Königsfelden
Leichte Flucht, schlechtes Essen, falsche Belohnung? Klinik verteidigt sich gegen Vorwürfe

Die Klinik Königsfelden steht in der Kritik. Nach dem Ausbruch von Bois Mörder Kris V. meldete sich nun auch noch ein Ex-Insasse zu Wort, der das Innenleben der Anstalt kritisiert. Die az hat die Klinik mit den Vorwürfen konfrontiert.

Fabian Hägler
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Klinik Königsfelden
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Therapieraum in der Klinik Königsfelden
Keine andere Einrichtung wollte der Psychiatrischen Klinik Königsfelden den Mörder abnehmen. (Symbolbild)
Blick aus der forensischen Station Königsfelden in Windisch: Durch dieses Gitter entwich Kris V. Die Polizei fahndet nach wie vor nach ihm.Archiv/Palma Fiacco
Hier wurde der Flüchtige behandelt: Blick ins Zentrum für stationäre forensische Therapie der PDAG Königsfelden.Archiv/Iseli
Innenansicht der Klinik Königsfelden
Zimmer in der Klinik Königsfelden
Innenhof der Klinik Königsfelden, mit einem Gitter abgesperrt.

Klinik Königsfelden

az

Ein ehemaliger Insasse der psychiatrischen Klinik sagt in einem Interview, aus Königsfelden könne jeder ausbrechen. Er organisierte sich eine Eisenzange und schnitt ein Gitter durch – demnach verlief sein Ausbruch vor gut einem Jahr ähnlich wie jener von Kris V. am Samstagmorgen.

Mit dieser Tatsache konfrontiert, sagt Chefarzt Peter Wermuth: «Da es sich um eine fallspezifische Aussage handelt, können wir diese nicht beantworten.» Auch auf die Frage des ehemaligen Insassen, weshalb die ein- und ausgehenden Personen und Gegenstände in Königsfelden nicht gescannt werden, liefert Wermuth keine konkrete Antwort. Die Sprecherin sagt lediglich: «Das Sicherheitsdispositiv wird fortlaufend und insbesondere nach Zwischenfällen überprüft und angepasst.»

Der ausgebrochene Insasse vermutet, Kris V. habe sich in der psychiatrischen Klinik Königsfelden anständig verhalten, um Hafterleichterungen zu erhalten. Es gebe mehrere Stufen: «Bei Haftstufe 1 darf man auf den Balkon, bei Stufe 2 in den Hof, bei Stufe 3 eine halbe Stunde hinaus mit einem Betreuer, bei der Stufe 4 mit einer Gruppe und einem Betreuer, bei Stufe 5 alleine.»

Wermuth bestätigt, dass es in Königsfelden solche Stufen gibt. «In enger Abstimmung mit den Behörden und abhängig von Therapiefortschritt und Rückfallprognose haben die Patienten sogenannte Lockerungsstufen.» Diese würden ihnen je nach Therapieverlauf auch den Aufenthalt ausserhalb des gesicherten Bereiches erlauben. «Die Ausgänge erfolgen zu Beginn stets in 1:1-Begleitung – also ein Patient mit einer Fachperson», erklärt der Chefarzt. Bei einer positiven Entwicklung seien Ausgänge in der Gruppe bis zu unbegleiteten Ausgängen möglich.

Peter Wermuth hält fest: «Bei ungünstigem Verlauf werden die Lockerungen allerdings wieder zurückgenommen, dies in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden.» Solche Rücknahmen von Lockerungen erfolgen laut Wermuth «bei Zustandsverschlechterungen oder einem Risiko-Anstieg.» Die Frage, in welcher Stufe Kris V. vor seinem Ausbruch war, lässt die Klinik-Sprecherin unbeantwortet.

Wermuth widerspricht der Aussage des früheren Häftlings, wer sich der Therapie verweigere, komme in Königsfelden weiter als andere Insassen. Sie betont, eine solche «Verweigerungs-Taktik» führe nicht zu Lockerungen. «Vielmehr ist die Mitarbeit in der Therapie eine Voraussetzung hierfür», sagt er.

Zur Kritik des ehemaligen Insassen an Essen, Pflege und Hygiene in Königsfelden hält der Chefarzt fest: «Die Situation auf den forensischen Stationen bewegt sich in diesen Bereichen zumindest auf dem Niveau vergleichbarer psychiatrischer Einrichtungen in der Schweiz.»

Wermuth ergänzt, die Bedingungen seien mit denen in einem Gefängnis nicht vergleichbar, «da es sich um Therapiestationen handelt, bei denen das Stationsmilieu eine grosse Rolle spielt». Vehement widerspricht er Aussagen, die Insassen würden nur ruhiggestellt. «Für jeden Patienten wird ein individueller Behandlungsplan erarbeitet und es bestehen vielfältige und hoch differenzierte Therapie-Angebote.»

Damit werde das Ziel verfolgt, «die für das begangene Delikt relevante Störung positiv zu beeinflussen und damit künftige Delikte zu verhindern». Die Zusammenarbeit mit den Massnahmenvollzugsbehörden ist laut Peter Wermuth sehr eng – «Wir befinden uns mit diesen im ständigen Austausch», sagt der Chefarzt.

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