Frau Binder, der übliche Weg in den Ständerat führt über den Nationalrat. Sie hingegen wagen den Einstieg als Grossrätin. Warum?

Marianne Binder: Auch kantonal agierende Politikerinnen haben Chancen. Ich bin zuversichtlich. Aus meiner Zeit als Kommunikationschefin der CVP Schweiz und durch mein aktuelles Amt im Präsidium der Mutterpartei bin ich auch national gut vernetzt. Ich kenne den kantonalen wie den nationalen Parlamentsbetrieb.

Die CVP zählte 2015 zu den Wahlverlierern. Reichen 8,6 Prozent Wähleranteil, um Anspruch auf einen Ständeratssitz erheben zu können?

Entscheidend bei Ständeratswahlen ist nicht nur die Parteienstärke, sondern auch die Majorzfähigkeit. Wie sonst würde die CVP als kleinste Regierungspartei die grösste Gruppe im Ständerat stellen? Die Politik der CVP ist auf die traditionell-schweizerische Konsenspolitik ausgelegt, das macht uns für viele mehrheitsfähig.

Die CVP trat bei den letzten Wahlen mit Ruth Humbel an. Als erfahrene Nationalrätin verpasste sie einen Ständeratssitz deutlich. Warum soll das 2019 anders sein?

Die Konstellation ist günstiger, weil Pascale Bruderer nicht mehr antritt. Ihr Verzicht eröffnet der CVP neue Möglichkeiten. Mit ihrer Kompromissbereitschaft steht Bruderer für einen ähnlichen Politikstil, wie wir ihn pflegen.

CVP schickt Binder in Ständeratsrennen

CVP schickt Binder in Ständeratsrennen

Nationalrätin Marianne Binder-Keller soll den frei werdenden Sitz von Pascale Bruderer erobern.

Allzu optimistisch scheint die CVP trotzdem nicht zu sein: In der Mitteilung, in der Ihre Kandidatur angekündigt wird, ist bereits die Rede vom zweiten Wahlgang, der entscheiden werde.

Wir rechnen mit einem breiten Kandidatenfeld, weshalb im ersten Wahlgang aufgrund der Parteienstärke Kandidierende anderer Parteien viele Stimmen machen und teilweise auch bessere Resultate erzielen werden. Davon dürfen wir uns nicht entmutigen lassen. Wer tatsächlich mehrheitsfähig ist, entscheidet sich im zweiten Wahlgang.

Wer für den Ständerat kandidiert, steht besonders im Fokus. Wird die Kandidatur für Sie zum Sprungbrett in den Nationalrat?

Eine Ständeratskandidatur bringt durch die grössere Aufmerksamkeit Schub im Kampf um ein Nationalratsmandat. Davon soll aber die ganze Partei profitieren. Das Ziel ist klar: Wir wollen einen zweiten Nationalratssitz erobern.

Gefährden Sie damit nicht Ruth Humbels Wiederwahl?

Nein. Ruth Humbel ist unser Zugpferd.

Cédric Wermuth hat seine Kandidatur kurz vor Ihrer angekündigten Mitteilung öffentlich gemacht. Ärgert Sie das?

Warum? Das ist doch seine Sache, wie er seiner Partei mitteilt, dass man ihn nominieren möge.