Auf der Strecke von Pfaffnau in Richtung Reiden hat die Luzerner Polizei letzten Dienstag eine Geschwindigkeitskontrolle durchgeführt. Pius Stadler wurde geblitzt und auf Aargauer Boden angehalten, dies berichtet «20 Minuten». Als der geblitzte Stadler die Luzerner Polizisten darauf aufmerksam machte, dass sie sich auf Aargauer Boden befinden, sollen die Kantonspolizisten gesagt haben: «Sonst noch was?»

Stadler sieht zwar ein, dass er einen Fehler gemacht hat, die Busse will er den Luzernern allerdings nicht bezahlen – wenn schon sollen die Aargauer das Geld bekommen, sagt er.

Aargauer fühlen sich nicht im Hoheitsgebiet verletzt

Doch die Aargauer wollen sein Geld gar nicht. Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau, sagt: «Entscheidend ist, dass die Messstelle auf Luzerner Boden war.» Da in diesem Gebiet die Kantonsgrenzen ständig wechseln, sei es nicht tragisch, dass die Luzerner den Autofahrer im Aargau anhielten. «Wir sind ein kleines Land mit vielen Grenzen und machen deswegen kein Büro auf.»

In ihrem Hoheitsgebiet fühlt sich die Kantonspolizei Aargau darum nicht verletzt noch wertet sie das Verhalten der Luzerner als «auf fremdem Boden wildern». Fakt sei: Es kommt immer wieder vor, dass die Kantonspolizei Aargau einem Autofahrer folgt, weil er zu schnell fährt, und ihn dann erst in einem anderen Kanton anhält. Anders sei es bei gravierenderen Vorfällen, dann werde das entsprechende Polizeikorps verständigt und das weitere Vorgehen abgesprochen, erklärt Graser. Im besagten Fall von Reiden sei das allerdings nicht nötig gewesen.

Auch Urs Wigger, Sprecher der Kantonspolizei Luzern, ist sich keiner Schuld bewusst: «Die Übertretung fand im Kanton Luzern statt und wurde bis zu 300 Meter früher erfasst», sagt er gegenüber «20 Minuten».Er bestätigt aber, dass die Luzerner Polizisten den Autofahrer auf Aargauer Hoheitsgebiet aus dem Verkehr zogen.

Anders sieht es der Basler Polizeirechtsexperte Markus Mohler: «Diese Praxis ist äusserst unüblich und verletzt die Aargauer Polizeihoheit, wenn keine Vereinbarung oder im Einzelfall die Zustimmung der zuständigen Stelle vorliegt.»