9. Etappe
Leserwanderer auf den Spuren einer Totgesagten

Es klingt martialisch: Auf der 9. Etappe begaben sich die Leserwanderer auf die Spuren einer Totgesagten – und taten Gutes damit. Denn vor und nach der Wanderung von Moutier nach Gänsbrunnen waren sie mit der Solothurn-Moutier-Bahn unterwegs.

Sven Altermatt
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Warten am Bahnhof Gänsbrunnen
32 Bilder
Leserwanderer auf den Spuren einer Totgesagten
Vor der Einkehr auf dem Oberdörferberg
Über Stock und Stein
Über die trockenen Wiesen
Über dem Städtchen Moutier
Pause unter dem Baum
Orientierung am Wegesrand
Pause am Wegesrand
Oberdörferberg-Wirt Andi Schnider mit Wanderleiterin Anita Panzer
Müder Wanderer am Mittag
Nach der anstrengenden Wanderung geht es in den klimatisierten Zug
Kühe begleiteten die Wanderer
Kurze Orientierungskunde
Hela Rothenfluh, 81 Jahre alt
In einer Reihe
Halt beim Berghof Montpelon
Enger Weg am Felsen
Endlich wieder festen Boden unter den Füssen
Eine beeindruckende Wandertruppe
Der Tatzelwurm nach dem Mittag
Der Solothurner Stadtpräsident Kurt Fluri mit Wanderkarte
Der Solothurner Stadtpräsident Kurt Fluri diskutiert mit der Oberwiler Gemeindepräsidentin Lotti Stockar
Das Wirtepaar Luzia Schnyder und Andi Schnider
Aufstieg nach Moutier
Den steilen Weg hinauf
Aufstieg auf die Jurahöhe
Auf in die Mittagspause
Auf der Jurahöhe
Am Waldbach
Abstieg
Auf den Jurahöhen

Warten am Bahnhof Gänsbrunnen

Tim Honegger

Totgesagt wird sie schon lange. Doch nun scheint sie tatsächlich in Richtung Abgrund zu rattern. Ungebremst? Niemand weiss, wie lange es die Moutier-Bahn noch geben wird. Die Bahn steht beim Bund auf einer Liste der gefährdeten Linien. Der 3,7 Kilometer lange Weissensteintunnel, ihr Herzstück, muss dringend saniert werden. Wasser dringt durch den Jurakalkstein und macht dem Gewölbe zu schaffen. Stolze 170 Millionen Franken soll die Sanierung laut Bundesbehörden kosten.

Die Volksseele in der Region köchelt: Besonders im solothurnischen Thal geht die Angst um. Sollte die Bahnstrecke verschwinden, wird die wichtigste Verbindung ins Mittelland gekappt.

Ein lohnender Ausflug

Auch deshalb appellierte Wanderleiter Jürgen Hofer an die Leserwanderer: «Wer die Bahnfahrt mit einer Wanderung verbindet, tut Gutes für die Region und den Zusammenhalt am Röstigraben.» Tatsächlich lohnt sich ein Ausflug in die Region allein schon wegen der Bahn: Gleich nach dem Solothurner Westbahnhof beginnen die Schienen mit bis zu 28 Promille anzusteigen. Bald zeigt sich das Alpenpanorama in voller Pracht. Wenn dazu noch ein Nebelmeer über das Mittelland aufsteigt, bleibt nur noch Staunen.

Von Langendorf geht es über den Geisslochviadukt aufwärts. Und nach der Fahrt durch den Weissensteintunnel eröffnet sich in Gänsbrunnen eine Welt der Schatten und des Dämmerlichts. Schliesslich tuckert die Bahn durch die engen Juraklusen nach Moutier. Eine bezaubernde Szenerie.

Das war die 9. Etappe

Bienvenue! Voilà une première pour les lecteurs en excursion: Le départ pour la neuvième étape a eu lieu à Moutier dans le Jura Bernois, donc de l’autre côté du «Röschtigraben», comme les suisses alémaniques appellent la frontière linguistique. En Suisse Romande par contre, on dirait plutôt «outre-Sarine». Tout d’abord, les
72 lecteurs ont profité d’une leçon de géografie: Ici, le «fossé des röschtis» n’est pas un fossé, mais une montagne haute de 1297 mètres qui s’appelle Oberdörferberg. Et grâce à la montée assez raide, les marcheurs ont fait leur propre expérience de ce fossé.

Heimat Viele Leserwanderer waren gestern zum ersten Mal im Berner Jura. Ein Heimspiel war die 9. Etappe jedoch für Christian Dorer, «Nordwestschweiz»-Chefredaktor: Er hat im Berner Jura seine ersten sechs Lebensjahre verbracht und kehrte nun dahin zurück.

Bündner Gruss Ihr Lächeln reichte vom einen Ohr zum anderen, als sie den Wanderern auf dem Oberdörferberg ein Becherchen mit roter Flüssigkeit hinstellte. Anita Panzer, Wanderführerin, Kantonsrätin und Gemeindepräsidentin, ging von Tisch zu Tisch, mit einem Flachmann in der Hand, den sie mit Röteli gefüllt hatte. «En lieba Gruass usam Graubünda», sagte die gebürtige Churerin. Prost!

Surprise! Der Duft von Cervelats, die auf dem Grill brutzeln, kündigte das Restaurant Oberdörfer von Andi Schnider und Luzia Schnyder von weitem an. Das Einzige, das die Vorfreude auf den Gasthof noch steigerte, waren Andis enthusiastische Begrüssungsworte. Jedem Einzelnen schüttelte er die Hand. Als Überraschungsakt erzählte er während des Essens die Geschichte des Berghofs.

Kartenfan Er liess sie nie los: Der Solothurner Nationalrat und Stadtpräsident Kurt Fluri hielt seine Karte die ganze Wanderung über fest in der Hand. Vertraute er Wanderführer Jürgen Hofer nicht? «Ich weiss einfach gerne, wo ich bin», sagte Fluri. Der Kartenfundus, den er zu Hause hütet, deckt fast die ganze Schweiz ab. Der Oberst hat sich in der Offiziersschule mit den Karten angefreundet. Irgendwann musste er auch lernen, mit dem Schritt abzumessen, um die richtige Abzweigung zu finden. Seine Devise: Nur nie nachts bei Regen die falsche Abzweigung nehmen. «Das kommt nicht gut an.» (cnd/lfh/sva)

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