Podium in Aarau

Leuthard wirbt für Energiestrategie: «Ich habe die besseren Argumente!»

Bei einem hochkarätiges Podium mit Wirtschaftsvertretern in Aarau warb Energieministerin Doris Leuthard für die Energiestrategie des Bundesrats. Dass dieser dem Erstarken von SVP und FDP unter Druck kommen könnte, fürchtet sie nicht.

Energieministerin Doris Leuthard ist dieser Tage öfters im Aargau anzutreffen. Dies, weil die Schweiz vor entscheidenden Weichenstellungen steht. Da spielt der Aargau als grösster Schweizer Stromproduzent eine wichtige Rolle.

So stellte sich Leuthard kürzlich in Windisch kritischen Fragen zur Tiefenlagersuche für den Atommüll. Am Freitagabend war sie auf Einladung des von Ständerätin Pascale Bruderer präsidierten Vereins Cleantech Aargau in Aarau. Jetzt ging es um die bundesrätliche Energiestrategie 2050.

Ist diese Strategie richtig und zielführend? Stadtpräsidentin Jolanda Urech verwies auf den Nachhaltigkeitsartikel der Energiestadt Aarau. Der kantonale Aargauer Energiedirektor Stephan Attiger sagte, die Frage des Ausstiegs aus der Kernenergie müsse man nicht mehr diskutieren, sie rentiere nicht mehr: «Niemand wird mehr ein KKW bauen.»

Die Frage sei, wie und wann wir aussteigen. Der Aargau habe immer den Mut zu Neuem und zu Innovation gehabt, so Attiger: «Wir wollen bei der Energie auch künftig eine Pionierrolle einnehmen!» Hier will der Verein Cleantech ansetzen und den Dialog mit der Bevölkerung fördern.

Saal platzt aus allen Nähten

Und die Bevölkerung ist sehr interessiert. Der Saal im Kultur- und Kongresszentrum platzte jedenfalls aus allen Nähten, als Leuthard für die bundesrätliche Strategie warb. Sie gab auch ganz praktische Tipps: «Wenn die Autopneus nicht richtig aufgepumpt sind, kann der Energieverbrauch bis 20 Prozent steigen.»

Bei den KKW rechne man mit einer Laufzeit von 50 Jahren. Danach brauche es Ersatz. Der Bund wolle nicht einfach Strom importieren, sondern die Energieauslandabhängigkeit gar senken.

Dafür brauche es in einer Zwischenphase auch die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV). Die müsse man gar noch erhöhen, auch zugunsten der Wasserkraft. Sonst investiere niemand mehr, wenn man den Strom für 4 Cents importieren kann.

Hat Leuthard keine Bange um die Energiestrategie, nachdem neu SVP und FDP eine knappe Mehrheit im Nationalrat stellen?, wollte Moderator Patrik Müller, Chefredaktor der «Schweiz am Sonntag», wissen. Mit ihrem Ausruf – «Nein, denn ich habe die besseren Argumente! – hatte sie das Publikum im Sack.

Energiestrategie: Ja, aber ...

In der Diskussion mit Spitzenvertretern der Wirtschaft zeigte sich: Sie stehen hinter der Energiestrategie 2050. Doch zur Umsetzung gibt es viele Fragen.

Die Strategie sei wichtig, anspruchsvoll, aber auch notwendig, meinte Jasmin Staiblin, CEO des Energiekonzerns Alpiq. Weil nicht einmal mehr Schweizer Wasserkraft rentiert, ist sie aber «froh, dass die Politik die Wasserkraft jetzt auf der Agenda hat».

ABB-Schweiz-Chef Remo Lütolf wünscht sich bei der Umsetzung der Strategie mehr Markt und weniger Subventionen. Wie Leuthard setzt er auf künftig viel bessere Speicher für Strom, das brauche aber Zeit.

Mehr Markt fordert auch Hubert Zimmermann, CEO der AEW Energie AG. Und auch er fordert, zur Wasserkraft Sorge zu tragen. Für die erneuerbaren Energien brauche es Akzeptanz, etwa für Windturbinen. Hans-Kaspar Scherrer, CEO der IBAarau, verwies zusätzlich auf Deutschland, das nicht nur «Erneuerbare», sondern weiterhin billige, CO2-freisetzende Kohle intensiv nutzt.

Lütolf forderte schliesslich die Bevölkerung auf, nicht einfach auf Regeln des Staates zu warten. Sie könne selbst über die Energiezukunft mitentscheiden, etwa indem sie mit dem Flugzeug in die Ferien fliegt, oder mit dem Zug in die Schweizer Berge fährt.

Bruderer ihrerseits warb um rasche Entscheide, denn für die Industrie seien Rechts- und Planungssicherheit von hoher Bedeutung. Apropos sparsamen Umgang mit Energie und Energieeffizienz: «Die Energie, die nicht verbraucht wird», so Bruderer, «verschmutzt die Umwelt nicht und kostet auch nichts.»

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