn CVP-Exponenten authentische Vorschläge bringen, dann sei die CVP «weiter eine führende Partei im Aargau». Was soll sie tun, um wieder fassbarer zu werden? Der frühere CVP-Ständerat Julius Binder hat kürzlich an dieser Stelle das Motto des CVP-Fraktionschefs und nachmaligen Bundesrats Kurt Furgler in Erinnerung gerufen: «In grundsätzlichen Fragen muss die Fraktion geschlossen auftreten. In nebensächlichen Fragen dagegen sind Abweichungen möglich.»

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