AZ-Weihnachtsaktion
Letzter Tag der Spendenaktion: schon über 625'000 Franken ++ AZ-Leser sammeln seit 25 Jahren für Notleidende in Ruanda

30 Jahre gibt es das Hilfswerk Margrit Fuchs Ruanda und seit 25 Jahren sammeln die Leser der AZ Medien. Am Dienstag, 15.30 Uhr, lag der Spendenstand bei 625'220 Franken. Die Spendensammler hoffen, bis zum Ende der Aktion 700'000 Franken zu erreichen.

Edgar Zimmermann
Merken
Drucken
Teilen
Hilfswerk Margrit Fuchs Ruanda: Impressionen
26 Bilder
Das Hilfswerk nimmt sich auch der Betreuung verwahrloster Kinder an.
Weitere Impressionen aus dem Hilfswerk in Ruanda: Klicken Sie sich durch die Galerie!
Weitere Impressionen aus dem Hilfswerk in Ruanda: Klicken Sie sich durch die Galerie!
Weitere Impressionen aus dem Hilfswerk in Ruanda: Klicken Sie sich durch die Galerie!

Hilfswerk Margrit Fuchs Ruanda: Impressionen

Regula Gloor/Barbara Willi

Ab 1970 war die Windischerin Margrit Fuchs in Ruanda tätig, um Bedürftige zu unterstützen. Um die Hilfeleistungen zu institutionalisieren und zu fördern, gründete sie 1988/89 zusammen mit dem Priester Josaphat das «Bureau Social» von Gitarama. Dies war die Geburtsstunde des Hilfswerks von Margrit Fuchs.

1992, im Alter von 75 Jahren, wollte sie nach Windisch zurückkehren. Doch vor ihrer Abreise brachte ihr Josaphat eine Schar ausgehungerter Waisenkinder mit der Bitte, ihnen das Leben auf der Strasse zu ersparen. Margrit brachte es nicht über sich, sie im Stich zu lassen – und blieb. Sie brachte die Kinder in alten Hütten unter, doch immer mehr Waisen- und Strassenkinder wurden ihr zugeführt, viele mit vor Hunger aufgeblähten Bäuchen. Nach anderthalb Jahren betreute sie 220 Kinder!

Akute Raumnot

Die Unterbringung wurde zu einem grossen Problem. Im Dezember 1993 schrieb sie Bekannten, sie müsse dringend einen Heim-Neubau erstellen, der koste aber 30'000 Franken und ihr fehle das Geld. Die Redaktion des «Badener Tagblatts» erhielt von einem Briefempfänger das Schreiben und beschloss, spontan und ohne Wissen von Margrit Fuchs, am 21. Dezember 1993 in der Zeitung eine Sammelaktion für dieses Projekt zu starten. Die Leserschaft war tief beeindruckt vom Wirken der 76-jährigen Frau und meldete bis zum 24. Dezember Spendenzusagen von 180'000 Franken; Ende Januar waren es 320'000 Franken. Für die Empfängerin war dies, wie sie der Zeitung schrieb, «das grösste Geschenk meines Lebens».

Damit war der Grundstein gelegt für den Aufbau des Hilfswerkes. Die Redaktion dachte zunächst nicht an eine Fortsetzung der Sammelaktionen. Doch dann begann in Ruanda ein furchtbarer Völkermord, der gegen eine Million Tote forderte, aber auch einen enormen Anstieg der Zahl der Waisen- und Strassenkinder bewirkte. Margrit Fuchs war stärker gefordert denn je. In Absprache mit ihr wurden die Sammelaktionen ab 1994 fortgesetzt, wobei immer mehr Aktivitäten zugunsten der ärmsten Familien und der Kinder entwickelt werden konnten. Die Hilfswerk-Leiterin blieb bis zu ihrem 90. Altersjahr mit enormem Engagement tätig. 2007 starb sie bei einem Verkehrsunfall in Ruanda. Seither setzt eine Stiftung, angeführt von einem ehrenamtlich tätigen Stiftungsrat, die Aktivitäten fort und weitet sie aus. Nun beginnt die 25. Sammelaktion. Die Zahl der beteiligten Zeitungen innerhalb der AZ-Medien ist inzwischen angewachsen.

Leser tragen das Hilfswerk

Dass die Leserinnen und Leser mit ihren bei den Weihnachtsaktionen überwiesenen Spenden die Hauptträger des Hilfswerkes sind – damit werden rund 90 Prozent der Ausgaben für das Engagement zugunsten der Bedürftigen bezahlt –, ist wohl einzigartig und grossartig. Das Geld kommt ohne Spesenabzüge oder Administrationskosten den Bedürftigen zugute.

Zu einem «Markenzeichen» der traditionellen Weihnachtssammlung ist das Konzept geworden, wonach die Spender selber wählen können, wofür ihr Geld verwendet werden soll: für Schulgelder an momentan 1500 Kinder aus armen Familien, für die Betreuung von Waisen und vernachlässigten Kindern – derzeit sind es 460, Tendenz stark steigend –, für Viehabgaben an mittellose Familien, Berufsausbildung und anderes mehr. Tausende von Menschen in Not erhalten dank den Spenden aus der Sammelaktion Unterstützung im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe. Der Stiftungsrat möchte den Spendern denn auch von ganzem Herzen danken. Auch den beteiligten Zeitungen spricht er für die grosse publizistische Unterstützung ein herzliches Dankeschön aus.

Benefizanlass

Das Doppeljubiläum 30 Jahre Hilfswerk Margrit Fuchs und 25 Jahre Weihnachts-Sammelaktionen der AZ-Medien wird am 10. Januar 2019, 20.00 Uhr, mit einem vergnüglichen Benefizabend im Campussaal Brugg-Windisch (beim Bahnhof Brugg) begangen. Windisch war der frühere Wohnort der zur Ehrenbürgerin ernannten Margrit Fuchs. Es wirken mit: Die Comedy-Stars Michel Gammenthaler und Peach Weber und die Stimmungsband AZton. Alle Mitwirkenden spenden ihre Gage dem Hilfswerk. Diesem fliesst auch der gesamte Eintrittserlös zu.