Asylbewerber
Linke und rechte Politiker sind sich in Asylfragen einig wie selten

Sozialromantiker und Hardliner diskutieren am Podium des Netzwerks Asyl Aargau über Beschäftigung und Ausschaffung. Das umstrittene Thema lautete : «Ausreisepflichtige Asylbewerber».

Tim Honegger
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Gesprächsleiter Walter Vogt spielt den Politikerinnen und Politikern aus allen Parteien den Ball zu. Von links Elisabeth Burgener (SP), Kathrin Fricker (Grüne), Herbert Strebel (CVP), Beat Rüetschi (FDP) und Andreas Glarner (SVP). Tim Honegger

Gesprächsleiter Walter Vogt spielt den Politikerinnen und Politikern aus allen Parteien den Ball zu. Von links Elisabeth Burgener (SP), Kathrin Fricker (Grüne), Herbert Strebel (CVP), Beat Rüetschi (FDP) und Andreas Glarner (SVP). Tim Honegger

Wenn Asylgegner und -befürworter aufeinandertreffen, wird oft mit harten Bandagen gekämpft. Zwar war dies auch am Podium des Netzwerks Asyl Aargau der Fall, jedoch konnten sich die fünf Grossrätinnen und Grossräte wenigstens in zwei Punkten einigen. Ob diese gemeinsame Basis demnächst im Grossen Rat zum Thema werden könnte, bleibt indes abzuwarten.

Beschäftigung als Lösungsansatz

Die Organisatoren versprachen einen verbalen Schlagabtausch zwischen «Sozialromantikern und Hardlinern» zum Thema «Ausreisepflichtige Asylbewerber». Das brandaktuelle Thema diskutierten die Grossräte Elisabeth Burgener (SP), Kathrin Fricker (Grüne), Herbert Strebel (CVP), Beat Rüetschi (FDP) und Andreas Glarner (SVP) unter der Moderation von Walter Vogt. Glarner kritisierte, dass genau jene Leute in die Schweiz kämen, die in ihrem Heimatländern für den Aufbau benötigt würden – namentlich dynamische Jugendliche, die gar keine Not litten. Dass diese hier straffällig werden, sei nichts als logisch, erklärte daraufhin eine Zuhörerin: «Stecken Sie 50 Jugendliche mit viel Zeit und ohne Geld in einen Bunker – natürlich lungern sie herum und treiben Blödsinn.»

Die Lösung des Problems sehen die Politiker von links bis rechts in der Beschäftigung. «Könnten die Asylbewerber im lokalen Gewerbe mitarbeiten, wären sie nicht gelangweilt und bekämen gleichzeitig Schweizer Kultur vermittelt», erklärte Burgener.

Die Konsequenz davon wären weniger Kriminalität und eine sinnvollere Wartezeit für die Betroffenen. Schliesslich kann diese im Extremfall bis zu 18 Monate betragen.

Kürzere Verfahrensdauer

«Einen Tag nach der Ausschaffung kann ein Asylsuchender bereits wieder an der Grenze stehen und unsere Behörden müssen den Fall neu aufrollen», beklagte Strebel. Deshalb fordere er eine Verschärfung des Asylgesetzes. In dasselbe Horn bliesen Rüetschi und Glarner. Auch die beiden weiblichen Vertreterinnen pflichteten bei, dass in der Verwaltung einiges optimiert werden müsse. «Wenn die Asyl-Verfahren auf 30 Tage verkürzt würden, wäre ein grosses Problem bereits vom Tisch», resümierte Glarner. Davon würden nicht nur die Behörden, sondern auch die Asylsuchenden selbst profitieren: Auf diese Weise müssen sie nicht monatelang im Ungewissen über ihren Entscheid ausharren. Das Netzwerk Asyl Aargau, das den Anlass organisierte, sorgt sich um Asylsuchende. So finden wöchentlich Treffen an fünf Standorten statt, bei denen sich die Immigranten austauschen können und Deutschkurse erhalten.

Menschlichkeit für Asylsuchende

«Bei Problemen suchen wir den Kontakt zu den Behörden und zur Politik», erklärte Patrizia Bertschi, Präsidentin des Netzwerks. Mit dem heutigen Podium wollte sie Verantwortliche in der Asyldebatte zusammenführen und ihnen mitunter aufzeigen, wie das Asylwesen auf der Basis aussieht.

«Zu oft vergisst man, dass teils tragische Schicksale die Asylsuchenden hierhergebracht hatten.» Deshalb sei es wichtig, die Asylbewerber als Menschen zu behandeln. Diesem Votum stimmte auch Andreas Glarner bei: «Solange die Asylsuchenden hier sind, sollen sie menschlich behandelt werden.»