Es gibt viel zu entdecken im Kanton Aargau. Das Sauriermuseum in Frick würde mich reizen und wäre mit sechs Franken Eintritt auch zu stemmen, aber es ist nur am Sonntag geöffnet. In Augst ist das Eintauchen in die Antike möglich.

Die Aussenanlagen, der Tierpark und die Schutzhäuser von Augusta Raurica sind kostenlos zu besichtigen, das Museum und das Römerhaus kosten acht Franken Eintritt. Zur Römerzeit reiste man hauptsächlich zu Fuss. 

Reisen war früher ein Privileg für wenige

Nur wenige Privilegierte konnten sich eine Reise zu Pferd oder mit einem Gespann leisten. Mit meinem E-Bike bin ich heute oberprivilegiert. Ein Abenteuer, wie es damals eine Reise gewesen sein musste und wie es auch die erste Reise mit dem Töffli war, ist diese Tour heute nicht mehr. Ich begegne zahlreichen Velofahrern, die für einen oder auch mehrere Tage ganz ähnlich unterwegs sind wie ich.

Der Aargau für 100 Franken, Folge 4: Wie Huckleberry Finn

Der Aargau für 100 Franken, Folge 4: Wie Huckleberry Finn

Meine gesamte Ausrüstung für eine Woche findet in den zwei Seitentaschen am Velo und einer weiteren Tasche auf dem Gepäckträger Platz. Es soll ein Trend sein, sich bewusst auf minimalistisches Reisen einzustellen nach dem Motto: Wenn du deine Habseligkeiten in einem einzigen Rucksack unterbringen kannst, bist zu freier.

So gesehen waren wir Babyboomer als Jugendliche diesbezüglich trendy, denn wir reisten schon damals minimalistisch und trotz Dreckschleuder Zweitaktmotörli verhältnismässig umweltverträglich: geringe Distanzen, geringer Komfort, geringer Konsum. Nur Ferien auf Balkonien verursacht weniger Umweltbelastung.

So sieht das Nachtlager von Eddy Schambron im Wald aus.

So sieht das Nachtlager von Eddy Schambron im Wald aus.

Die Idee zu dieser Aargauer Tour entstand vor der Aktion der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg und vor der weltweiten Streikbewegung «Fridays for Future». Aber jetzt gibt mir die Fahrt mit dem Velo ein gutes Gefühl, zumal die Schweiz am 7. Mai schon ihren «Jahreskredit» an Ressourcen bei der Natur aufgebraucht hat. Es bringt tatsächlich einige Vorteile, mit möglichst wenig zu reisen: geringes Gewicht, Übersicht für seine Sachen, grosse Flexibilität.

Hier unterhielten sich die Römer: Amphitheater in Augusta Raurica.

Hier unterhielten sich die Römer: Amphitheater in Augusta Raurica.

Ladegerät und Handy statt Karte und Reisebuch

Aber natürlich auch ein paar Nachteile: der Komfort ist ziemlich eingeschränkt, bei schlechtem Wetter wird es schwieriger, durch das beschränkte Platzangebot ist shoppen nicht zu empfehlen.

Immerhin kann man sich heute schwere Reisebücher und sperrige Landkarten ersparen, weil alles online auf dem Handy erhältlich ist. Dafür schleppt man Ladekabel oder -geräte mit, in meinem Fall sind es drei: eines fürs Handy, eines für den Akku des Fotoapparats, eines für den Akku des Velos. Ob der unterwegs geladene Strom immer ökologisch produziert ist, bleibe einmal dahingestellt.

Mein Nachtlager finde ich in Rheinsulz, nahe am Rhein. Hier gibt es Bratkartoffeln, Wurst mit Senf und Brot vom Vortag. Es kommt so etwas wie Huckleberry-Finn-Feeling auf, mit Mücken, Rauch und erfrischendem Bad im träge dahinfliessenden Rhein.

Ein bisschen Huckleberry Finn-Feeling in Rheinsulz

Ein bisschen Huckleberry Finn-Feeling in Rheinsulz

Als schliesslich auch der Motorbootführer mit einbrechender Dunkelheit wieder verschwunden ist, braucht es nicht viel Fantasie, um sich auf einer Insel mitten im Mississippi zu fühlen, auch ohne Tom Sawyer im Schlepptau. Wäre ich Werbetexter, ich würde ein Plakat kreieren: Mallorca oder Ibiza waren gestern, wir fliegen auf den Aargau.