Aargauer des Jahres

Lucas Fischer: «Vielleicht mache ich anderen Menschen Mut»

«Aargauer des Jahres» Lucas Fischer am Tag nach seiner Wahl.

«Aargauer des Jahres» Lucas Fischer am Tag nach seiner Wahl.

Der Barren-Vizeeuropameister Lucas Fischer ist am Samstag zum Aargauer des Jahres gewählt worden. Im Interview spricht er über Mode, Gesang und den Tiefpunkt seines Lebens.

Lucas Fischer (23) weiss, was er will - ausser es geht um seinen Latte macchiato. Den bestellt er zuerst mit Caramelgeschmack, entscheidet sich aber im letzten Moment doch noch dagegen - zu süss sei das.

Am Samstagabend wählten die Aargauer den Barren-Vizeeuropameister, der trotz Epilepsie nicht aufgibt, zum «Aargauer des Jahres». Am Morgen nach der Wahl trifft die Aargauer Zeitung einen gut gelaunten, perfekt gestylten jungen Mann, der für sein Alter auffallend abgeklärt und diplomatisch ist.

So sehr, dass er gesteht, fast ein bisschen ein schlechtes Gewissen zu habe gegenüber den anderen beiden Finalisten.

Lucas Fischer, was denken Sie, weshalb wurden gerade Sie zum «Aargauer des Jahres» gewählt?

Lucas Fischer: Das können nur die Aargauer beantworten. Meiner Einschätzung nach honorieren es die Menschen, dass ich trotz Epilepsie nie den Kopf in den Sand gesteckt, sondern immer an meine Ziele geglaubt habe. Vielleicht mache ich anderen Menschen auch Mut durch meine Geschichte.

Sie hatten mit 20 Jahren den ersten epileptischen Anfall. Was hat die Diagnose Epilepsie in Ihnen bewirkt?

Das war beängstigend. Ich wusste damals nicht, ob ich weiterhin turnen kann. Ich habe mit vielen Ärzten geredet, der eine sagte das, der andere das. Viele machten mir Mut weiterzumachen.

Ihr schlimmster Anfall war 2011 während der Vorbereitung für die Weltmeisterschaft.

Ja, das war während einer Turnübung am Boden. Deswegen durfte ich nicht an die Weltmeisterschaft in Tokio. Das bedeutete auch gleichzeitig das Aus für die Olympischen Spiele 2012. Damals brach für mich eine Welt zusammen.

Was gab Ihnen die Kraft weiterzumachen?

Ich zog mich zurück, nahm mir eine Auszeit. Meine Familie und mein Verband standen hinter mir. Aber ich brauchte auch etwas, worin ich meine Emotionen verarbeiten kann. Deshalb begann ich zu singen.

Und Sie hatten Erfolg damit . . .

Genau, und so viel kann ich verraten: Es kommt nächstes Jahr etwas auf den Markt - man darf gespannt sein darauf.

Ein Album?

Das wird im Moment noch nicht verraten. Aber es wird etwas Eigenes von mir persönlich sein.

Sympathisch, sportlich, Balladensänger - Sie sind der perfekte Schwiegersohn.

(lacht) Das müssen andere sagen. Ich bin einfach so, wie ich bin. Zurzeit bin ich sowieso Single. Ich hätte auch gar keine Zeit für eine Freundin. Aber ich bekomme viel Fanpost, und die vielen lieben Briefe rühren mich zutiefst.

Falls das klappt mit der Gesangskarriere: Werden Sie dem Turnen dann untreu?

Das Turnen hat für mich immer Priorität. Ich könnte mir aber gut vorstellen, Turnen und Singen zu vereinen.

Verraten Sie mehr?

Mein Traum wäre eine Show, in der ich singe, die aber gleichzeitig voller Akrobatik ist.

Hauen Sie auch über die Stränge?

Weil ich Epilepsie habe, muss ich sehr vorsichtig sein. Mein Tag ist strukturiert und ich muss immer für einen guten Ausgleich sorgen und muss auf meine Ernährung achten. Da ich aber selber gern koche, geniesse ich es, gemeinsam mit Freunden einen Dreigänger zu kreieren.

Was kochen Sie, um jemanden zu beeindrucken?

Crevetten auf einem Rucolabett. Aber ich muss ehrlich sagen, ich bin nicht der beste Koch. Ich esse einfach wahnsinnig gern, auch auswärts - am liebsten im «Saga Kahn» in Mägenwil.

Sie leben in Magglingen. Am Wochenende sind Sie in Möriken bei Ihrer Familie. Was bedeutet Ihnen der Aargau?

Ich liebe den Aargau. Das tönt jetzt vielleicht doof, aber der Aargau ist einfach mein Zuhause. Ich fühle mich wohl hier, vor allem in Möriken. Am liebsten schlendere ich dort der Bünz entlang.

Waren Sie abstimmen?

Nein, leider nicht.

Warum nicht?

Ich hatte keine Zeit. Das Training und die Physiotherapie nach meiner Knieoperation sind im Moment sehr wichtig und nehmen viel Zeit in Anspruch.

Sie sind auffallend modisch gekleidet.

Ich achte sehr darauf, was ich anziehe. Bei bestimmten Anlässen ist es mir ausserdem wichtig auch durch meine Kleidung auszudrücken, wer ich bin.

Der Titel «Aargauer des Jahres» bringt Ehre, aber auch Geld - 5000 Franken. Was tun Sie damit?

Ich werde das Geld in meine berufliche Zukunft investieren. Vor allem meine musikalischen Träume kosten Geld.

Keine lang gehegten Ferienträume verwirklichen?

Ich will unbedingt einmal nach New York. Diese schillernde Grossstadt reizt mich extrem. Aber auch Australien möchte ich irgendwann einmal bereisen. Vielleicht investiere ich einen Teil des Geldes in Ferien, aber den grössten Teil lege ich auf die Seite.

Zuerst wollen Sie sowieso nach Rio an die Olympischen Spiele reisen.

Genau, dafür trainiere ich zurzeit. Obwohl ich jetzt wegen einer Knieoperation noch handicapiert bin.

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