Badeunfall in Spreitenbach
Mädchen fast ertrunken: Bundesgericht hebt Urteil gegen Betreuerin auf

Ein Badeunfall bleibt für die Betreuerin eines fünfjährigen Mädchens doch ohne strafrechtliche Konsequenzen. Das Bundesgericht hat die Verurteilung wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung aufgehoben.

Urs-Peter Inderbitzin
Merken
Drucken
Teilen
Der Vorwurf der fahrlässigen, schweren Körperverletzung ist nicht zulässig. (Symbolbild)

Der Vorwurf der fahrlässigen, schweren Körperverletzung ist nicht zulässig. (Symbolbild)

Keystone

Im Rahmen eines Ferienprogramms der Tagesstruktur einer Aargauer Gemeinde besuchte ein fünfjähriges Mädchen zusammen mit 12 weiteren Kindern und drei Betreuern das örtliche Hallenbad in Spreitenbach. Plötzlich wurde das Mädchen mit dem Gesicht nach unten auf dem Wasser treibend gefunden.
Eine Betreuerin zog das Mädchen aus dem Wasser und die Bademeisterin reanimierte das bewusstlose Kind erfolgreich. Das Mädchen, das sich zeitweise in akuter Lebensgefahr befand, erlitt eine Lungenentzündung, trug aber keine Folgeschäden davon. Wie es genau zum Unfall kam, konnte nicht geklärt werden.
Für die Betreuerin begann ein mühsamer Weg durch die Instanzen. Zwar stellte die Staatsanwaltschaft Baden – genehmigt von der Oberstaatsanwaltschaft – das eröffnete Strafverfahren gegen die Betreuerin ein, doch verlangte die Beschwerdekammer in Strafsachen des Aargauer Obergerichts auf Beschwerde der Mutter hin die Durchführung eines Strafverfahrens.

In der Folge erhob die Staatsanwaltschaft Baden gegen die Betreuerin Anklage wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung und Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht.
Während das Bezirksgericht Baden sie von diesem Vorwurf freisprach, verurteilte das Obergericht die Betreuerin im letzten Juni zu einer bedingten Geldstrafe von 200 Tagen zu 90 Franken – also 18'000 Franken.
Diese Verurteilung hat das Bundesgericht nun aufgehoben. Laut dem Urteil aus Lausanne ist der Vorwurf der fahrlässigen schweren Körperverletzung nicht zulässig, da das Mädchen zwar vorübergehend in akuter Lebensgefahr war, dies aber nicht auf eine Körperverletzung – die erlittene Lungenentzündung – zurückzuführen ist.

Juristisch lag vielmehr eine Gefährdung des Lebens vor, die aber nicht strafbar ist, wenn sie fahrlässig begangen wird. Damit musste die Betreuerin freigesprochen werden.