Protest

Links statt ausgewogen? Aargauer Bürgerliche beschweren sich wegen neustem KV-Heft

Dicke Post für Alessio Mair, kfmv-Präsident, von Maja Riniker und weiteren Grossräten.

Dicke Post für Alessio Mair, kfmv-Präsident, von Maja Riniker und weiteren Grossräten.

23 Politiker mit KV-Abschluss schreiben dem Verband einen offenen Brief. Grund für ihren Unmut ist die jüngste Ausgabe der Verbandszeitschrift.

Der Präsident des Kaufmännischen Verbands (kfmv) Aargau Ost, Alessio Mair, hat diese Woche dicke Post bekommen. In einem von Maja Riniker (Grossrätin FDP) und Maya Meier (Grossrätin SVP) verfassten offenen Brief äussern 23 Grossrätinnen und Grossräte mit KV-Abschluss aus SVP, FDP und CVP ihren Unmut über die jüngste Ausgabe der Verbandszeitschrift. Sie beschweren sich, dass darin Gewerkschaftspräsident und SP-Grossrat Florian Vock «zur stärksten Waffe aufruft – zum Streik».

Das lasse aufhorchen, schreiben die Grossräte: «Die Meinung, dass wir KV-Abgänger, welche oft in Führungspositionen anzutreffen sind, nur auf Profitmaximierung aus sind, teilen wir nicht. Dass der Streik eine valable Antwort auf unumgängliche Umstrukturierungsmassnahmen sein könnte, ist mit dem Slogan (des kfmv) ‹mehr wirtschaft. für mich. im aargau› nicht vereinbar.» Die 23 Grossräte distanzieren sich davon. Sie teilen auch die kritische Einschätzung in derselben Ausgabe der ArbeitAargau-Präsidentin und Nationalrätin Irène Kälin zur Steuervorlage STAF und zur kantonalen Steuervorlage nicht. Kälins Aussagen seien zudem «im Widerspruch zum Kaufmännischen Verband Schweiz, der die STAF unterstützt». Die Grossräte hoffen künftig auf eine ausgewogene Berichterstattung.

Mair: Wir nehmen das ernst

Mair bestätigt den Erhalt des Briefes. Das habe er bereits auch gegenüber dessen Verfasserinnen getan: «Ich freue mich darüber», sagt Mair, «denn der Brief zeigt, dass unsere Zeitschrift, die wir im Milizbetrieb produzieren, breit gelesen und genau angeschaut wird. Und natürlich nehmen wir diesen Brief ernst.» Der Kaufmännische Verband sei politisch neutral. Man bemühe sich sehr um ausgewogene Information, wie etwa in der grossen Berufsschuldebatte, wo alle Seiten zu Wort gekommen seien. Der Dachverband, dem der kfmv Aargau angehört, Arbeit Aargau, habe in jeder Ausgabe der Zeitschrift eine Seite zur Verfügung. Diesmal legte dort Irène Kälin ihre Vorbehalte gegen die Steuervorlage dar.

Warum aber findet sich darin nicht auch ein befürwortender Artikel, zumal der Kaufmännische Verband Schweiz dazu die Ja-Parole vertritt? Der kfmv Aargau Ost übernehme jeweils die Parole des nationalen Verbandes; zu kantonalen Vorlagen fasse er keine Parolen, sagt Mair. Künftig werde man aber darauf achten, «dass in so einem Fall sicher beide Seiten zu Wort kommen und auch auf die Position des KV Schweiz hingewiesen wird». Im Vorstand sei man mit Mitgliedern von FDP und SVP breit abgestützt. Linke Politikerinnen und Politiker seien aber mit Artikeln zu aktuellen Themen sehr aktiv, gibt Mair den Ball den Bürgerlichen zurück: «Ich würde mich freuen, wenn wir auch von Bürgerlichen mehr Artikelangebote bekämen.» Doch was sagt er zur Kritik an Florian Vocks Artikel in derselben Ausgabe? Mair: «Bei uns kommen beide Seiten zu Wort. An der letzten Generalversammlung etwa sprach der Unternehmer und FDP-Grossrat Adrian Schoop, nächstes Mal wird Bildungsdirektor Alex Hürzeler (SVP) bei uns sprechen. Wir hatten aber auch schon SP-Ständerätin Pascale Bruderer für ein Referat an unsere GV eingeladen.»

Aus dem Disput will man Lehren ziehen. Mair räumt ein, in der letzten Ausgabe seien linke Positionen überproportional zu Wort gekommen. Ende Mai ist der Brief der Grossräte denn auch Thema einer ausserordentlichen Sitzung. Das Resultat werde man im Vorstand erläutern und den Grossrätinnen und Grossräten mitteilen. Eine angedachte Massnahme ist das neue Ressort «Politik» im Vorstand.

Riniker wartet gespannt auf die Rückmeldung von der ausserordentlichen Sitzung. So oder so versteht sie nicht, dass in der Verbands-Zeitschrift ArbeitAargau einfach eine Seite zur Verfügung hat: «Dann müsste auch die Arbeitgeberseite, beispielsweise vertreten durch die Aargauische Industrie- und Handelskammer oder den Aargauischen Gewerbeverband, dasselbe Recht haben», verlangt sie.

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