Kommentar
Lehrplan 21 kommt erst 2020: Hinauszögern ist keine gute Politik

Der Kanton Aargau verschiebt die geplante Einführung des Deutschschweizer Lehrplans (Lehrplan 21) um drei Jahre. Überzeugend ist das nicht, findet az-Autor Hans Fahrländer im folgenden Kommentar.

Hans Fahrländer
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Sechstklässer am ersten Schultag am Montag in Möriken-Wildegg im Schulhaus Hellmatt.

Sechstklässer am ersten Schultag am Montag in Möriken-Wildegg im Schulhaus Hellmatt.

Chris Iseli

Eigentlich wollte man den Lehrplan 21 im Bildungsraum koordiniert einführen. Nun führt ihn Basel-Stadt 2015 ein, Baselland gestaffelt 2015/16 (oder gar nicht, eine Initiative bekämpft ihn), Solothurn 2017 und der Aargau 2020 (oder gar nicht, eine Initiative ist angekündigt). Ach ja, der Bildungsraum. Ein müder Papiertiger.

Hans Fahrländer

Hans Fahrländer

Aargauer Zeitung

Der Lehrplan selber steht in der Kritik. Er ist zu detailliert, beim Entstehungsprozess fehlte die starke Hand, welche den Partikularinteressen Einhalt gebot, nun muss er abspecken. Auch die Aargauer Regierung hat Kritik angebracht, die Stossrichtung des Dokuments aber grundsätzlich begrüsst. Wie der Lehrplan definitiv aussieht, ob die Kritik ankam, wissen wir etwa im November.

Trotz ihrer grundsätzlich positiven Einschätzung schiebt die Aargauer Regierung die heisse Kartoffel nun bereits ein Vierteljahr früher von sich weg. 2020. Wie sieht die Welt dann aus? Sie verändert sich schnell. Natürlich läuft eine Lehrplan-Periode länger als sechs Jahre. Doch ein 2012 erarbeiteter und 2014 überarbeiteter Lehrplan ist 2020 nicht mehr in allen Teilen aktuell. Und vor allem: Man ist aus dem Takt. Ein einheitliches Dokument, geformt aus einem einheitlichen Willen von 21 Kantonen als Ausdruck einer Zeit, ist das nicht mehr.

Natürlich: das Geld. Die Haltung, unter einem Sparregime keine neuen Reformen anzupacken, ist nicht falsch. Aber der Lehrplan 21 ist ja nicht neu, er läuft seit mehreren Jahren. Und dass die Schule Aargau etwas Ruhe braucht, ist auch nicht neu. Warum also dieses temporäre Einmotten? Heisst das jetzt ja oder nein? Führungsstarke, überzeugende Politik sieht anders aus.