Schule & Erziehung
Leser sind explizit gegen die Abschaffung der BAP

Schulleiter möchten laut eines Berichts der az die Bezirksabschlussprüfung (BAP) abschaffen, weil sie entwertet worden sei. Die Leser der az sind anderer Meinung. Eine Prüfung gehöre einfach zu einem Schulabschluss, argumentieren sie.

Claudia Landolt
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Schüler in einer Prüfungssituation (Symbolbild)

Schüler in einer Prüfungssituation (Symbolbild)

Keystone

Die BAP entscheidet über den weiteren Lebensweg eines Schülers, denkt man. Mit einem Notendurchschnitt von 4,0 ist die Prüfung bestanden, mit 4,4 öfffnet sich das Tor zur Fach-, Wirtschafts- oder Informatik-Mittelschule, mit 4,7 jenes zum Gymnasium.

Doch der Eindruck täuscht: Eine separate Prüfung gibt es nur in drei Fächern (Deutsch, Mathematik und Französisch). Für das Abschlusszeugnis zählen auch beide Zeugnisse der 4. Klasse in allen promotionswirksamen Fächern. Die BAP zählt damit gerade mal mit einem Anteil von drei Elfteln, der Rest stammt auf der Langzeit-Beurteilung.

Wiederstand gegen die BAP

Unter anderem deshalb regt sich Widerstand gegn die BAP. Die beiden Rekoren der Kantonsschulen Baden und Wohlen befürworten die Abschaffung der BAP und ein Empfehlungsverfahren, so wie es an der Pirmarschule für den Übertritt in die Oberstufe Usus ist. Die Bezirksschulen selbst fordern in einem Brief an das Bildungsdepartement gar die Abschaffung der BAP.

Von den Mitgliedern der Aargauer Grossräten sind Thomas Leitch (Sekundarlehrer, SP, Wohlen) und Hans Ulrich Bühler (FDP, Stein) für eine Abschaffung. Dagegen äussern sich Richard Plüss (SVP, Lupfig) und Hans-Ruedi Hottiger (CVP-BDP, Zofingen). Letzterer widerspiegelt die Meinung viele az-Leserinnen und Leser: «Das Leben bringt immer wieder Prüfungssituationen. Es gehört zur Ausbildung und Erziehung junger Menschen, auf einen Tag X bereit und konzentriert zu sein. Später folgen die Lehrabschlussprüfung oder die Matur - auch Prüfungen zu bestehen, kann und muss man lernen.»

Pro-Gymnasium muss leistungsorientiert sein

Az-Leser Markus Geiger schreibt: «Die Bezirksschule als Pro-Gymnasium muss leistungsorientiert sein, sonst fällt der Kanton bildungsnivaumässig weit zurück.» Dominik Peter findet die BAP vernachlässigbar und befürwortet stattdessen eine Projektarbeit oder «eine Abschlussarbeit».

Hans Vögtlin, der ehemalige Rektor der Bez Baden, schlägt einen neuen Weg vor: «Aus Arbeitsbequemlichkeit hat man die Bezirksschulabschlussprüfung inzwischen auf ein Minimum abmagern lassen und will sie nun gänzlich abschaffen. Sie diente ihrerzeit auch zum Niveauausgleich der unterschiedlich anfordernden Schulen, d.h. zwischen den grossen und kleinen. Die Gegnerschaft kam schon immer politisch von der Linken, welche stets behauptete, die Bezirksschule sei zu elitär und diene nur Schülern aus bürgerlichem Milieu. Dass heute wiederum eine linksgerichtete Schulleiterin für die gänzliche Abschaffung plädiert, passt zu deren Verteidigung der additiven Gesamtschule. Ich trete dafür ein, dass die weiterführenden Schulen die Zulassungsprüfung wieder selber übernehmen, unter Berücksichtigung allenfalls von Vorschlagsnoten. Dann erhalten sie auch die Leistungsfähigen.», sagt er.

Die Meinung von Vögtlin steht für die rund 61 Prozent aller az-Leser, die für die Beibehaltung einer Abschlussprüfung sind. Für die Abschaffung plädierten dagegen 39 Prozent. (cls)