Die Lohnverhandlungen der Gewerkschaften mit den Kantonsspitälern Baden (KSB) und Aarau (KSA) sowie den Psychiatrischen Diensten Aargau (PDAG) sind gescheitert. «Wir haben uns nicht geeinigt», sagt Silvia Dell’Aquila, Regionalleiterin des VPOD Aargau/Solothurn. Die Gewerkschaften und Verbände verlangten einen Teuerungsausgleich von 1,2 Prozent und eine individuelle Lohnerhöhung von einem Prozent.

Stattdessen erhalten die Mitarbeitenden in Baden und bei den PDAG eine Lohnerhöhung von 0,8 Prozent. Die PDAG wollen «nach Möglichkeit und Notwendigkeit weitere 0,18 Prozent für strukturelle Lohnerhöhungen einsetzen», wie CEO Jean-François Andrey sagt. Für die KSA-Mitarbeitenden werde es «voraussichtlich eine individuelle Lohnerhöhung aus dem Fluktuationsgewinn geben», sagt Sprecherin Isabelle Wenzinger. Das Budget sei aber noch nicht zu Ende beraten. Wie hoch eine allfällige Lohnerhöhung ausfällt, ist also noch unklar.

«Nicht konkurrenzfähig»

KSB-Sprecher Omar Gisler sagt, das KSB habe auf weiterreichende Forderungen «in Anbetracht der zunehmend schwierigen Rahmenbedingungen nicht eingehen» können. Die Spitäler würden die Tarifreduktion des Bundes zu spüren bekommen und andererseits poche der Kanton als Eigentümer auf eine Ertragsmarge. Letztere brauche das KSB, um die baulichen Erneuerungen selber stemmen zu können. Die Lohnerhöhung um 0,8 Prozent sei «ein Kompromiss, der sowohl den Interessen des Gesamtunternehmens als auch der Mitarbeitenden Rechnung trägt», sagt Gisler.

Gemäss VPOD-Regionalleiterin Silvia Dell’Aquila sind die Lohnverhandlungen im Kanton Solothurn besser gelaufen. Das Spitalpersonal erhalte nächstes Jahr rund zwei Prozent mehr Lohn. Das macht den Nachbarkanton als Arbeitgeber attraktiver.

«Der Aargau ist im Arbeitsmarkt abgeschlagen und nicht konkurrenzfähig», sagt Dell’Aquila. Die Spitäler im Kanton Solothurn sind auch finanziell weniger unter Druck. Eine grosse Mehrheit der Solothurner Stimmbevölkerung hatte 2012 zugestimmt, dass der Kanton die Kosten für den Neubau des Bürgerspitals übernehmen soll. Im Aargau müssen die Spitäler ihre Neubauten selber finanzieren. «Da fehlt dann an anderen Orten das Geld, zum Beispiel für eine branchengerechte Lohnentwicklung für das Personal», sagt Silvia Dell’Aquila.

Die Mitarbeitenden des KSA, KSB und der PDAG sind seit 2006 einem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) unterstellt. Der Vertrag ist nach der Umwandlung der Spitäler in AGs entstanden. 2012 wurde er neu verhandelt. Nicht unter den GAV fallen die Mitarbeitenden des Spitals Zofingen, obwohl das Spital seit 2011 eine Tochtergesellschaft des KSA ist. Mehr noch: Erst Ende August kündeten die beiden Spitäler an, sie würden ihre Zusammenarbeit in Zukunft noch vertiefen. Die Kliniken und Fachabteilungen des Spitals Zofingen werden per Juli 2019 fachlich den Bereichen im KSA unterstellt. Umso unverständlicher findet es Silvia Dell’Aquila, dass nicht alle Mitarbeitenden dem GAV unterstellt sind. «Für mich ist klar, dass die Angestellten dieselben Arbeitsbedingungen haben müssten.»

KSA-Sprecherin Isabelle Wenzinger sagt, das Spital Zofingen sei «ein rechtlich eigenständiges Unternehmen». Der GAV gelte nur für die Kantonsspitäler. Die Integration des Spitals Zofingen sei «eine rein organisatorische Veränderung». Das Spital bleibe ein eigenständiges Unternehmen. Damit seien für die nahe Zukunft keine Änderungen vorgesehen.