Bezirksgericht Zofingen
lllegal in der Schweiz und Zeche geprellt: Italiener zum 97. Mal verurteilt

Ein 65-jähriger Italiener musste sich für verschiedenste Delikte vor Gericht verantworten – er hat eine lange kriminelle Karriere hinter sich.

Marina Stalder
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Der Angeklagte prellte in diversen Hotels die Zeche. (Symbolbild)

Der Angeklagte prellte in diversen Hotels die Zeche. (Symbolbild)

KEYSTONE

«Auf den ersten Blick scheint dies ein unspektakulärer Fall zu sein», sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Doch der Schein trügt: «Die Vorgeschichte des Beschuldigten muss in das Urteil miteinfliessen.»

Mit der Vorgeschichte sprach er den fünfseitigen Strafregisterauszug des Beschuldigten in der Schweiz und die über 20 Seiten des Strafregisterauszugs in Italien an. Der erste der insgesamt 85 Einträge in Italien erfolgte 1984, der letzte 2013.

In der Schweiz wurde er bereits elf Mal verurteilt. «Ich wurde mit dem ersten Problem gebrandmarkt und konnte nicht zu meinem normalen Leben zurückkehren. Daher wurde dieses Verhalten für mich zum Alltag», erklärte der Beschuldigte.

Dem hielt die Staatsanwaltschaft entgegen, dass der Beschuldigte sich uneinsichtig zeige und weder ein soziales Umfeld, noch eine Ausbildung oder Pläne für seine Zukunft habe.

«Sie waren geständig in der Voruntersuchung. Bleiben Sie bei diesen Aussagen?», fragte Gerichtspräsidentin Kathrin Jacober den Beschuldigten. «Si», antwortete dieser auf Italienisch. «Ja», übersetzte eine Dolmetscherin seine Aussage.

Geständig war der 65-jährige Italiener bezüglich verschiedener Sachverhalte, für welche er von der Staatsanwaltschaft angeklagt worden war. Diese sind Zechprellerei, Urkundenfälschung, gewerbsmässiger Diebstahl eines Portemonnaies in Zofingen sowie versuchter Diebstahl und Hausfriedensbruch, Entwendung eines Fahrrades, rechtswidrige Einreise und rechtswidriger Aufenthalt in der Schweiz.

Keine bösen Absichten dahinter

Im Juni 2015 soll sich der Beschuldigte unter einem falschen Namen in einem Hotel in Kandersteg angemeldet und zwei Mal übernachtet haben. Danach habe er die Unterkunft verlassen – ohne zu bezahlen.

Weniger als eine Woche später soll sich das Ereignis wiederholt haben. Dieses Mal übernachtete er unter falschem Namen in Frutigen und verköstigte sich vor Ort. Auch dieses Hotel verliess er, ohne für die Kosten in der Höhe von ungefähr 460 Franken aufzukommen. «Ich habe einen falschen Namen gewählt, weil ich ja keine Aufenthaltsbewilligung gehabt habe», erklärte der Italiener.

Ebenfalls gab er zu, dass er die Rechnungen in beiden Hotels nicht bezahlt habe. «Als ich gemerkt habe, dass ich die Rechnungen nicht zahlen kann, bin ich gegangen», so der Angeklagte. Dass es sich bei der Anmeldung unter einem falschen Namen um eine Urkundenfälschung handelt, stritt der Verteidiger aber ab: «Ein Hotelmeldeschein kann nicht beweisen, wer eine Person ist. Deshalb handelt es sich bei diesem Delikt um eine schriftliche Lüge und nicht um eine Urkundenfälschung.»

Ebenfalls gab der Beschuldigte den Diebstahl eines Serviceportemonnaies in Zofingen zu. «Es waren ungefähr 600 Franken im Portemonnaie. Diese habe ich für Übernachtungen und Essen ausgegeben.»

Der Angeklagte soll zudem versucht haben, in eine Wohnung in Bad Schinznach einzubrechen, um diese nach Wertgegenständen zu durchsuchen. «Die Türe ist offen gestanden und ich habe Musik gehört», erklärte er. «Da bin ich halt neugierig geworden», so der 65-Jährige.

Er sei nur mit einem Fuss in der Wohnung gestanden, da sei der Eigentümer, der sich in der Wohnung aufgehalten habe, auf ihn aufmerksam geworden. «Ich habe keine bösen Absichten gehabt. Wenn ich aber Geld gefunden hätte, hätte ich es mitgenommen.»

Schliesslich habe er kein Geld gehabt, verteidigte er sich. Geständig war der Beschuldigte auch hinsichtlich des gestohlenen Fahrrads. «Es stand alleine da, deshalb habe ich es mir für drei Tage ausgeliehen. Als ich es vor einer Bar abstellte, war es weg, als ich wieder nach draussen kam.»

Auch dass sich der Italiener bis Juli 2016 nicht in der Schweiz aufhalten darf, war dem Beschuldigten bewusst. Um eine Arbeit zu suchen, kam er dennoch ohne Ausweise in die Schweiz und hielt sich rechtswidrig auf. Auch hier war für den Verteidiger klar: «Dass der Beschuldigte ausreiste und wieder einreiste, ist nicht beweisbar. Daher ist er der rechtswidrigen Einreise freizusprechen.»

Offene Rechnung wird beglichen

Bei der Urteilsverkündung erklärte Gerichtspräsidentin Kathrin Jacober, dass der Beschuldigte ausser der Urkundenfälschung und der rechtswidrigen Einreise in allen Anklagepunkten für schuldig befunden wurde.

Da ein Hotelmeldeschein keine Auskunft über die Identität einer Person geben könne, sei ein solcher auch nicht als Urkunde anzusehen. Der Freispruch von der rechtswidrigen Einreise folgte aufgrund fehlender Beweise. Daher wurde der Beschuldigte zu 13 Monaten unbedingter Freiheitsstrafe sowie einer Busse von 200 Franken verurteilt.

Ebenfalls müsse er die offene Rechnung in Frutigen bezahlen und 90 Prozent der Verfahrens- und Verteidigungskosten übernehmen. Weiter erhalte er seinen zuvor konfiszierten Schraubenzieher zurück, weil dieser nicht als Einbruchsgegenstand identifiziert werden konnte.