Bundesgerichtsurteil

LKW überrollt Töffli-Fahrer – Bundesgericht bestätigt Schuldspruch

Der Motorradfahrer erlag seinen Verletzungen noch auf der Unfallstelle. (Symbolbild)

Der Motorradfahrer erlag seinen Verletzungen noch auf der Unfallstelle. (Symbolbild)

Im April 2010 übersah ein Lastwagenfahrer vor einem Rotlicht einen Mofafahrer – mit Folgen. Beim Anfahren überrollte der LKW den jungen Lenker. Der 15-Jährige starb. Das Bundesgericht sprach den LKW-Fahrer der fahrlässigen Tötung schuldig.

Zum verhängnisvollen Unfall kam es am 20. April 2010 in Oftringen: Ein Lastwagen stoppte an einer Kreuzung an zweiter Stelle hinter einem Personenwagen vor einem Rotlicht, zentimetergenau am rechten Strassenrand und rund 1,3 bis 1,5 Meter hinter dem vor ihm wartenen Auto.

Doch unbemerkt vom Chauffeur überholte ein damals 15-Jähriger den Lastwagen während der Rotlichtphase mit seinem Mofa, indem er rechts über das Trottoir fuhr und sich dann vor den LKW stellte, leicht quer zur Fahrbahn.

Als die Ampel auf grün wechselte, fuhr der LKW los – und überrollte den Mofafahrer. Er erlag seinen schweren Verletzungen noch auf der Unfallstelle, wie aus dem veröffentlichten Bundesgerichtsurteil hervorgeht.

Bezirksgericht hatte Chauffeur noch freigesprochen

Das Bundesgericht sprach den LKW-Chauffeur der fahrlässigen Tötung schuldig und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 100 Franken, bedingt für eine Probezeit von drei Jahren. Dazu kommt eine Busse von 4500 Franken oder 45 Tage Freiheitsstrafe. Das Bundesgericht bestätigte damit das Urteil des Aargauer Obergerichts vom März 2013. Das Bezirksgericht Zofingen hatte den LKW-Fahrer im Januar 2012 noch freigesprochen.

Das Bundesgericht hält zwar fest, dass sich der Mofalenker entgegen den Verkehrsregeln verhalten habe, indem er mit seinem Mofa den stehenden Lastwagen rechts über das Trottoir überholt habe. Dies habe aber den Chauffeur nicht davon entbunden, sich vor dem Losfahren mit einem Blick in den Frontspiegel zu vergewissern, ob die Fahrbahn vor ihm tatsächlich frei war.

Der Chauffeur habe auch damit rechnen müssen, dass Fussgänger oder Fahrrad- oder Mofalenker die Strasse an seinem Standort betreten beziehungsweise befahren oder sich vor ihm einreihen könnten. Selbst ein Überholmanöver, wie vom tödlich Verunfallten vorgenommen, sei nicht derart abwegig gewesen, dass man damit nicht hätte rechnen müssen.

Das Urteil verweist auch auf die Literaturmeinung, nach der sich Lastwagenchauffeure immer damit rechnen und besonders darauf achten müssen, ob sich rechts neben ihren Fahrzeugen Mofa- und Fahrradfahrer einschieben, auch via Trottoir. Darauf bezog sich schon das Obergericht.

Zudem müsse ein Lastwagen-Chauffeur in jedem Fall so langsam anfahren, dass ein Verkehrsteilnehmer, der knapp vor ihm steht, noch rechtzeitig wegfahren kann.

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