Arbeitsmarkt

Lehrstellen-Krise verhindern: Aargauer CVP fordert Regierung zum Handeln auf

Gemäss einer Taskforce des Bundes ist die Lehrstellen-Situation im Aargau derzeit nicht prekär.

Gemäss einer Taskforce des Bundes ist die Lehrstellen-Situation im Aargau derzeit nicht prekär.

Die Coronakrise kostete bisher noch kaum Lehrstellen. Das könnte aber noch geschehen. Die Aargauer CVP engagiert sich für eine Taskforce.

Die Coronakrise trifft den Arbeitsmarkt. Das werden auch die Jugendlichen auf Lehrstellensuche zu spüren bekommen, befürchtet Werner Müller, CVP-Grossrat: «Wenn der Gürtel bei den Unternehmen enger geschnallt wird, wirkt sich das leider auch direkt und negativ auf das Angebot von Lehrstellen aus. Diese fallen (zu) oft den Effizienzanstrengungen zum Opfer», schreibt er. Und auch um die Jugendlichen, die bereits in der Lehre sind, macht er sich Sorgen. Er befürchtet, dass es wegen der Krise zu vermehrt Lehrabbrüchen kommen könnte.

Die CVP-Fraktion wird deshalb nächste Woche einen Vorstoss einreichen. Die Regierung solle eine Taskforce gründen, um Lösungen für diese Probleme zu finden, so die Forderung.

Müller kann sich verschiedene Massnahmen vorstellen, die Abhilfe schaffen könnten. Etwa extra Hilfestellungen für die Lehrstellensuchenden, eine zusätzliche Sensibilisierung der Berufsverbände, oder aber auch finanzielle Unterstützung für Lehrbetriebe. «Eine Lehrstelle ist immer auch eine Investition in die Zukunft.» Es wäre zu bedauern, würde diese Investition aus vorübergehenden, wirtschaftlichen Gründen nicht getätigt werden. Wichtig sei nun, dass der Kanton schnell handle und den Lead übernehme.

Prekäre Lage im Tessin und in der Romandie

Bedingt durch das Coronavirus könnten in den nächsten fünf Jahren bis zu 20'000 weniger Lehrverträge abgeschlossen werden, kam eine Studie der Unis Bern und Zürich zum Schluss. Jetzt schon prekär ist die Lage im Tessin und der Romandie: Laut einer Taskforce des Bundes hat dort erst ein Drittel aller Schulabgänger eine Lehrstelle. Anders ist die Lage im Aargau: Betrachtet man die aktuellen Zahlen, droht hier keine akute «Lehrstellen-Krise».

Etwa vier von fünf Schulabgängerinnen haben einen Lehrvertrag, gleich viele wie vergangenes Jahr zu diesem Zeitpunkt. Ende Mai waren noch 899 Lehrstellen offen, im Mai 2019 waren es 863. Und schliesslich verloren in der Krise auch nicht ungewöhnlich viele Lehrlinge ihre Stelle: 265. Im selben Zeitraum vergangenes Jahr waren es 321. Die Lehrstellensuche war sicher erschwert, schreibt Simone Strub, Sprecherin des Bildungsdepartements auf Anfrage. Die Zahlen würden aber nicht darauf hindeuten, dass deswegen im Sommer weniger Personen eine Lehre antreten werden.

Sorgen um die schwächeren Schüler

Ähnlich tönt es bei «ask!», den kantonalen Beratungsdiensten für Beruf und Ausbildung. «Wir haben nicht den Eindruck, dass aktuell ungewöhnlich viele Jugendliche keine Lehrstelle finden», sagt Susanna Häberlin, Abteilungsleiterin Information und Kommunikation. Sorgen macht sie sich aber um die nahe Zukunft: «Viele Unternehmen leben jetzt noch von den Überbrückungskrediten. Die Folgen der Krise, auch für den Lehrstellenmarkt, werden wir erst später zu spüren bekommen.»

Die zentrale Frage sei: Wie schlimm wird die Rezession? Umso schlechter es den Unternehmen geht, desto weniger Lehrstellen werden angeboten. Das werden insbesondere die schwächeren Schüler zu spüren bekommen, befürchtet Häberlin.

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