Herr Levrat, Ende Januar hat Pascale Bruderer über ihren Rücktritt als Ständerätin informiert. Haben Sie versucht, sie umzustimmen?

Christian Levrat: Die SP war im Ständerat noch nie so stark wie jetzt und Pascale Bruderer spielt eine wichtige Rolle. Trotzdem verstehe ich ihren Entscheid. Ich bin in einer ähnlichen Situation wie sie. Wenn man jung gewählt wird, stellt sich die Frage, was nach der Politik kommt. Im Gegensatz zu Pascale Bruderer habe ich mich entschieden, noch zu bleiben.

Müller: "Bruderer hatte nicht den klassischen Sozialistengroove"

Müller: "Bruderer hatte nicht den klassischen Sozialistengroove" (Januar 2018)

Philipp Müller (FDP) bedauert im Interview den Rücktritt seiner Aargauer Ständeratskollegin Pascale Bruderer, den sie auf Ende Legislatur angekündigt hat. Mit Bruderer verliere Bern eine pragmatische Sozialdemokratin, mit der man gut diskutieren konnte. "Bruderer hatte nicht den klassischen Sozialistengroove", so Müller.

Die SP Aargau will den Sitz verteidigen. Was muss eine Kandidatin oder ein Kandidat mitbringen?

Einerseits haben die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger die Erwartung, dass ihre Ständeräte die Anliegen des Kantons in Bern vertreten und dabei zusammen an einem Strick ziehen. Andererseits ist es eine Personenwahl. Die politische Ausrichtung spielt weniger eine Rolle.

Über Pascale Bruderer wird aber gesagt, dass sie genau wegen ihrer Zugehörigkeit zum sozialliberalen Flügel der SP Stimmen bis ins bürgerliche Lager holte. Hat ein linker Kandidat oder eine linke Kandidatin trotzdem Chancen?

Definitiv. Links oder weniger links spielt keine Rolle. Es geht um die Frage: Wem vertraut man? Im Vordergrund stehen die Person und die Interessen des Kantons, weniger die Partei.

Wie stark wird sich die SP Schweiz in die Nachfolgersuche einmischen?

Bei den Ständeratswahlen mischen wir uns nicht ein. Es sei denn, wir werden gefragt. Der Kanton muss für sich entscheiden. Es geht um die Wahl von Kantonsvertretern und nicht um die Wahl von Parteivertretern.

Letzte Woche hat Nationalrätin Yvonne Feri informiert, dass sie kandidieren möchte. Elisabeth Burgener, Co-Präsidentin der SP Aargau, wollte «noch nichts zu Feris Chancen sagen, als SP-Kandidatin nominiert oder in den Ständerat gewählt zu werden». Auch Christian Levrat will sich nicht dazu äussern und verweist an die Kantonalpartei. Ebenso sagt er nichts zur Geschlechterfrage.