Für seinen Neffen
Mann kettet sich aus Protest gegen Ausschaffung ans Migrationsamt

Weil sein Neffe und Ziehsohn die Schweiz verlassen soll, hat sich ein Mann aus Protest kurzerhand mit Handschellen an die Eingangstür des Aargauer Migrationsamtes gekettet. Die Polizei beendete die Aktion.

Drucken
Noch in Handschellen ruft Daniel Reust selbst die Polizei.

Noch in Handschellen ruft Daniel Reust selbst die Polizei.

Tele M1

Nabir ist 14 Jahre alt. Er lebt von klein auf bei seiner Tante in Peru, die später einen Schweizer heiratet und in den Aargau zieht. Auch Nabir lebt nun hier. Doch er soll nun ausgewiesen werden und fortan bei seiner leiblichen Mutter in Deutschland leben.

Daniel Reust ist Nabirs Ziehvater und mit dessen Tante Yazmin in der Schweiz verheiratet. Er kann diesen Entscheid nicht akzeptieren. Mit Handeschellen kettet sich der Hallwiler am Samstag an die Eingangstür des Aargauer Migrationsamtes in Aarau.

Der Effekt bleibt zunächst aus. Also meldet sich Reust, noch immer in Handschellen, telefonisch bei der Polizei. Er will eine Anzeige gegen das Migrationsamt wegen Verletzung der Menschenrechte einreichen. Kurz darauf erscheinen zwei Polizeibeamte und befreien Reust aus seiner freiwilligen Gefangenschaft.

Er hofft nun, dass er etwas mit seiner Aktion bewirken konnte, sagt Daniel Reust. «Laut Polizei wird es eine Meldung an das Migrationsamt geben.»

Notfalls bis nach Strassburg

Dass Migrationsamt findet es zumutbar, dass Nabir zu seiner Mutter nach Nürnberg zurückkehrt. In einem Schreiben heisst es: «Er hat die Schweiz sofort zu verlassen.»

Gegenüber Tele M1 erklärt der Ziehvater: «Meine Frau hat die Vormundschaft seit Nabir klein ist» Doch die Behörden erachten ihn und seine Frau nicht als geeignete Erzieher. Das Finanzielle stimme nicht, so Reust. Doch das ist nicht alles: «Ich habe da eine Vergangenheit.» Als verurteilter Drogenkurier verbrachte Daniel Reust fünf Jahre im Gefängnis.

Yazmin Reust, die Nabir grossgezogen hat, appelliert an die Behörden: «Bitte, das können sie nicht machen. Es ist ungerecht und unmenschlich», fleht sie unter Tränen.

Der nächste Termin beim Migrationsamt steht bereits in wenigen Tagen an. Falls das Amt auf seinem Standpunkt beharrt und auf Nabirs Ausschaffung besteht, wollen sich Reusts an den Europäischen Gerichtshof für Menschnrechte wenden. (cze)

Aktuelle Nachrichten