Eine vehemente Gegnerin der integrativen Schule ist SVP-Regierungsratskandidatin Franziska Roth. An einem Podium im Juli forderte sie schon die Abschaffung dieses Schulmodells. All die vielen Therapien, die Logopädie, die Schulsozialarbeit, auf das könnte man ganz verzichten. Mit der integrativen Schule sinke das Niveau, findet Roth und verlangt, die schwächeren Schüler seien wieder in Sonderklassen zu unterrichten.

Vor einer Woche beim «TalkTäglich» der sechs neuen Kandidierenden auf Tele M1 legte Roth nach. Von einer Zuschauerin auf die integrative Schule angesprochen, sagte die SVP-Kandidatin: «Man kommt in der Schule nicht darum herum, etwas zu lernen und zu leisten. Heute wird aber alles, was nach Leistung und Konkurrenz aussieht, in der Schule verteufelt.»

Ritalin bis zum Ersticken

Danach folgte die Aussage, die später eine heftige Kontroverse auslösen sollte: «Es gibt Kinder, die unterfordert sind und den Betrieb stören – denen würde man am liebsten löffelweise Ritalin geben, damit sie daran ersticken, wenn sie den Mund aufmachen.»

Die Aussage sei völlig deplatziert, die Haltung dahinter menschenverachtend, Roth nach diesem Satz unwählbar – so und ähnlich lesen sich die Kommentare. Es gab aber auch Support für die SVP-Politikerin. «Frau Roth meinte im übertragenen Sinn, dass unterforderte Kinder speziell gefördert werden sollen. Heute ist der Schulbetrieb ja nur auf lernschwache Kinder ausgerichtet und die anderen Kinder sind so unterfordert», schrieb eine Kommentatorin. Und auch ihr Mann, der frühere SVP-Zürich-Kantonsrat Rolf Siegenthaler, verteidigte sie auf Facebook.

Übel bei integrativer Schule

Roth selber hält auf Anfrage fest, offenbar sei ihre ironisch gemeinte Aussage komplett falsch angekommen. «Ich bin entschieden gegen die Abgabe von Ritalin und finde dies bedenklich», betont die SVP-Frau. Sie hält aber an der Aussage fest, die integrative Schule überfordere leistungsschwache und unterfordere leistungsstarke Schüler. Diese würden den Unterricht stören und «die Schule will, dass sie mit Ritalin ruhiggestellt werden».

Das Übel liege bei der integrativen Schule und der Anpassung des Niveaus an die leistungsschwachen Schüler. «Am Schluss nivelliert die Schule nach unten, was niemandem dient, weder den leistungsschwachen noch den leistungsstarken Schülern. Ich bin deshalb dafür, dass wieder Klassen nach Fähigkeiten gebildet werden, sodass alle ihren Fähigkeiten entsprechend gefördert werden.»

Franziska Roths bester Satz.

Franziska Roths bester Satz am Podium vom 21. September 2016