Pandemie

Linie im Aargau fällt länger aus – Regierungsrat Attiger kritisiert «strukturelles Problem der SBB»

Regionalzug bei der Einfahrt in den Bahnhof Wohlen. archiv/az

Regionalzug bei der Einfahrt in den Bahnhof Wohlen. archiv/az

Wegen Lokführermangel in der Coronakrise: Die S42 zwischen Muri und Zürich wird frühestens am 7. September wieder fahren. Nun interveniert der Regierungsrat.

Normalerweise fährt die Regionalbahn S42 von Muri über Wohlen nach Zürich. Seit dem Lockdown verkehrt sie nicht mehr, obwohl inzwischen auf dem Schienennetz der SBB fast überall wieder Normalbetrieb herrscht. Eigentlich hätte die S42 diesen Montag wieder in Betrieb genommen werden sollen. Doch nun wird die Massnahme «bis mindestens am 6. September» verlängert, wie die SBB mitteilen. Sie begründen den Ausfall mit dem Mangel an Lokführerinnen und Lokführern. Die Coronakrise habe diesen verschärft, da die Ausbildungen nicht hätten stattfinden können, so die SBB. Sie rechnen damit, dass es ab Mitte 2021 wieder mehr Lokpersonal gibt.

Die Verlängerung des Ausfalls stösst beim Regierungsrat auf Kritik. «Die coronabedingte Verzögerung bei der Lokführerausbildung ist natürlich ein kurzfristig nachvollziehbarer Grund», lässt sich Regierungsrat Stephan Attiger, Vorsteher des Departements Bau, Verkehr und Umwelt, in einer Mitteilung zitieren. Doch man habe das Gefühl, dass Corona vorgeschoben werde, um den schon länger andauernden Personalmangel bei den SBB zu rechtfertigen, erklärt er auf Anfrage und betont: «Die Knappheit an Lokführern ist ein strukturelles Problem der SBB. Die Konsequenzen davon soll nicht der Aargau tragen müssen.» Die SBB hätten einen Vertrag mit dem Kanton, die S-Bahn sei bestellt und finanziert. Man erwarte, dass die vereinbarten Leistungen von den SBB erbracht würden, wenn diese nicht coronabedingt ausfielen. Deshalb hat Attiger bei der SBB-Leitung interveniert: «Das bestellte Angebot muss so schnell wie möglich wieder ordnungsgemäss zur Verfügung stehen.»

Regierungsrat Attiger stört sich zudem an der einseitigen Kommunikation der SBB: «Es ist unverständlich, dass wir nur per E-Mail über die Situation informiert wurden.» Die SBB könnten nicht ohne Absprache den Ausfall verlängern, sondern hätten gemeinsam mit dem Kanton nach Lösungen suchen müssen. So hätte man vielleicht einen Totalausfall der S42 verhindert können. «Schliesslich ist auch der ganze regionale Busverkehr von der Massnahme betroffen», so der Regierungsrat.

Fällt die S42 noch bis Mitte des nächsten Jahres aus?

Die SBB täten ihr Möglichstes, um die Auswirkungen des Lokführermangels so gering wie möglich zu halten, antwortet SBB-Mediensprecher Raffael Hirt auf Anfrage. Die S42 sei von den Ausfällen betroffen, weil sie als Zusatzzug während der Hauptverkehrszeiten verkehre. «Die SBB werden dies am nächsten Treffen mit dem Kanton Aargau besprechen», so Hirt. Man führe die S42 und die weiteren ausfallenden Züge so rasch wie möglich wieder ein.

Doch da die SBB schreiben, dass der Lokführermangel wohl bis Mitte 2021 andauere, erwartet Regierungsrat Attiger weitere Einschränkungen im Zugverkehr. FDP-Nationalrat Matthias Jauslin und Fredy Zobrist, der Präsident der Kommission ÖV Freiamt, hatten im Juni sogar die Befürchtung geäussert, die SBB wollten die S42 gleich ganz abschaffen. Dass die SBB so weit gehen, glaubt Attiger nicht, er fordert aber eine «lückenlose» Umsetzung des neuen Fahrplans ab Dezember 2020. Er setzt nun auf die Dialogbereitschaft der SBB: «Ich gehe davon aus, dass wir gemeinsam an den Tisch sitzen und dass die SBB Transparenz schaffen, was nächstes Jahr passiert.»

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