Blinker

Leserinnen und Leser übernehmen Gerichtskosten und Busse für 88-jährige Frau

«Es ist doch sicher nicht falsch, wenn man frühzeitig den Blinker stellt», sagte die beschuldigte 88-Jährige vor Gericht. (Symbolbild)

«Es ist doch sicher nicht falsch, wenn man frühzeitig den Blinker stellt», sagte die beschuldigte 88-Jährige vor Gericht. (Symbolbild)

Weihnachtlich gestimmte Leserinnen und Leser von unserer Zeitung übernehmen Gerichtskosten und Busse von einer 88-jährigen Frau, die zu früh geblinkt hat

Eine 88-jährige Frau, die in Rheinfelden mit ihrem Auto unterwegs war, hatte ohne unmittelbare Änderung der Fahrtrichtung den Blinker gestellt. Das war ungeschickt. Denn dadurch wurde sie letztlich zur Auslöserin einer Kollision, bei der eine E-Bikerin leicht verletzt wurde.

Die ältere Frau wurde mit 200 Franken gebüsst. Da sie mit der Busse nicht einverstanden war, wurde die Sache vor dem Bezirksgericht verhandelt. «Es ist doch nicht falsch, wenn man rechtzeitig blinkt», argumentierte sie vor Gericht, sich selber verteidigend.

Doch der Sachverhalt war so klar und eindeutig, dass die Gerichtspräsidentin der Frau vorschlug, sie solle sich überlegen, ob sie die Einsprache nicht zurückziehen möchte. Denn das sei wesentlich günstiger als ein Urteilsspruch. Nach fünfminütiger Bedenkzeit teilte die Beschuldigte dem Gericht mit, ja, sie ziehe ihre Einsprache zurück.

Trotzdem musste sie nicht nur die Busse, sondern auch noch die Gerichtskosten berappen, insgesamt 1029 Franken. Das ist viel Geld für die Frau, die von der AHV leben muss. Trotzdem bedankte sie sich beim Gericht, bevor sie sich, gestützt vom Rollator, auf den Heimweg machte.

So weit mag die Geschichte manchen Leserinnen und Lesern dieser Zeitung bekannt vorkommen. Doch damit war die Geschichte noch längst nicht beendet. Im Gegenteil: Sie nahm eine überraschende und höchst erfreuliche Wendung.

Besuch für die alte Dame

Die in der Zeitung veröffentlichte Geschichte von der älteren Dame, die in die Bredouille geraten war, weil sie übereifrig geblinkt hatte, schlug hohe Wellen. Die allermeisten Reaktionen zeugten von Sympathie für die tapfere Frau. Verschiedene Leserinnen und Leser meldeten sich bei der Redaktion und erklärten, sie möchten der Frau helfen und einen Teil der Kosten übernehmen.

Wenige Tage vor Weihnachten, so erzählte die überglückliche Frau am Telefon, habe es an ihrer Wohnungstüre geklingelt. Ein Ehepaar aus der Region Baden sei unangekündigt zu ihr auf Besuch gekommen, habe ihr ein wunderschönes Blumenarrangement mitgebracht und ein paar grosse Nötli. Sie sei völlig baff gewesen. «Das war eine wunderbare Weihnachtsüberraschung», erklärte sie.

Damit noch nicht genug. Inzwischen haben sich Spendenwillige untereinander vernetzt und ihre Beiträge koordiniert. So darf man beruhigt davon ausgehen, dass das verhängnisvolle Blinken der 88-Jährigen, die ihren Führerausweis jetzt freiwillig abgibt, ein glückliches Ende nimmt.

Mehr noch: Die Chancen stehen gut, dass der Blinkerin, nachdem sie Gerichtskosten und Busse bezahlt hat, sogar noch etwas Geld für ein feines Nachtessen übrig bleibt. Es sei ihr von Herzen gegönnt.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1