Häusliche Gewalt
Männliche Opfer haben gleiche Rechte

Bei Opfern von häuslicher Gewalt denk man in der Regel zuerst an Frauen. Doch es trifft auch Männer. Ein Kommentar darüber, was für Betroffene als selbstverständlich gelten sollte.

Aline Wüst
Aline Wüst
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Häusliche Gewalt: Auch Männer sind Opfer. (Symbolbild)

Häusliche Gewalt: Auch Männer sind Opfer. (Symbolbild)

Keystone

Es ist lautlos, das Lächeln. Es ist die Art von Lachen, von dem der Lachende selber weiss, dass er nicht lachen sollte. Das Lachen huscht bloss übers Gesicht, wie ein Schatten. Es ist ein Problem.

Denn diese sonderbare Gefühlsregung kommt oft dann, wenn man jemandem erzählt, dass ein Mann Opfer von häuslicher Gewalt ist, dass ein Mann geschlagen wird, dass einem Mann gedroht wird.

Der Mann als Opfer, das passt nicht in unser Weltbild. Das Problem: Es passt auch nicht ins Weltbild der betroffenen Männer. Eigentlich logisch. Es ist ja auch nie Teil des Lebensplans, ein Opfer zu sein.

Bis eine gewaltbetroffene Frau Hilfe sucht, dauert es lange. Doch wagt sie den Schritt, bekommt sie Hilfe. Sie wird ernst genommen. Anders beim Mann. Er wird im schlimmsten Fall ausgelacht – häufig auch von Männern.

Ein Opfer, das ausgelacht wird – da vergeht einem doch eigentlich das Lachen.

Männer sollen als Opfer von häuslicher Gewalt den gleichen Schutz bekommen wie Frauen. Sie sollen auf Polizisten treffen, die sensibel ans Thema herangehen und die Männer in ihrer Verletztheit ernst nehmen. Sie sollen in einem Väterhaus Zuflucht finden können, das einen staatlichen Leistungsauftrag hat. Das sollte alles selbstverständlich sein – für Männer und Frauen.

Und ganz wichtig: Männer dürfen niemals als Schwächlinge gelten, wenn sie Schutz suchen. Sich Hilfe zu suchen, ist stark.