Bildung
Lohnerhöhung: Aargauer Lehrer sollen 1 Prozent mehr verdienen

Der Aargauische Lehrerinnen- und Lehrerverband (alv) fordert vom Arbeitgeber Kanton «diskriminierungsfreie und verlässliche Löhne» und verabschiedet den Präsidenten Niklaus Stöckli nach dreizehnjähriger Amtszeit.

Hans Fahrländer
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Die Lehrer sollen 2015 mehr verdienen. (Symbolbild)

Die Lehrer sollen 2015 mehr verdienen. (Symbolbild)

Die «Ära Stöckli» an der Verbandsspitze ist abgeschlossen (davon später mehr), die «Ära Abbassi» ist fulminant lanciert. Die rund 100 Delegierten des alv erlebten im Rittersaal auf Schloss Lenzburg zunächst einen rhetorischen Disput zwischen der neuen Präsidentin Elisabeth Abbassi und Bildungsdirektor Alex Hürzeler. Abbassi votierte angriffig, Hürzeler versöhnlich.

Die teuren Sparübungen

In ihrem präsidialen Rückblick sprach Elisabeth Abbassi von einem «Jahr der teuren Sparübungen». Die Leistungsanalyse, für sie das «Unwort des Jahres», fokussiere mit ihren Massnahmen im Bereich der Bildung zu stark auf kurzfristige Budgetgewinne und bedenke zu wenig die langfristigen Schäden und Verteuerungen im System. Besonders verwerflich seien die Sparübungen auf dem Buckel der Schwächsten und der Begabtesten. Abbassi lobte die «geballte Entschlossenheit», mit welcher sich alle Akteure im Bildungswesen, inklusive Eltern, im Widerstand gefunden hätten.

Regierungsrat Hürzeler, Kummer von dieser Seite gewohnt, parierte in seinem Grusswort den Angriff auf seine diplomatische Art: Die Sichtweisen auf die Finanzlage und die Notwendigkeit des Sparens seien naturgemäss völlig verschieden, trotzdem sei konstruktive Zusammenarbeit zwischen Departement und Lehrerschaft unabdingbar, Hürzeler lobte den alv sogar für «den Schwung und den Mut», den er in die Debatte gebracht habe. Er betonte, noch sei nichts in Stein gemeisselt, Änderungen beim Bildungssparen zeichneten sich ab (vgl. Kasten unten).

Regierung beantragt 1 Prozent

Der Bildungsdirektor brachte zwei Primeurs mit aufs Schloss. Zum einen: Die Regierung beantragt dem dafür zuständigen Grossen Rat, die Löhne der Lehrpersonen für 2015 um 1 Prozent zu erhöhen. Auch dies ist allerdings noch nicht in Stein gemeisselt, denn das tat sie auch für 2014 – doch das Parlament verordnete eine Nullrunde.

Der zweite Primeur: Alex Hürzeler wird in der Steuerungsgruppe, welche die Erarbeitung des Lehrplans 21 koordiniert, beantragen, die definitive Verabschiedung des Lehrplandokuments zuhanden der Kantone sei vom November 2014 auf den März 2015 zu verschieben. «Der Überarbeitungsprozess ist zwar gut gelaufen, aber das Dokument ist noch nicht ganz reif.»

Absage an die Lehrplan-Gegner

Das Thema Lehrplan 21 tauchte auch bei den bildungspolitischen Forderungen auf, welche die Delegierten einstimmig verabschiedeten:

«Lehrinhalte gehören nicht ins Gesetz», so die eine Forderung. Gerichtet ist die Kampfansage an die Gruppierung, welche im Aargau Unterschriften gegen den LP 21 sammelt. Kommt die Initiative durch, wird eine verbindliche Fächerliste ins Schulgesetz geschrieben. Der alv will dieses Ansinnen mit allen Mitteln bekämpfen.

Und die zweite Forderung: Der alv fordert vom Arbeitgeber Kanton «ein diskriminierungsfreies, verlässliches Lohnsystem». Insbesondere soll das System Vergütungen für spezielle Fachlaufbahnen enthalten, damit auch Lehrpersonen Karriere machen können.

Würdiger Abschied

Niklaus Stöckli, Altpräsident: «Ich sehe mich nie als Märtyrer, ich habe das stets gern gemacht.»

Niklaus Stöckli, Altpräsident: «Ich sehe mich nie als Märtyrer, ich habe das stets gern gemacht.»

Aargauer Zeitung

Nachfolgerin Elisabeth Abbassi präsentierte eine eindrücklich lange Liste von bildungs- und standespolitischen Meilensteinen, welche die Ära Stöckli geprägt haben. «Ich sah mich nie als Märtyrer für den Lehrerstand, ich habe diese Arbeit einfach gerne gemacht», sagte Stöckli gerührt. Mit Akklamation wählten ihn die Delegierten zum Ehrenmitglied des Verbandes.

Zwölf Stunden für eine halbe Million

Die grossrätliche Kommission Bildung, Kultur und Sport (BKS) hat die geplanten Sparmassnahmen im Bildungsbereich, aufgeführt in der Leistungsanalyse und im Aufgaben- und Finanzplan 2015/18 (AFP), an vier Sitzungen behandelt. «Wir haben fast 12 Stunden lang intensiv diskutiert, trotz gegensätzlicher Standpunkte in fairer, sachlicher Atmosphäre», betont Kommissionspräsident Thomas Leitch (SP, Wohlen). Geht es nach dem Willen der Kommission, wird das von der Regierung beantragte Globalbudget für das Jahr 2015 im BKS-Bereich um 512 000 Franken erhöht.

Nicht stets die Gleichen strafen

Bei den Sparmassnahmen, die in der Kompetenz des Grossen Rates liegen, hat die Kommission beim Punkt «Neuorganisation des Instrumentalunterrichts an Mittelschulen» eingegriffen. Am Grundsatz, dass die Eltern an den Unterrichtskosten beteiligt werden sollen – was zu einer Reduktion der Unterrichtslektionen führen wird –, hält die Kommission zwar fest. «Doch die Instrumentallehrpersonen mussten in den vergangenen Jahren schon mehrmals Haare lassen», erläutert Thomas Leitch. «Deshalb schlagen wir vor, dass sie auf der Lohnskala höher eingestuft werden – nämlich wieder dort, wo sie vor der Rückstufung schon waren.» Das Sparziel von 1,45 Mio. Franken reduziert sich dadurch um 250 000 Franken.

Bei den Massnahmen in der Kompetenz des Regierungsrates kann das Parlament nur via AFP Einfluss nehmen. Die Kommission tat das zum Beispiel beim Wahlfächerangebot an der Oberstufe. «Hier hat sich die Regierung ja arg verschätzt», erinnert Leitch, «sie rechnete mit einem Sparpotenzial von 650 000 Franken, in Wahrheit lag dieses Potenzial wesentlich höher. Gemäss unserem Vorschlag soll der Eingriff bei den Wahlfächern so erfolgen, dass das ursprüngliche Sparziel von 650 000 Franken erreicht wird.» Den Schulen soll dabei ein Wahlfächerpool zur Verteilung nach eigenen Vorlieben zur Verfügung gestellt werden.

Einschulungsklassen schonen

Auch bei den Sparmassnahmen zulasten der Einschulungsklassen hat die Kommission eingegriffen. «Die Mindestgrösse einer Abteilung soll zwar erhöht werden, doch der Unterricht in der Halbklasse soll nicht reduziert werden, denn das Lernen in der kleinen Gruppe ist für diese Kinder sehr wichtig», erklärt der Präsident. Schliesslich möchte die Kommission auch die Kürzungen beim Sprachheilunterricht halbieren. Im Gegenzug schlägt sie weitere Minderausgaben gegenüber dem Regierungsantrag vor, zum Beispiel bei den Krisenassistenzen oder bei der externen Schulevaluation.»
Die Bildungskommission kann bei den Sparmassnahmen natürlich nur Anträge stellen. «Ich hoffe sehr, dass die federführende Kommission Aufgabenplanung und Finanzen (Kapf) und das Ratsplenum die Entscheide unserer Fachkommission respektieren werden», betont Thomas Leitch.