An der letzten Gemeindeversammlung haben die Stimmberechtigten von Böttstein im unteren Aaretal den Antrag auf Lohnerhöhung für den Gemeinderat mit überwältigendem Mehr zurückgewiesen.

Hauptkritikpunkt war die Anhebung der Stellenprozente für Gemeindeammann Patrick Gosteli von 30 auf 70 Prozent respektive eine Lohnerhöhung von 51 000 auf 105 000 Franken. Die Versammlung beauftragte den Gemeinderat, mit der Finanzkommission eine neue Vorlage auszuarbeiten und der Sommer-Gemeindeversammlung zur Abstimmung vorzulegen.

«Kaktus der Woche»

Der «Fall Gosteli» sorgte vor einem halben Jahr in der ganzen Schweiz für Aufsehen. Der Böttstemer Gemeindeammann musste sich als «gierigster Politiker der Schweiz» betiteln lassen; die «Schweizer Illustrierte» verlieh ihm den «Kaktus der Woche».

Auch die Bevölkerung zeigte bei Umfragen wenig Verständnis für den Vorschlag, das Pensum des Gemeindeammanns von 30 auf 70 Prozent zu erhöhen.

Support erhielt Gosteli von Renate Gautschy, Präsidentin der Gemeindeammännervereinigung des Kantons Aargau. Sie sah Gosteli eher als Winkelried denn als Abzocker. Der Trend müsse Richtung Professionalisierung der Kommunalpolitik gehen, sagte Gautschy gegenüber der az.

Neu 50-Prozent-Pensum

Inzwischen liegt der neue Vorschlag auf dem Tisch. Beim Ammann wird neu von einem 50-Prozent-Pensum ausgegangen. Die Differenz zwischen den beantragten 50 Prozent und den zuerst geforderten 70 Prozent betrachtet Gosteli als ehrenamtliche Leistung.

Zum Vergleich: Die Entschädigung für den Ammann der Nachbargemeinde Döttingen, die von der Struktur her vergleichbar ist mit Böttstein, geht von 40 Stellenprozenten aus.

Die Besoldung des Böttstemer Ammanns soll gemäss Antrag des Gemeinderates und der Finanzkommission von 51 000 Franken pro Jahr auf 69 000 Franken erhöht werden.

Begründet wird die prozentual identische Erhöhung der Besoldung für alle Böttstemer Gemeinderats-Mitglieder mit dem gestiegenen Aufwand für die Behördentätigkeit. Bisher sei mit einem jährlichen Aufwand von 400 Arbeitsstunden pro Jahr gerechnet worden, argumentieren Gemeinderat und Finanzkommission.

Tatsächlich liege der Aufwand aber zwischen 500 und 700 Stunden. Der Aufwand des Ammanns betrage zwischen 1200 und 1600 Stunden. Die Antragsteller weisen darauf hin, dass es immer schwieriger werde, Personen zu finden, die sich für ein Amt zur Verfügung stellen.

Ausserdem seien die Anforderungen hinsichtlich Sach- und Führungskompetenz, politischer Weitsicht, Medienpräsenz und Präsenz in regionalen Arbeitsgruppen markant gestiegen.

Wird der neue Vorschlag an der Sommergemeindeversammlung vom 14. Mai gutgeheissen, gilt die Pensen- und Entschädigungserhöhung für alle Gemeinderäte nicht rückwirkend, sondern ab dem Datum der zustimmenden Gemeindeversammlung.

Wie im November 2013 wird in Böttstein nochmals über das Pensum und die Entlöhnung des Gemeindeammanns Patrick Gosteli. Dieser wollte damals 40 Stellenprozente mehr. Beim neuen Vorschlag sollen von 30 auf 50 Prozent bzw. von 51 000 auf 69 000 steien.

In Böttstein wird nochmals über das Pensum und die Entlöhnung des Gemeindeammanns Patrick Gosteli diskutiert.

In Böttstein wird nochmals über das Pensum und die Entlöhnung des Gemeindeammanns Patrick Gosteli diskutiert.